Das Google-Mutter-Unternehmen Alphabet wirft ein Auge auf die Tierwelt, genauer gesagt, auf Mücken. Der Tech-Gigant hat einen kuriosen Antrag bei der US-Umweltschutzbehörde EPA gestellt: Alphabet möchte mit seinem Tochterunternehmen Verily Life Sciences in Kalifornien und Florida insgesamt 32 Millionen der Insekten aussetzen. Darüber berichtet unter anderem der britische „Guardian“. Was hat es damit auf sich?
Wohl die wenigsten Nutzer von Alphabets Angeboten wie Google oder Youtube wissen, dass das Unternehmen seit mehr als zehn Jahren mit Verily auch ein Forschungsunternehmen unterhält. Mit dabei sind renommierte Forscher aus den Bereichen der Kernspintomografie, Strahlenforschung oder der Krebsbiologie. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, futuristisch wirkende Projekte umzusetzen. Darunter die Entwicklung einer Kontaktlinse, die es Diabetikern ermöglicht, ihren Blutzuckerspiegel zu tracken, einen Löffel für Menschen, die an einem Tremor leiden, oder Schuhe mit Gesundheitsverfolgung und Sturzerkennung.
Google betreibt seit mehr als zehn Jahren ein eigenes Forschungsunternehmen
Zudem betreibt es ein sogenanntes „Debug“-Programm. Damit sollen Krankheiten eingedämmt werden, die durch Insekten übertragen werden. Beispielsweise das Dengue-Fieber oder das West-Nil-Virus. Verily versucht dabei nicht, die Krankheitserreger über Medikamente oder Impfungen unschädlich zu machen, es greift zwei Schritte früher ein: noch vor der Übertragung.
Laut Statistiken sind weibliche Moskitos die Tiere, die für die meisten Todesfälle bei Menschen verantwortlich sind, weil sie eine ganze Reihe von Krankheiten übertragen können. Mehr als 700.000 Menschen sterben jährlich durch die Stiche und die damit einhergehenden Krankheiten. Männliche Mücken stechen dagegen nicht. Verily hat nun begonnen, kastrierte, männliche Mücken zu züchten, in dem ihnen ein natürliches Bakterium eingesetzt wird. Nach der Paarung sterben die Eier ab und verhindern so das Schlüpfen der nächsten „Mücken-Generation“. Die Population wird auf diese Weise verringert.
Aber warum ist ein Techunternehmen wie die Google-Mutter überhaupt an Mücken und übertragbaren Krankheiten interessiert? Nicht nur aus reiner Nächstenliebe, doch die Eindämmung der Krankheiten ist gleichzeitig Ziel und Nebeneffekt der Forschung.
KI-gestützte Systeme sollen von der Forschung profitieren
Die Ingenieure und Wissenschaftler nutzen Datenanalysen und Sensoren, um „automatisierte Zuchtsysteme“ für die empfindlichen Lebewesen zu entwickeln, so das Unternehmen. Besonders wichtig und herausfordernd sei es, mithilfe von KI Männchen und Weibchen präzise voneinander zu trennen und die Männchen „am richtigen Ort und in der richtigen Anzahl“ freizulassen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Von alledem sollen letztlich KI-gestützte Projekte im Techunternehmen profitieren.
Sollte die US-Umweltbehörde dem Antrag zustimmen, die kastrierten Mücken auszusetzen, besteht eine vielversprechende Chance auf Erfolg. Ein ähnliches Programm wurde bereits in Singapur umgesetzt. Dabei sei die Mückenpopulation um 80 bis 90 Prozent gesunken. Die Fälle von Dengue-Fieber seien innerhalb von 12 Monaten um 70 Prozent zurückgegangen. Nun soll das Projekt auch in anderen Ländern ausgebaut werden – vielleicht bald auch in den USA. Eine Entscheidung soll nach dem 5. Juni fallen, wenn die Einreichungsfrist abgelaufen ist.