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Flutwellen-Alarm: 200.000 Menschen in China evakuiert

Aus Angst vor einer drohenden Flutwelle haben die chinesischen Behörden weitere 200.000 Menschen aus dem südchinesischen Erdbebengebiet evakuiert. Arbeiter bereiten sich darauf vor, "radioaktive Quellen" aus der Nähe des gefährdeten Bereiches zu entfernen.

Im südwestchinesischen Erdbebengebiet haben die Behörden wegen eines drohenden Dammbruchs weitere 200.000 Menschen in Sicherheit gebracht. In der Erdbebenprovinz Sichuan wird befürchtet, dass ein natürlicher Damm aus Erde und Geröll, hinter dem sich in Tangjiashan ein großer See gebildet hatte, bersten und eine gewaltige Flutwelle auslösen könnte. Bereits am Montag und Dienstag waren rund 158 000 Menschen aus der Gefahrenzone am Unterlauf des Jian-Flusses gebracht worden. Seit Tagen versuchen Einsatzmannschaften, einen Kanal zu schaffen, um das Wasser abzulassen. Regenfälle hatten Tagen den Wasserspiegel in den vergangenen zusätzlich ansteigen lassen.

"Radioaktive Quellen" werden gesichert

Nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur China News Service sollen die Arbeiten an dem See am Samstagabend abgeschlossen sein. Im Anschluss sollen 350 der 600 Arbeiter dort evakuiert werden. Insgesamt haben sich im Erdbebengebiet 35 solcher Seen gebildet. Nach früheren Berichten waren nach unterschiedlichen Notfallszenarien bis zu 1,3 Millionen Menschen darauf vorbereitet worden, im schlimmsten Fall ihre Wohnorte zu verlassen.

Laut der Zeitung "Beijing Times" bereiten sich Arbeiter mit Spezialausrüstung seit Freitag darauf vor, 99 "radioaktive Quellen" aus der Nähe des Stausees in Tangjiashan zu entfernen. Dies habe "oberste Priorität", wurde ein Mitarbeiter der Umweltbehörde zitiert. In der Nähe der vom Erdbeben stark betroffenen Stadt Mianyang werden einige geheime Militäreinrichtungen vermutet, die sich auch mit nuklearer Technik befassen sollen. Die Behörden hatten bereits Mitte Mai bekanntgegeben, dass alle nuklearen Einrichtungen in der Region nach dem Erdbeben sicher seien.

68.977 Tote nach Erdbeben

Unterdessen reiste Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao in die auch vom Erdbeben betroffene Provinz Shaanxi. In Ningqiang besuchte er Kinder in Notunterkünften. Ningqiang wurde am Dienstag von einem Nachbeben der Stärke 5,7 erschüttert. Laut jüngsten offiziellen Angaben ist die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben der Stärke 8 bis Samstag auf 68 977 gestiegen.

DPA

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