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Australien: Zyklon "Larry", der Jobkiller

Der tropische Wirbelsturm "Larry", der über Australien fegte, hat eine breite Schneise der Verwüstung hinterlassen. Der wirtschaftliche Schaden für die betroffene Region ist immens. Neben dem Ernte- droht auch der Jobverlust.

Von Michael Lenz

Einen Tag nachdem der tropische Wirbelsturm "Larry" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern Teile der Ostküste Australiens verwüstet hat, wird das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens durch die Naturkatastrophe sichtbar. Am stärksten betroffen sind die Bananenbauern. Die Plantagen im Norden von Queensland sind platt gewalzt. Damit liegen 90 Prozent der australischen Bananenproduktion, die im Jahr 2005 knapp 250.000 Tonnen betrug, buchstäblich am Boden. Der parteiunabhängige Parlamentsabgeordnete Bob Katter sagte nach einem Besuch in seinem Wahlkreis in der Region um Innisfail: "Da stand kein einziger Baum mehr, der eine Frucht tragen könnte." Die Kleinstadt Innisfail lag im Zentrum des Sturms und ist gut zur Hälfte zerstört.

Die Ernte ist futsch

Für die Bananenbauern ist nicht nur die diesjährige Ernte verloren. Sie werden auch in den kommenden anderthalb Jahren keine einzige Staude ihrer Cavendish Bananen auf den Markt bringen. Katter weiß: "Es wird 12 bis 18 Monate dauern, bis die Bauern wieder eine Ernte haben werden." Bananen werden in Australiens Supermärkten in Kürze zur Luxusfrucht werden. Aus Gründen der Biosicherheit ist nämlich die Einfuhr von Bananen verboten und die australischen Bananenliebhaber sind ausschließlich auf die heimische Produktion angewiesen. Es sei denn, die zuständige Behörde "Biosecurity Australia" hebt das Importverbot für die gelben Früchte auf. Das aber würde für viele der 1850 Bananenpflanzer, denen die krumme Frucht im Jahr umgerechnet 210 Millionen Euro einbringt, den endgültigen Ruin bedeuten.

"Larry" der Jobkiller

"Larry" ist auch ein Jobkiller. Mindestens 4000 Menschen werden in den kommenden Wochen ihre Jobs in der Bananenproduktion verlieren, befürchten Experten. Vernichtet hat der Wirbelsturm auch die Mango-, Litschi-, Avocado- und Passionsfruchternte. In Mitleidenschaft gezogen wird dadurch auch die Tourismusbranche von Queensland. Die aber beruht zu einem guten Teil auf Rucksacktouristen und für die jungen Leute aus aller Welt sind Queenslands Plantagen der ideale Ort, um sich als Erntehelfer zusätzliches Urlaubsgeld für die große Australienreise zu verdienen. Die Backpacker, so befürchtet die Tourismusbranche, könnten jetzt einen Bogen um Queensland machen und auf Farmen in anderen Teilen Australiens Jobs suchen. Alleine aus Deutschland kommen nach Angaben des Tourismusministeriums in Canberra 30.000 Rucksacktouristen nach Australien und geben zusammen 170 Millionen Dollar aus.

Hart betroffen sind auch die Zuckerrohfarmer zwischen Innisfail und Cairns. Ersten Schätzungen zu Folge hat Larry 500.000 Tonnen Zuckerrohr im Wert von umgerechnet etwa 120 Millionen Euro vernichtet. Hinzu kämen die Schäden an Gebäuden und Maschinen, sagt Ian Ballantyne, Generalmanager des Verbandes der Zuckerrohrbauern "Canegrowers" und fügt hinzu: "Viele der Bauern werden sich davon nicht mehr erholen." Seit fünf Jahren seien die Preise für Zuckerrohr auf einem Tiefststand. Viele der Farmer hätten dadurch nicht die Rücklagen, um die Folgen von Larry zu überleben. Die betroffene Region produziert ein Viertel der gesamten Zuckerrohrernte von Queensland, die zu 85 Prozent für den Export bestimmt ist.

Tourismusbranche gibt Entwarnung

Die siebzehnmilliardenschwere Tourismusbranche sei von "Larry" nicht betroffen, versichert ein Sprecher des Fremdenverkehrsamtes von Queensland. Hotels als auch die Ausflugsboote zur größten Tourismusattraktion von Queensland, dem Great Barrier Riff, seien normal in Betrieb. Jedoch hatten eine Reihe von Fluggesellschaften und Charterreiseunternehmen Touren in die betroffene Region gleich nach dem Landgang von "Larry" zunächst storniert.