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Appell an die Folgenlosigkeit 1600 Euro fürs Nichtstun: Hamburger Hochschulprofessor vergibt skurriles Stipendium

Hamburger Hochschulprofessor vergibt skurriles Stipendium
"Wir leben in einer Zeit, in der man statt nach 'Erfolg' und 'Wirksamkeit' besser nach Folgenlosigkeit streben sollte", sagt Projektinitiator Prof. Dr. Friedrich von Borries
© Thomas Schweigert / DPA
An einer Hamburger Hochschule sollen drei Stipendiaten fürs Nichtsstun bezahlt werden. Das ist keine Albernheit, sondern der Versuch, Nachhaltigkeit neu zu denken. 

Die Hamburger Hochschule für bildende Künste (HFBK) hat ein Stipendium fürs Nichtstun ausgeschrieben. Mit jeweils 1.600 Euro werden die drei Bewerber belohnt, die mit ihren Plänen die Jury überzeugen können, wie Projektinitiator Prof. Dr. Friedrich von Borries der Deutschen Presse-Agentur erklärte.

Bewerber müssen unter anderem angeben, was genau sie nicht tun möchten und wie lange sie beabsichtigen, das nicht zu tun. Das kann ein Manager sein, der beschließt ein Meeting lang nichts zu sagen, aber auch jemand, der einen Monat lang nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren will", sagt Borries. Auf der Hochschul-Website schreibt er: "Wir leben in einer Zeit, in der man statt nach 'Erfolg' und 'Wirksamkeit' besser nach Folgenlosigkeit streben sollte: Welche Handlungen kann ich unterlassen, damit mein Leben keine negativen Folgen für das Leben anderer hat?"

Nachhaltigkeit neu denken

Die drei Gewinner sollen im Rahmen seiner Ausstellung "Schule der Folgenlosigkeit – Übungen für ein anderes Leben" vorgestellt werden, die am 5. November Eröffnung feiert. Die Ausstellung will hinterfragen, was allgemein gültige Vorstellungen eines "richtigen Lebens" sind und eine neue Perspektive auf "Nachhaltigkeit" schaffen. Nach 40 Jahren vermeintlicher Erfolglosigkeit in den Nachhaltigkeitsdebatten fragt von Borries, ob die Suche nach "Folgenlosigkeit" nicht eine sinnvolle Handlungsanweisung sein könnte. Mithilfe der Stipendianten sammelt er reale und fiktive Geschichten über den Versuch, ein möglichst folgenloses Leben zu führen. Dafür werden im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G) Artefakte aus dem Depot, Interventionen in die bestehende Sammlung und ein eigens für die Ausstellung eingerichteter "Selbstlernraum" miteinander verknüpft. Bis zum 21. Mai 2021 ist das Projekt zu sehen. Die Bewerbungsfrist für die Stipendium geht noch bis zum 15. September.

sve / <br/> DPA

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