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Ava Majury Die Tochter ist mit 15 ein TikTok-Star. Der Vater erschießt ihren Stalker – und bleibt auf freiem Fuß

Ava Majury auf TikTok
Screenshot aus einem Video, das Ava Majury am 10. Juli 2021 auf TikTok postete – dem Tag des Angriffs
© Ava Majury / TikTok
Ava Majury hat mit 15 Jahren schon mehr als eine Million Follower auf TikTok. Darunter war auch ein junger Mann, der zu ihrem Stalker wurde. Am Ende war der Fan tot – erschossen vom Vater der Influencerin.

Ava Majury hat das geschafft, wovon viele Mädchen in ihrem Alter träumen: Sie ist quasi mit ihrem Smartphone berühmt geworden, erntet im Internet Likes und Anerkennung, viele User kennen ihr Gesicht und ihren Namen. Majury war 13 Jahre alt, als sie ihr erstes Video auf der App TikTok hochlud. Mittlerweile ist sie 15 und ein Star auf TikTok: Mehr als eine Million Nutzer:innen folgen ihr auf ihrem Hauptaccount, hinzu kommen mehr als 300.000 auf Instagram. Sie bekommt Werbeverträge, verdient gutes Geld mit ihren Videos, sogar Hollywood klopft an.

Doch der wahrgewordene Traum von Ava Majury hat einen großen Haken. Eric Rohan Justin, 18 Jahre alt, aus dem US-Bundesstaat Maryland, entwickelt eine Art Obsession mit der jungen TikTokerin. Am Ende ist der junge Mann tot – erschossen vom Vater der Influencerin. Und Ava Majury muss in aller Öffentlichkeit und in ihrem jungen Alter mit dieser Bürde leben.

Ava Majury verdient Tausende Dollar auf TikTok

In Gesprächen mit der "New York Times" haben die 15-Jährige und ihre Familie ihre Sicht der tragischen Geschichte erzählt. Die TikTok-Karriere der Teenagerin aus Florida begann harmlos: ein paar Video zu Beginn der Pandemie, in denen sie singt und tanzt. Die Clips kommen gut an, die Zahl der Follower:innen steigt sprunghaft an. Und Majury weiß ihren Erfolg zu nutzen: Sie macht Werbung für verschiedene Produkte, eröffnet weitere Accounts, um noch mehr Nutzer:innen erreichen zu können, und verdient damit Tausende Dollar. 

Dabei vergisst sie allerdings auch nicht, den persönlichen Kontakt zu ihren Follower:innen zu wahren – das Erfolgsgeheimnis vieler Influencer. Ava Majury schreibt gerne mal einen netten Satz zurück, wenn sie eine private Nachricht bekommt. Das tat sie auch, als sich ein User namens EricJustin111 bei ihr meldet. Hinter dem Nutzernamen steckt Eric Rohan Justin. Erst entwickelt der junge Mann sich von einem begeisterten Fan zu einem aufdringlichen Bewunderer, dann wird aus ihm ein echter Stalker. Justin macht Freund:innen von Majury in New Jersey, wo die Familie zuvor gewohnt hat, ausfindig und erkauft sich von ihnen persönliche Informationen der TikTokerin: ihre Telefonnummer, ihre neue Adresse, Fotos. Im Austausch dafür soll er beispielsweise für eine Freundin die Mathe-Hausaufgaben erledigt haben.

Stalker versucht, mit einer Waffe in das Haus der Familie einzudringen

Majury ist entsetzt darüber und bricht den Kontakt zu ihren alten Freund:innen ab. Auf die Angebote von Justin geht sie aber zumindest teilweise ein: Für Geld schickt sie ihm Selfies, die sie zuvor bereits online gestellt hatte. Als er explizierte Bilder haben möchte, lehnt sie entrüstet ab. Auch ihr Vater Rob Majury, ein ehemaliger Polizist, macht dem Stalker in einer Textnachricht unmissverständlich klar, dass er seine minderjährige Tochter in Ruhe lassen soll. Doch davon lässt sich Eric Rohan Justin nicht einschüchtern. Online fantasiert er darüber, mit einer Waffe in das Haus der Majurys einzudringen. Die Familie tut das als Gerede ab – auch weil Justin hunderte Kilometer entfernt wohnt. "Ich habe nicht ernstgenommen, was eine Bedrohung hätte sein können", sagte Rob Majury der "New York Times".

Am 10. Juli des vergangenen Jahres wurde klar, wie ernst Justin seine Drohungen meinte. Um halb fünf morgens steht der 18-Jährige mit einer Waffe vor dem Haus in Maples und schießt ein Loch in die Eingangstür. Ava Majury, ihre Mutter und ihre beiden Brüder verstecken sich, ihr Vater greift zu seiner Waffe und will Justin stellen. Der Stalker flieht und entkommt, weil Rob Majury bei der Verfolgung stolpert. Doch Justin kehrte noch einmal an den Tatort zurück, wo Ava Majurys Vater vor dem Haus auf die Polizei wartete.

Was dann geschah, erzählt Rob Majury der "New York Times" so: Er habe Justin aufgefordert, die Waffe fallen zu lassen. Stattdessen habe der junge Mann, der seiner Tochter nachstellte, die Pistole auf ihn gerichtet. Daraufhin habe Majury geschossen. Justin war tot, noch bevor die Polizei eintraf. Auf den beiden Handys, die er bei sich hatte, wurden Tausende Fotos des TikTok-Stars gefunden.

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Keine Strafe für den Vater

Juristische Konsequenzen muss Rob Avery wohl nicht befürchten. Obwohl er den Stalker seiner Tochter erschossen hat, befindet er sich weiter auf freiem Fuß, dabei wird es wohl auch bleiben. Das sogenannte "Stand-your-ground"-Gesetz in Florida erlaubt es Personen, im Falle eines Angriffs auch tödliche Gewalt anzuwenden. 

Dennoch verfolgt der Vorfall die Familie. Die Majurys sind wieder umgezogen, Ava fühlt sich in der Schule beobachtet und verfolgt – vor allem von einem Jungen, der mit Eric Rohan Justin in Kontakt stand und von dem der Angreifer eventuell die Adresse bekommen hat. Mittlerweile hat sie die Schule verlassen und wird zu Hause unterrichtet. Ava Majury ist immer noch auf TikTok aktiv und postet regelmäßig Videos. Ihren Follower:innen hat sie von dem Drama nichts erzählt. "Ich möchte nicht, dass es schlecht ausgeht und die Leute denken, ich hätte ihm schöne Augen gemacht", sagt sie.

Quellen: "New York Times" / Ava Majury auf TikTok / Ava Majury auf Instagram

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