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Singapur Airlines-Jet in Flammen Was ein Passagier an Board eines brennenden Flugzeugs erlebte

Brennendes Flugzeug
Ein erschreckender Blick aus der Kabine: Nach der Notlandung einer Singapore-Airlines-Maschine standen Triebwerk und Flügel in Flammen.
© Douglas Yew/Facebook
Vor einer Woche musste eine Singapore-Airlines-Maschine wegen Triebwerksproblemen notlanden. Dabei gingen Turbine und Tragfläche in Flammen auf. Die Passagiere waren zunächst an Bord gefangen, ein Mann schildert dem stern sein Erlebnis.

Der Linienflug einer Boeing 777 der Singapore Airlines wäre vor einer Woche beinahe in einem Drama geendet: 222 Passagiere und 19 Besatzungsmitglieder befanden sich auf dem Weg von Singapur nach Mailand, als sich der Pilot mitten im Flug zu Wort meldete: Das Flugzeug habe ein Problem mit einem seiner Triebwerke, man müsse sofort umkehren. Für die Passagiere an Bord begannen bange Stunden. Nach der Notlandung brach kurzzeitig Panik aus. Das Triebwerk hatte Feuer gefangen, der rechte Flügel stand lichterloh in Flammen.

Glücklicherweise konnte der Brand nach nur kurzer Zeit gelöscht werden - doch der Schrecken bei den Insassen saß nach Geschehnissen tief: "Wir waren so nahe am Tod! Gott sei Dank lebe ich! Ich gehe jetzt nach Hause und umarme meine Kinder", schrieb ein Passagier des Fluges auf Facebook. Paul McCutcheon, der an jenem Tag auch an Bord der Maschine war, berichtet nun dem stern, was an Bord geschah.

Singapur Airlines-Jet in Flammen: Was ein Passagier an Board eines brennenden Flugzeugs erlebte

Lieber Paul, wir sind froh das bei dem Zwischenfall niemand zu Schaden kam. Wenn man sich die Bilder des brennenden Triebwerks und Tragfläche ansieht, hätte dies tragisch enden können - wann haben Sie begriffen, dass Ihre Maschine in Schwierigkeiten war?

Ungefähr eine Stunde nach dem Start verbreitete sich ein schlimmer, farbloser Geruch in der Kabine, der es einem erschwerte zu atmen. Nach einiger Zeit des Wartens, meldete sich der Flugkapitän aus dem Cockpit und sagte uns, dass ihnen das Problem bekannt ist - und dass an einer Lösung gearbeitet wird.

Wie wurde Ihnen mitgeteilt, dass die Maschine Triebwerksprobleme hat?

Der Kapitän meldete sich in den nächsten zwei Stunden mehrere Male aus dem Cockpit und sagte uns, es gibt Probleme mit dem Triebwerk Nummer Zwei. Uns wurde mitgeteilt, dass es ein Öl-Leck und abnormale Vibrationen gibt. Die Leistung des Triebwerks wurde reduziert, was zur Folge hatte, dass unsere Geschwindigkeit sank. Unser Ziel konnte nun nicht mehr erreicht werden - auch deshalb erfolgte die Entscheidung, nach Singapur zurückzukehren.

Was ging Ihnen als erstes durch den Kopf?

Das erste was mir durch den Kopf ging, war, dass offenbar alles unter Kontrolle ist. Ich verfüge selbst über eine Privatpilotenlizenz und befand mich bereits mehrfach in brenzligen Situationen an Bord von Flugzeugen. Ich dachte, es handelt sich einfach nur um ein einfaches, technisches Problem, an dem von Seiten der Crew und den Ingenieuren am Boden, gearbeitet wird. Abgesehen von der schlechten Luft im Flugzeug schien ja alles normal zu sein.

War der Umstand, dass Sie über eine Privatfluglizenz verfügen, eher eine berührender oder nervenaufreibender Faktor?

Als Privatpilot konnte ich mir gut vorstellen, dass die Crew wohl alle Hände voll zu tun hatte - und, dass den Passagieren wohl eher die geschönte Version der Situation kommuniziert wird. Der Umstand, dass der Pilot außerdem über technische Details wie das Öl-Leck und die hohen Temperaturen sprach, deutete darauf hin, dass dort viel mehr geschah, als uns erzählt wurde.

Dachten Sie zu irgendeinem Punkt, dass Sie den Piloten im Cockpit helfen könnten?
In so einer Situation, an Bord einer großen Passagiermaschine wie einer Boeing 777 kann man als Privatpilot kaum Hilfe leisten.

Wie nahmen die anderen Passagiere die Botschaft von dem Triebwerksproblem auf?

Zunächst noch ganz gut. Während des Fluges blieben sie relativ ruhig, sie beschwerten sich nur über die schlechte Luftqualität an Bord, die sich aber zum Ende des Fluges hin besserte.

Ausgebrannte Tragfläche
Die Tragfläche der Boeing 777 hat durch den Brand schwere Schäden erlitten
© Paul McCutcheon

Wann brach das Feuer aus?

Vier Stunden nach dem Start, als wir wieder landeten, brach zunächst Erleichterung bei den Passagieren aus - die sanfte Landung führte sogar zu spontanem Applaus. Was wir alle zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, war, dass die Verringerung der Geschwindigkeit auch dazu führte, dass der Flügel nicht mehr gekühlt wurde. Noch bevor die Maschine Zeit hatte, die Landebahn zu verlassen, konnte man ein Feuer am hinteren Teil des Triebwerks beobachten, das sich innerhalb von Sekunden auf die ganze Tragfläche ausbreitete. Die Maschine stoppte und die Triebwerke gingen aus.

Wie reagierten die Passagiere, als sie den Brand sahen?

Unter den Passagieren brach sofort Panik aus. Sie begannen zu schreien, "Feuer, lasst uns raus!". Und zum Entsetzen der Passagiere, die direkt am brennenden Flügel saßen, wurden keine Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet. Es hatte nicht den Anschein, dass die Crew besonders viel zu sagen hatte, da sie genauso überrascht war wie wir. Einige Passagiere schnappten sich ihr Gepäck und schrien: "Aus dem Weg!" Sie wollten so schnell wie möglich in den vorderen Teil der Maschine gelangen.

Passagiere verlassen die beschädigte Maschine
Passagiere verlassen die beschädigte Maschine
© Paul McCutcheon

Was passierte dann - was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihnen klar wurde, die Lage ist ernst?

Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an bis die Löschmannschaften ankamen und begannen, den Brand zu löschen und Schaum auf das Treibwerk und den brandenden Flügel zu sprühen. Meine größte Angst zu der Zeit war das Risiko einer Explosion oder, dass sich das Feuer auf die Kabine ausbreiten könnte. Die Flammen waren so groß und nah, dass die ganze Kabine in Orange getaucht war. Nach der ersten Panik herrschte eine unheimliche Stille an Bord.

Löschfahrzeuge
Mehrere Löschfahrzeuge waren an der Brandbekämpfung beteiligt
© Paul McCutcheon

Wie lief die Evakuierung der Maschine ab?

Nach all dem Warten wurden wir über Notfallrampen und Fluggasttreppen auf die Landebahn gebracht, wo bereits Busse auf uns warteten. Es lief alles sehr geordnet ab und es gab keine Probleme. Eine Person wurde von einem Krankenwagen abgeholt, eine weiterer Passagier musste sich im Bus übergeben. Als wir im Bus waren, konnte man das ganze Ausmaß des Schadens am Flügel sehen. Es wurde deutlich, dass er sehr stark beschädigt war. Wir fragten uns, wie stark die Schäden schon während des Fluges waren. Andere Passagiere sprachen mit der Crew - angeblich habe es Spekulationen gegeben, dass das Triebwerk schon während des Fluges an die zwei bis drei Stunden gebrannt hatte.

Löschfahrzeug
Der Brand wurde mit Schaum gelöscht
© Paul McCutcheon

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