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Flut in Südasien: Helfer kämpfen gegen Durst und Seuchen

Deutsche Hilforganisationen sind kurz nach der unvorstellbaren Flut in das Katastrophengebiet aufgebrochen. Neben Medikamenten zählt für die Flut-Opfer in Südasien vor allen eines: frisches Trinkwasser.

Trinkwasseranlagen und Medikamente, Nahrungsmittel und Decken, Suchtrupps mit Spürhunden - aus Deutschland läuft die Hilfe für die Opfer der Seebebenkatastrophe in Asien im großen Umfang an. Viele Hilfsorganisationen schickten deutsche Experten in die verwüsteten Küstenregionen von Indien, Sri Lanka und Thailand. Entscheidend für die rasche Hilfe sei aber der Einsatz der vielen einheimischen Mitarbeiter und Freiwilligen, mit denen sie zum Teil schon seit langem zusammenarbeiten, heißt es bei den Hilfswerken.

"Situation weit dramatischer als angenommen"

Sauberes Wasser wird nach Aussage vieler Organisationen am dringendsten gebraucht. "Die Situation ist weit dramatischer als bisher angenommen. Es muss schnell gehandelt werden, sonst drohen Seuchen wie Typhus und Cholera", sagte Martin Baumann von der Deutschen Welthungerhilfe DWHH in Sri Lanka. Dieter Burchard, Leiter der klinischen Abteilung des Tropen-Instituts in Hamburg sagte gegenüber stern.de: "Wird in ausreichenden Mengen frisches Wasser bereit gestellt, kann eine lokale Epidemie in wenigen Tagen wieder eingedämmt werden." Tödlich endeten die für die Region typischen Krankheiten allerdings nicht.

Überall in der Katastrophenregion wurden Brunnen und Pumpen durch Schlamm unbrauchbar. Die Erreger würden sich durch verschmutztes Trinkwasser das zerstörte Abwassersystem schell verbreiten. Außerdem drang Salzwasser in Grund- und Quellwasser ein. Verseuchtes Wasser gilt als größte Gefahr für die Überlebenden, vor allem für Kinder. "Für die Kinder sind die nächsten Tage entscheidend", sagte Carol Bellamy, die Direktorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen Unicef.

Tückisch seien die kleinen Wassertümpel, die die ablaufende Flut zurückgelassen hat, sagt Burchard. Der Schmutz und die Hitze machten diese Wasserlöcher zu idealen Biotopen für Mücken, die Malaria und das Dengue-Fieber verbreiteten, so der Mediziner. Dieses Problem würde allerdings erst in Wochen oder Monaten akut werden.

Nach einer Lageerkundung durch drei Experten reisten 14 Helfer des deutschen Technischen Hilfswerks mit Wasseraufbereitungsanlagen nach Sri Lanka ab. Das THW-Team kann Trinkwasser für 20.000 Menschen aufbereiten. Außerdem schickte das THW einen Suchtrupp nach Thailand. In Phuket sollen 15 THW-Helfer, unter ihnen zwei Ärzte, nach Vermissten suchen. Auch drei Hunde gehören zum Team.

Mehr als 10.000 einheimische Rot-Kreuz-Helfer leisten Soforthilfe

Das Deutsche Rote Kreuz entsandte drei Experten nach Sri Lanka und einen nach Indonesien. Sie werden vor allem erkunden, wo welche Hilfe gebraucht wird, und die Verteilung der Hilfsgüter koordinieren. Mehr als 10.000 einheimische Rot-Kreuz-Helfer leisten schon rund um die Uhr Soforthilfe. Die Welthungerhilfe setzt drei Deutsche in Sri Lanka und einen in Thailand ein. Auch andere Hilfsorganisationen wie die Caritas, World Vision, Unicef, die Malteser und das Feuerwehr-Netzwerk schickten deutsche Experten in die Katastrophenregionen.

Das auch Touristen und Ausländer unter den in Massengräbern beigesetzt Leichen sein könnten, glaubt Gerd-Dieter Burchard nicht: "Im hoch entwickelten Thailand ist das nicht vorstellbar, selbst im armen Sri Lanka nicht." Auch wenn der Verwesungsprozess bei den tropischen Klima sehr schnell einsetze, würden die sterblichen Überreste in die Heimatländer überführt werden können.

Mit Material von DPA/AP / AP