HOME

Verschüttete Bergleute in Chile: Rettungsbohrung für Kumpel verzögert sich

Banges Warten: Der Beginn der Bohrung eines Rettungsschachtes für die 33 in einer chilenischen Mine eingeschlossenen Kumpel verzögert sich voraussichtlich bis Montag. Da für die Bergung bis zu vier Monate eingeplant werden, arbeitet die chilenische Regierung an einer Alternative, um die Bergarbeiter schneller ans Tageslicht zu holen.

Am Montag bei Morgengrauen werde mit den Arbeiten begonnen, sagte der mit der Leitung der Rettungsarbeiten betraute Chefingenieur Andres Sougarret am Samstag (Ortszeit) der Nachrichtenagentur AFP. Das in Australien hergestellte rund 29 Tonnen schwere Bohrgerät mit dem Namen "Strata 950" werde derzeit in Position gebracht. Pro Tag kann dieses Gerät maximal 20 Meter in die Tiefe vordringen. Der Chefingenieur machte am Wochenende aber erneut deutlich, dass es bis zu vier Monate dauern könnte, zu den seit Anfang August in einem Schutzraum in 700 Metern Tiefe festsitzenden Kumpeln vorzudringen.

Geplant ist, die eingeschlossenen Bergarbeiter über einen Schacht mit einem Durchmesser von 66 Zentimetern an die Oberfläche zu holen. Angesichts der langen Dauer der Bohrung sucht die chilenische Regierung nach Alternativen. Die chilenische Zeitung "La Tercera" berichtete, Staatschef Sebastián Piñera dringe darauf, die Bergleute noch vor dem 18. September zu retten - dann feiert Chile den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Spanien. Gesundheitsminister Jaime Mañalich sagte am Wochenende, dass ein alternativer Rettungsplan in Kürze vorgestellt werde. Experten hatten vorgeschlagen, einen bereits existierenden Schacht mit 12 Zentimetern Durchmesser zu erweitern. Der Schacht ist rund 300 Meter von dem Schutzraum entfernt, die Stelle wäre für die Kumpel aber über einen Tunnel erreichbar. Die Bohrgeräte-Firma Geotec hatte erklärt, dass dieser Weg nach bereits zwei Monaten zur Rettung der Bergleute führen könnte. Außerdem ist eine Bohrung nahe des verschütteten Eingangsschachtes im Gespräch, Experten warnen aber vor neuen Einsturzrisiken.

Stärkere staatliche Kontrolle der Bergwerke

Die 33 Bergleute sind seit dem Einsturz der kleinen Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste am 5. August verschüttet. Sie stehen über ein schmales Verbindungsrohr in Kontakt mit der Außenwelt. Gesundheitsminister Mañalich sagte am Samstag, der Gemütszustand von fünf unter Depressionen leidenden Kumpeln habe sich verbessert. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Botschaften von Angehörigen hätten zu diesem "großartigen Ergebnis" geführt, sagte der Minister.

Unterdessen kündigte Bergbauminister Laurence Golborne als Konsequenz aus dem Minenunglück eine stärkere staatliche Kontrolle der Bergwerke an. Dazu werde eine Behörde geschaffen, die neue Minen genehmigen und die Sicherheitsnormen umsetzen soll. Außerdem soll die Behörde die Befugnis erhalten, bei Verstößen gegen Minenbetreiber vorzugehen. "Wir können nicht garantieren, dass es keine Unfälle mehr gibt", sagte der Minister. "Aber wir können die Firmenchefs stärker für die Bedeutung der Arbeitssicherheit sensibilisieren."

Golborne sagte, die Regierung werde die Mittel für das Bergbauministerium von 24 auf 56 Millionen Dollar mehr als verdoppeln. Weiterhin soll beim Personal bis Ende 2011 die Zahl der Kontrolleure von 18 auf 45 erhöht werden. Eine Expertengruppe überprüfe derzeit zudem die Sicherheitsbestimmungen für Minen.

Papst Benedikt XVI. sprach am Sonntag den Bergarbeitern und ihren Familien Mut zu. "Ich möchte heute mit besonderer Zuneigung an die Bergleute erinnern, die sich eingeschlossen in der Mine von San José in der chilenischen Region von Atacama befinden", begrüßte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach der Sonntagsmesse in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo alle spanischsprachigen Gläubigen. "Ich empfehle die Bergarbeiter und ihre Angehörigen der Fürbitte des Heiligen Lorenzo, auf dass sie die Hoffnung nicht verlieren mögen auf ein glückliches Ende aller Anstrengungen zu ihrer Befreiung."

Das Schicksal der Eingeschlossenen löste in Chile eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die Spenden waren zwar gut gemeint, aber nicht immer brauchbar. So hätten Menschen Socken mit Kupferfäden gegen Fußpilz geschickt, Computerspiele, Badekappen und sogar Thermokleidung, obwohl es in der Tiefe etwa 30 Grad heiß ist. Würfel, Musik und Hygieneartikel waren schon eher geeignet. "Wir planen eine Reihe von Maßnahmen, um den Männern das Warten zu erleichtern", sagte Bergbauminister Laurence Golborne.

AFP/kmi / AFP