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Wohl kein Terroranschlag "Du legst jetzt das Messer auf den Boden" - Oberbürgermeister stoppt Angreifer in Ravensburg

Spurensicherung am Tatort im Stadtzentrum von Ravensburg
Spurensicherung am Tatort im Stadtzentrum von Ravensburg
© Felix Kästle / DPA
Mitten am Tag auf einem öffentlichen Platz greift plötzlich ein Mann mit einem Messer an. Am Ende sind drei Menschen schwer verletzt, einer lebensgefährlich. Der Oberbürgermeister persönlich stellt den Angreifer.

Es ist ein sonniger Herbsttag, als plötzlich Schreie durch die Innenstadt von Ravensburg gellen. Völlig aufgelöst rennen Menschen umher, auf der Suche nach Hilfe - so erzählt es Oberbürgermeister Daniel Rapp (CDU) später am Tag. Da hat sich die Lage wieder etwas beruhigt. Am Nachmittag sah das noch ganz anders aus: Ein Mann zückt auf dem Marienplatz ein Messer. Er verletzt drei Menschen schwer, einen von ihnen lebensgefährlich.

Sein Motiv? Das ist am Abend noch unklar, wie die Ermittler betonen. Es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft am Abend mit. Wie der stern erfährt, soll der Angreifer, ein 19-jähriger Asylbewerber, eher psychische Probleme gehabt haben und in der Psychiatrie in Behandlung gewesen sein. Möglicherweise habe er seine Medikamente nicht genommen, heißt es. Dass der mutmaßliche Täter schnell festgenommen werden kann, hat die Stadt wohl nicht zuletzt ihrem Oberbürgermeister zu verdanken: Er nämlich war es nach eigenen Angaben, der den Mann mit dem Messer stellte.

Ravensburg: OB Rapp "war zufällig in der Nähe"

OB Daniel Rapp Ravensburg
Der Ravensburger OB Daniel Rapp (CDU) konnte den Angreifer selbst zur Aufgabe überreden.
© Marijan Murat / DPA

"Ich war zufällig in der Nähe", sagte der 46-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Weil Zeugen "völlig aufgelöst" zu ihm gerannt seien, sei er zum Tatort, dem Marienplatz, gelaufen - in erster Linie, um Verletzten zu helfen, wie er dem stern berichtete. "Dann stand plötzlich der Täter direkt vor mir mit dem blutüberströmten Messer und hat mich bedroht. Ich habe dann gesagt: Er soll das Messer auf den Boden legen." Das habe der Mann getan. "Es war so eine Instinkthandlung." Angst habe er in dem Moment nicht gespürt, sagte er dem stern, auch habe er nicht den Eindruck gehabt, dass der Mann auf ihn losgehen wollte. Möglicherweise kannte der den Oberbürgermeister auch, der in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt immer wieder zu Besuch gewesen war. Vielleicht erkannte er in ihm eine Autoritätsperson.

Wenig später sei die Polizei gekommen - und habe den Mann festgenommen. Widerstand habe er nicht mehr geleistet. Einem Beamten sei das Funkgerät hingefallen, erinnert sich Rapp. "Ich habe es genommen, reingesprochen und gesagt: "Wir brauchen Verstärkung, wir brauchen mehr Leute." Und die Verstärkung kommt: Nach Angaben der Polizei in Ravensburg sind am Ende alle zur Verfügung stehenden Beamten am Tatort. Die drei Verletzten werden ins Krankenhaus gebracht. Bei den Opfern handelt es sich laut einer Mitteilung vom späten Abend um zwei junge syrische Asylbewerber im Alter von 19 und 20 Jahren sowie einen 52-jährigen deutschen Staatsangehörigen.

In Ravensburg ermittelt die Polizei nach einer Messerattacke, bei der drei menschen schwer verletzt wurden
In Ravensburg ermittelt die Polizei nach einer Messerattacke, bei der drei menschen schwer verletzt wurden
© Felix Kästle / DPA

Tatwaffe laut Zeugen wohl Fleischermesser

Oberbürgermeister Rapp kennt nach eigenem Bekunden weder Täter noch Opfer. Den Angreifer beschreibt er als "jungen, eher schmächtigen Mann". Auch die Polizei spricht von einem jüngeren Mann. Am Abend teilen die Ermittler mit, dass der 19-jährigen Angreifer aus Afghanistan stammen soll. "In dem Moment machte er auf mich einen unsicheren Eindruck", sagt Rapp. Die Tatwaffe ist ihm zufolge eine Art Fleischermesser.

Eines der Opfer wurde nach Angaben der Polizei etwa 50 Meter entfernt von den anderen gefunden. Nach ersten Erkenntnissen soll der Festgenommene zunächst an einer Bushaltestelle auf zwei Passanten eingestochen haben und sich dann auf den Weg zu seinem dritten Opfer gemacht haben. Rapp erinnert sich, dass ein Verletzter später noch zu dem Festgenommenen läuft, um ihm "eine zu verpassen". Doch da ist die Polizei schon da, um weitere Aggressionen zu verhindern.

Ermittlungen der Polizei dauern an

Die gab es zuletzt häufig auf dem nördlichen Teil des Marienplatzes, wie Oberbürgermeister Rapp erzählt. Bereits vor der blutigen Attacke sei es dort immer wieder zu aggressivem Verhalten und auch Ruhestörungen bekommen. Im Sommer sei deswegen mehr Polizei im Einsatz gewesen, sagt Rapp. Im aktuellen Fall brachte das wenig. "Als ich kam, war gar kein Polizist da."

Die Kriminalpolizei sichert am frühen Abend noch Spuren am Tatort. Auch Zeugen sollen befragt werden. Weitere Details nennt die Polizei vorerst nicht. Sie informiert auch auf Twitter über den Vorfall. "Der Tatort wurde abgesperrt und wir bitten die Bevölkerung, die Absperrungen zu beachten", heißt es dort etwa. Und: "Wenn es gesicherte Erkenntnisse gibt, informieren wir Sie zeitnah."

dho / Nina Poelchau DPA

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