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Afghanistan-Opfer Willi E. Bergtour in den Tod


Willi E. setzte sich für arme Menschen ein, leistete Entwicklungshilfe in Afrika und Asien, war tief religiös. Seine Leidenschaft zum Bergsteigen wurde ihm zum Verhängnis. Und Afghanistan. Über ein deutsches Opfer am Hindukusch.
Von Malte Arnsperger

Willi E. machte sich Gedanken darüber, was die Anzahl der Decken über die Bedürftigkeit von Familien in Afrika aussagt. Willi E. spendete mit seiner Frau notleidenden Farmern in Malawi Sonnenblumensamen. Willi E. erklärte den Bauern in Afghanistan, welches Öl sie am besten an ihre Weintrauben geben müssen, damit daraus schneller Rosinen werden. Auf diese Hilfe müssen die Menschen in Entwicklungsländern künftig verzichten. Denn Willi E. ist einer der beiden deutschen Wanderer in Afghanistan, deren Tod am Mittwoch bestätigt wurde. Die Männer waren auf einer Wanderung im Hindukusch-Gebirge nördlich von Kabul spurlos verschwunden. Zwei Wochen später tauchten ihre Leichen auf.

In E.'s Heimat sind die Menschen bestürzt. Ausgerechnet er, der Helfer, fiel einem Raubmord zum Opfer. "Es ist sehr erschütternd, dass jemand ums Leben kam, der sich für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes Afghanistan engagiert hat", sagte Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath der "Ludwigsburger Kreis-Zeitung". Der Verstorbene sei als Entwicklungshelfer zwar viel unterwegs gewesen, aber immer wieder in die Heimat auf Besuch zurückgekehrt.

Und tatsächlich scheint der dreifache Vater Willi E. ein Mann mit weltweitem Engagement gepaart mit tiefer Heimatverbundenheit gewesen zu sein. Das ergaben Gespräche von stern.de mit Freunden und Bekannten, die aus Rücksicht auf die Familie unerkannt bleiben wollen. Der verstorbene 59-Jährige hatte sich schon kurz nach seinem Agrarwissenschaftsstudium der Entwicklungshilfe zugewendet. Vor allem Afrika hat es Willi E. angetan. Er arbeitete seit 2005 in Malawi, beriet dort im Auftrag der EU das Landwirtschaftsministerium. Seine Frau Ruth lebt noch in der Hauptstadt Lilongwe und arbeitet dort als Krankenschwester. Ihr Ehemann engagierte sich neben seinem Job ehrenamtlich für ein soziales Projekt aus seiner schwäbischen Heimat. Der Ditzinger "Förderverein Chipunga" unterstützt eine Farm in Malawi, beraten von Willi E. "Er war überhaupt ein sozial sehr engagierter Mensch", sagt Margarete Baeza Fuentes, Vorstandsmitglied des Vereins.

Religiös und sozial

Diese soziale Ader habe ihren Ursprung auch in der tiefen Religiosität von Willi E., sagen Freunde. Und im Internet finden sich Hinweise, dass er seinen Glauben auch im Ausland offen gelebt hat. In einem Reisebericht von Fliegern aus Bayern, die die Familie E. 2007 in Malawi besucht haben, heißt es: "Um 07:30 Uhr treffen wir uns zum Frühstück. Willi kann uns leider nicht auf den Flugplatz bringen. Er muss um 08 Uhr und 10:30 Uhr den Gottesdienst leiten." Und auf dem Hochzeitsfoto sieht man einen lächelnden E. neben dem malawischen Brautpaar und dem örtlichen Pfarrer.

2009 zieht es E. nach Afghanistan. Für die staatliche deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet er dort als landwirtschaftlicher Berater, unter anderem auch für das "World Bank Trauben-Export-Projekt". Auch in Afghanistan geht er seinem großem Hobby nach und besteigt Berge. Eine Leidenschaft, die ihm zum Verhängnis wird. Besorgten Freunden aus der Heimat, die ihn auf die Gefährlichkeit dieser Unternehmungen hinwiesen, sagt Willie E. immer wieder: "Macht euch keine Sorgen." Mehrere Bekannte bescheinigen ihm, er sei ein sehr verantwortungsvoller, planvoller Mann gewesen. Unnötige Risiken? Nicht bei ihm.

Zusammen mit einem 69-jährigen Sachsen, der für eine evangelische Bruderschaft in Afghanistan war, wagt sich Willi E. Mitte August wieder einmal ins Gebirge. Nachdem die beiden Männer nach vielen Stunden nicht zurückgekehrt sind, meldet sie ihr Fahrer als vermisst. Bundesaußenminister Guido Westerwelle bestätigt den Vermisstenfall wenig später und sagt, es sei nicht auszuschließen, "dass sie Opfer eines Entführungsverbrechens geworden sind". Die traurige Vermutung bestätigt sich an diesem Mittwoch. Die Provinzregierung glaubt an einen Raubmord, der von Nomaden verübt wurde. Motiv: Die Ausrüstung wie Kameras, Ferngläser und Geld könnte zu dem Tod der beiden Männer geführt haben.


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