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Gondelabsturz: Offene Fragen zu einem offenen Haken

Die Herkunft der neun Opfer des Absturzes einer Seilbahngondel in Tirol ist geklärt: Sie stammen aus Bayern und Baden-Württemberg. Weiterhin rätselhaft ist dagegen die Unglücksursache.

Das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) hat mitgeteilt, dass die Getöteten und die sechs Verletzten Mitglieder von zwei Skiclubs aus Bayern und Baden-Württemberg seien, die in der Region Sölden trainiert hätten. Unter Berufung auf Informationen aus Österreich berichtete das LKA, bei den Erwachsenen habe es sich um eine 44-jährige Frau und einen 35-jährigen Mann aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen sowie einen 46-Jährigen aus dem Landkreis Starnberg gehandelt.

Die getöteten Jungen und Mädchen aus Baden-Württemberg waren nach Angaben des Stuttgarter Innenministeriums zwölf bis 14 Jahre alt. Drei der Opfer waren Mitglieder im Schneeschuhverein Tuttlingen. Zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren stammen nach Polizeiangaben aus Villingen-Schwenningen. Eine 13-Jährige und eine 14-Jährige kamen aus Tuttlingen, ein 13-Jähriger und ein 12-Jähriger aus der Nähe von Donaueschingen.

Teilweise würden die Familien psychologisch betreut, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Einige Eltern seien schon am Montagabend nach Österreich gefahren. Unter den sechs verletzten Jugendlichen seien zwei Jungen aus Bayern, die außer Lebensgefahr seien.

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hat seine tiefe Trauer über das schwere Seilbahnunglück in den Ötztaler Alpen zum Ausdruck gebracht. Dabei waren am Montag neun Deutsche ums Leben gekommen. "Ich bin fassungslos über dieses Unglück im schönsten Urlaubsgebiet Österreichs", sagte Stolpe auf einer Pressekonferenz in Sölden. Zugleich würdigte er die Rettungsarbeiten und die Arbeit der österreichischen Behörden bei der Untersuchung der Unfallursache.

Unfallursache gibt Rätsel auf

Bei dem Unglück am Montag hatte ein Hubschrauber einen mit Flüssigbeton gefüllten Behälter verloren, der die Seilbahn im Urlaubsort Sölden traf und eine Gondel in die Tiefe riss. Insassen anderer Kabinen wurden durch die starke Schwingung des Tragseils aus dem Lift auf den Felsboden geschleudert. Das schwere Unglück gibt den Behörden nach wie vor Rätsel auf. Gegenwärtig könne weder ein technischer Defekt noch eine Fehlbedienung an dem Transporthubschrauber ausgeschlossen werden, sagte der Tiroler Landespolizeikommandant Oskar Galopp. Galopp sprach von einer möglichen Verkettung unglücklicher Umstände.

Österreichs Vizekanzler Hubert Gorbach teilte mit, dass nach ersten Untersuchungen der Haken, mit dem der herabgestürzte Betonkübel am Seil gehalten wurde, offen und unbeschädigt gewesen sei. Möglich sei auch ein elektrischer Defekt. Gorbach sprach von einem Flugunfall. Der Hubschrauber sei nicht überladen gewesen. Nach den Worten des stellvertretenden Tiroler Landeshauptmanns Ferdinand Eberle waren die Arbeiten mit dem Transporthubschrauber im Bereich der Bergbahn ordnungsgemäß angemeldet. Es gebe keinen Anlass zu Befürchtungen, dass das Hubschrauberunternehmen diese Auflagen nicht erfüllt habe, sagte Eberle.

Auch der Geschäftsführer der beteiligten Hubschrauberfirma, Roy Knaus, hat nach einem ersten Gespräch mit dem Unglückspiloten noch keine Erklärung zur Ursache. Der Lasthaken am Hubschrauber, an dem ein Kunststoffseil mit dem Betonbehälter befestigt gewesen sei, könne sowohl elektrisch als auch mechanisch gelöst werden. Er habe eine Lastensicherheit von bis zu vier Tonnen. Während der Arbeiten und auch beim Auftanken des Hubschraubers sei jeweils nur der Kübel am unteren Ende des Seils ausgeklinkt worden, sagte Knaus. Der 35 Jahre alte Flieger sei seit fünf Jahren Berufspilot, ergänzte er vor Journalisten in Sölden.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters