Im Drama um den seit mittlerweile dreieinhalb Wochen vor der Ostseeinsel Poel festliegenden Buckelwal schwinden die Chancen auf eine schnelle Befreiung des Tiers.
Die von den Behörden geduldete private Rettungsinitiative will nun zunächst eine mehr als hundert Meter lange Rinne graben, um für das derzeit in sehr flachem Wasser auf einer Art Landzunge festsitzende Tier einen Ausweg zu schaffen.
Wal liegt in Seitenbucht bei Poel fest
Das von Fachleuten bereits aufgegebene und mutmaßlich schwerkranke Tier war seit Anfang März vor der Ostseeküste umhergeirrt und dabei wiederholt gestrandet. Seit dem 31. März liegt es in einer Seitenbucht bei Poel vor Wismar fest. In der vergangenen Woche gaben die Behörden grünes Licht für eine Art letzten Rettungsversuch der von zwei Unternehmern finanzierten Privatinitiative.
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Ministerium wartet derzeit (immer noch) auf neues Wal-Rettungskonzept
Das rund zwölf Tonnen schwere Tier soll nach Angaben aus dem Kreis der Initiative mit einer sogenannten Barge transportiert werden. Dabei handelt es sich um einen etwa 15 Meter breiten, absenkbaren Lastkahn, der nicht selbstständig fährt, sondern von Schleppern gezogen wird.
Das anfänglich verfolgte Konzept, den Wal auf einer Plane zwischen zwei Pontons in die Nordsee und den Atlantik zu befördern, ist demnach vom Tisch. „Unter anderem fehlte für die vorgesehene technische Konstruktion die notwendige Zulassung für den Seeverkehr“, so die Sprecherin.
Forsa-Umfrage: Bevölkerung bei Walrettung gespalten – 45 Prozent lehnen Fortsetzung ab
Besonders Frauen und jüngere Menschen unter 45 Jahren bewerten die Rettungsversuche demnach eher positiv. Bei der Frage nach einer Fortsetzung der Rettungsbemühungen sprechen sich 39 Prozent dafür aus, 45 Prozent sind dagegen.
„Zusätzliches Leid“: Internationale Walfangkommission bekräftigt Kritik
Zugleich schloss die inzwischen hauptsächlich mit Walschutz befasste internationale Organisation erneut eine schonende Erlösung des Tiers aus. Es gebe dafür bei einem Wal dieser Größe aktuell „keine gangbare Möglichkeit“. Der einzig verantwortungsvolle und pragmatische Ansatz sei aus ihrer Sicht daher eine „ruhige und stille Palliativversorgung“.
„Behauptungen, dass dieser Wal über lange Entfernungen erfolgreich in Sicherheit geleitet werden kann, werden durch dessen wiederholte Strandungen und dessen sich verschlechternden Zustand konterkariert“Internationale Walfangkommission
Unklar ist demnach noch, wie der Wal gegebenenfalls durch die Rinne in tieferes Fahrwasser gelangen könnte und was weiter passiert.
Wal-Drama: Rettungsteam setzt nun auf Lastkahn
Dabei handelt es sich um einen etwa 15 Meter breiten, absenkbaren Lastkahn, der nicht selbstständig fährt, sondern von Schleppern gezogen wird. Die Barge sei auf dem Weg aus dem Hamburger Raum, hieß es weiter. Wann genau sie eintreffe, sei nicht klar. Geplant sei zuvor noch ein Stopp in einer Werft in Wismar. Beim Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern wollte man sich vor einer Lagebesprechung nicht zu den Details äußeren.
Die Anfahrt brauche Zeit, da die Barge nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten, etwa neun Kilometern in der Stunde, unterwegs sei und durch den Nord-Ostsee-Kanal müsse, hieß es von der Initiative.
Eine endgültiges Ok durch die Behörden gebe es aber noch nicht. Trotzdem würden die Vorbereitungen bereits starten.
Eine Gruppe älterer Elbsegler-Mützen tragender Herren aber beobachtet die Rettungsaktion ganz genau. Alle vor Ort hoffen auf endlich mal wieder gute Nachrichten vom Wal.