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Suche nach Flug MS804: Darum ist der Absturz der Egyptair-Maschine so mysteriös

Die Egyptair-Maschine, die über dem Mittelmeer abstürzte, bleibt verschollen. Offenbar hatte es einen Störfall im Inneren des Flugzeugs gegeben, ein Funksystem meldete Rauchentwicklung. Doch warum gaben die Piloten keinen Alarm? 

Eine Egyptair-Maschine steht auf dem Flughafen Heathrow in London

Eine Egyptair-Maschine steht auf dem Flughafen Heathrow in London

Was ist mit der Egyptair-Maschine passiert, die vergangene Woche über dem Mittelmeer abstürzte und 66 Menschen in den Tod riss? Über die Absturzursache wird gerätselt: Ein Anschlag wird ebenso in Betracht gezogen wie technische Gründe. Die französische Regierung bestätigte, dass es kurz vor dem Absturz einen Rauchalarm an Bord gegeben hat. Doch Ägyptens Präsident al-Sisi warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen.

"Bis jetzt sind alle Szenarien möglich,", sagte al-Sisi bei einer live übertragenen Ansprache in Kairo. "Es ist sehr wichtig, dass wir uns nicht auf ein bestimmtes Szenario versteifen." Er versprach, alle Details zu dem Unglück zu veröffentlichen, sobald die Ermittlungen abgeschlossen seien. Das könne allerdings noch dauern.

Rauchalarm auf Toilette und im Cockpit 

An Bord des Fluges MS804 wurde unmittelbar vor dem Absturz ein Rauchalarm ausgelöst. Das ACARS-System der Maschine habe eine entsprechende Meldung gesendet, hieß es von der französischen Behörde für Sicherheit der zivilen Luftfahrt BEA. Der Rauch sei aus dem Toilettenbereich im vorderen Teil der Maschine gemeldet worden. 

Das Expertennetzwerk "Aviation Herald" veröffentlichte einen Auszug des Datenfunksystems ACARS, das den Rauchalarm aufgezeichnet hatte. Die Daten deuten auf ein plötzlich auftretendes Ereignis im rechten vorderen Bereich des Flugzeugs hin. Innerhalb kurzer Zeit seien auch Sensoren an Fenstern auf der rechten Seite, unter anderem im Cockpit, aktiviert worden. Eine Minute nach dem Rauchalarm an der Toilette registrierte das System außerdem Rauch an der Bordelektronik, die sich unter dem Cockpit befindet.

Die Aufzeichnungen lassen darauf schließen, dass der Störfall im Inneren des Flugzeuges auftrat. Als letzte Nachricht schickte das ACARS-System einen Hinweis auf den Ausfall eines Steuerungssystems. Das geschah um 2.29 Uhr Ortszeit - unmittelbar, bevor der Flug MS804 im ägyptischen Luftraum vom Radar verschwand.

Ägypten sucht mit U-Booten nach Egyptair-Maschine

Bislang wurden einzelne Trümmer und Leichenteile rund 290 Kilometer nördlich der ägyptischen Küstenstadt Alexandria gefunden. Doch ohne das Wrack und vor allem die Flugschreiber liegt die Absturzursache weiter im Dunkeln. 

Ägypten hat nun ein Tiefsee-U-Boot zur Suche nach dem Wrack des abgestürzten Airbus A320 bereitgestellt. Der Einsatz des U-Bootes könnte das Auffinden der Maschine erleichtern. In dem vermuteten Absturzgebiet ist das Meer bis zu 3000 Meter tief. Sollte das Flugzeug in dieser Tiefe liegen, könnten die Signale der Flugschreiber an der Wasseroberfläche sehr schwach sein.

Warum gaben die Piloten keinen Alarm?

Dass die Piloten sich nicht per Notruf meldeten, hat nicht unbedingt etwas zu bedeuten, sagte der französische Luftfahrtexperte Jean-Paul Troadec. "Möglicherweise hatten sie als Reaktion auf das Ereignis etwas anderes zu tun. Eine Nachricht abzusetzen, ist nicht die erste Priorität."

Der Pilot und vereidigte Experte für Absturzermittlungen, François Grangier, sagte: "Ein Feuer ist extrem schnell und heftig, und wenn es sich im Cockpit ausbreitet, geht es in erster Linie darum, den Rauch zu bekämpfen." Die Besatzung hätte in einem solchen Fall Sauerstoffmasken aufgesetzt, und ein Crewmitglied hätte die zu befolgende Vorgehensweise von einer Checkliste ablesen müssen, falls die Bildschirmanzeige nicht mehr zu erkennen gewesen sei. Einen Flugsicherungslotsen zu kontaktieren, sei in solch einer Lage nicht die vorrangige Aufgabe der Crew.

Hatten die Piloten Zeit zu reagieren?

Die Abfolge der automatisch abgesetzten Acars-Meldungen lassen Grangier zufolge darauf schließen, dass alles sehr schnell ging. Der Rauch müsse sich in Windeseile im Cockpit ausgebreitet haben. Die Sichtweite  habe "möglicherweise nur einige Zentimeter" betragen. Eventuell habe die Crew gar nichts mehr gesehen. "Und außerdem kann die Hitze sehr schnell unerträglich werden."

    

kis mit DPA/Reuters