Flüchtlingsdrama Happy End für "Cap Anamur"


Nach tagelangem Nervenkrieg hat das deutsche Rettungsschiff Cap Anamur doch noch die Genehmigung erhalten, mit 37 aus Seenot geretteten afrikanischen Flüchtlingen den italienischem Hafen Porto Empedocle anzulaufen.

Die Afrikaner werden in ein Aufnahmelager bei Agrigent gebracht, teilte der Polizeipräsident der sizilianischen Stadt am Montag nach Angaben des italienischen Fernsehens mit.

"Die Hafenpolizei hat uns ... die Einlaufgenehmigung erteilt", sagte Kapitän Stefan Schmidt. Die Genehmigung dazu sei plötzlich und unerwartet über Funk gekommen. "Unser Auftrag ist heute erfüllt, wir bringen Schiffbrüchige, die wir in internationalen Gewässern aufgenommen haben, in einen sicheren Hafen", betonte Bierdel. Der Eingang zum Hafen werde nicht mehr von Schiffen der Küstenwache blockiert, berichtete er. Der Cap-Anamur-Chef kündigte gleichzeitig weitere Rettungsaktionen an. "Wir hoffen, dass wir nach dem Muster, das wir hier einmal konfrontativ durchstehen mussten, weiter verfahren dürfen. Denn da draußen auf dem Meer geht das Sterben der Flüchtlinge weiter. Der Einzige der sich darum kümmern will, Cap Anamur, muss dies weiter dürfen. Es darf nicht sein, dass Bürokraten verhindern, dass Menschenleben gerettet werden."

Einlenken der Regierung überraschte

Bierdel zeigte sich überrascht vom plötzlichen Nachgeben der italienischen Behörden. Kurz zuvor habe man der Hilfsorganisation noch mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gedroht. Dann sei plötzlich über Funk die Einfahrt in den Hafen freigegeben worden. "Das war fast ein Schock, eine riesige Freude. Wir haben uns hier in den Armen gelegen. Man konnte es fast kaum glauben." Nach dem Festmachen würden die Behörden an Bord kommen. Dann werde alles nach den normalen Prozeduren ablaufen, sagte Bierdel.

Die Cap Anamur hatte bereits vor drei Wochen insgesamt 37 in einem Schlauchboot im Mittelmeer treibende Afrikaner aufgenommen. Italien blockierte jedoch seit rund zehn Tagen die Einfahrt von Porto Empedocle mit der Begründung, das Schiff habe zuvor ein zu Malta gehörendes Seegebiet passiert. Deshalb müssten Asylanträge dort gestellt werden. Zuletzt hatten sogar die Vereinten Nationen Italien aufgefordert, die Flüchtlinge in den Hafen zu lassen.

Nach Notruf erst einmal gestoppt worden

Im Laufe des Sonntags hatte sich das Drama um die 36 aus der sudanesischen Krisenregion Darfur stammenden Flüchtlinge und einem Mann aus Sierra Leone dramatisch zugespitzt. Der Kapitän der "Cap Anamur" setzte vor Porto Empedocle zunächst einen Notruf ab und steuerte dann mit voller Fahrt den Hafen an. Das der gleichnamigen Kölner Hilfsorganisation gehörende Schiff wurde aber von italienischen Küstenwachtbooten gestoppt, die ihm vor den Bug fuhren.

Das Innenministerium in Rom teilte mit, dass Kontakte mit den deutschen Behörden bezüglich des Verhaltens des Kapitäns und dem offenkundig in Deutschland beantragten Asyl der 37 Flüchtlinge aufgenommen worden seien. Einerseits würden die Menschenrechte garantiert, andererseits aber auf keinem Fall "gesetzwidriges Verhalten geduldet." In italienischen Medienberichten hieß es, die Behörden hätten den Verdacht, dass die "Cap Anamur" eine Auseinandersetzung über die Einwanderungspolitik der EU provozieren wolle.

Flüchtlinge in schlechtem Zustand

Das Innenministerium in Rom begründete das Anlegeverbot am Sonntagabend mit "mysteriösen Aspekten des Verhaltens von Schiff und Besatzung". Die Hilfsorganisation warnte unterdessen, die Flüchtlinge seien in einem körperlich und psychisch sehr schlechtem Zustand. Im Laufe des Sonntags hatte sich die Situation dramatisch zugespitzt. Aufgrund der desaströsen Verhältnisse an Bord der "Cap Anamur" hatten einige der Flüchtlinge damit gedroht, sich ins Meer zu stürzen.

mit Agenturen DPA

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