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Rennen mit der Polizei Eskapaden in Moskau - Oligarchen-Sohn bekommt peinliche Strafe

Stundenlang raste Ruslan Schamsuarow mit seinen Freunden durch Moskau, provozierte die Polizei zu einer wilden Verfolgungsjagd und verhöhnte die Beamten. Nun wurde der Oligarchen-Sohn zu einer Strafe verurteilt, die ihn an einer empfindlichen Stelle trifft. 

Im Mai dieses Jahres sorgte Ruslan Schamsuarow mit seinen Eskapaden auf den Straßen Moskaus für einen großen Skandal. Der Sohn von Asan Schamsuarow, seines Zeichens Vizepräsident des Ölkonzerns Lukoil, lieferte sich mit seinen Freunden eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit der Polizei - und das mitten durch die russische Hauptstadt. 

Ohne Nummernschilder raste seine Clique in einem schwarzen Geländewagen über Spielplätze und Gehwege und versuchte die sechs Streifenwagen, die sie verfolgten, abzuschütteln. Die Hetzjagd übertrugen sie via Periscope live im Internet. Doch es gelang ihnen nicht, der Polizei zu entkommen. Als sie schließlich umstellt wurden, versuchten sie auch die Beamten zu bestechen und einzuschüchtern - doch ebenfalls ohne Erfolg. 

Nun wurde Ruslan Schamsuarow zu einer peinlichen Strafe verurteilt. Nicht für die Raserei als solche, sondern für die Beleidigung von Beamten. Der Richterspruch fiel auf den ersten Blick zwar mild aus, hat aber Symbolkraft. Der Millionärssohn muss 300 Stunden Sozialarbeit ableisten und sein Geländewagen wurde vom Staat konfisziert. Auch sein Freund, der während der Raserei am Steuer saß, muss dieselbe Strafe verbüßen.

Der allgemeinen Belustigung ausgesetzt

In den meisten Fällen werden für die Beleidigung von Beamten Geldstrafen zwischen 10.000 und 20.000 Rubel verhängt. Nach dem aktuellen Umrechnungskurs sind es circa 150 bis 300 Euro. Angesichts des Vermögens der Schamsuarow-Familie ein verschwindend geringer Betrag. 

Die verhängte Strafe trifft den Oligarchen-Sohn hingegen an einer empfindlichen Stelle: seiner Selbstverliebtheit. Denn Sozialarbeit bedeutet meistens das Putzen von Straßen oder Lackieren von Zäunen, der allgemeinen Belustigung ausgesetzt.

Das Bild des Millionärssprösslings bei der Verrichtung dieser Arbeiten erfüllt die Russen mit Schadenfreude und ist ein kleines Trostpflaster dafür, dass Schamsuarow sonst nichts zu befürchten hat. So viel ist sicher.

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Keine Strafverfolgung wegen der Raserei

Denn obwohl die Moskauer Polizei zwei Mal einen Antrag auf Strafverfolgung wegen Rowdytums stellte, weigerte sich die Staatsanwaltschaft, eine Anklage gegen den 20-Jährigen zu erheben. "Eine grober Verletzung der öffentlichen Ordnung durch eine organisierte Gruppe und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte" sei nicht vorhanden, argumentierte man. Der Paragraph sieht eine Strafe von bis zu sieben Jahren Haft vor.

Stattdessen musste Schamsuarow für die Raserei lediglich eine Ordnungsstrafe davontragen und 15 Tage unter Arrest verbringen.

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