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Hafen von Genua: Containerschiff bringt Kontrollturm zum Einsturz

In der Nacht zum Mittwoch hat ein Containerschiff einen Kontrollturm im Hafen von Genua gerammt. Dabei kamen mindestens drei Menschen ums Leben. Die Suche nach weiteren Vermissten dauert an.

Bei einem Schiffsunglück im Hafen von Genua sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Menschen galten am Mittwochmorgen weiter als vermisst, nachdem ein Containerschiff in der Nacht einen Kontroll-Tower im Hafen der nordwestitalienischen Stadt gerammt hatte. Teile des Towers, in dem sich zum Unglückszeitpunkt etwa 14 Menschen aufhielten, stürzten ins Hafenbecken.

Medienberichten zufolge wurden mindestens sechs Menschen bei dem Unglück schwer verletzt, etwa zehn weitere galten als vermisst. Der Kontrollturm, eine Metallkonstruktion, neigte sich um 45 Grad, Gebäudeteile stürzten ins Wasser. Rettungskräfte konnten sechs Menschen lebend bergen, für drei weitere kam jede Hilfe zu spät. Feuerwehrtaucher suchten die Nacht hindurch im Hafenbecken nach den Vermissten.

Den Berichten zufolge stieß das rund 200 Meter lange und 30 Meter breite Containerschiff "Jolly Nero" bei der Ausfahrt aus dem Hafen mit dem Turm zusammen, von dem aus der Schiffsverkehr im Hafen von Genua kontrolliert wird.

Technische Panne vermutlich Ursache

Die Unglücksursache war zunächst unklar. Die Zeitung "Il Secolo XIX" sprach von einem "unverständlichen Manöver" des Schiffs, das nur durch eine technische Panne zu erklären sei. Der Kapitän wurde mit den Worten zitiert, anscheinend seien zwei Motoren ausgefallen, und die Mannschaft habe die Kontrolle über das Schiff verloren.

Das Unglück ereignete sich, als auf dem Kontrolltower gerade Schichtwechsel war, so dass besonders viele Lotsen und Beamte der Küstenwache im Gebäude waren. Nach Angaben der Rettungskräfte war unklar, ob drei Menschen, die zu dem Zeitpunkt gerade im Fahrstuhl des Turms waren, noch in den Trümmern feststeckten. Rettungsmannschaften mit Spürhunden suchten nach möglichen Überlebenden.

Der Kapitän wurde festgenommen

Genuas Bürgermeister Marco Doria sagte, Italien trauere um die Opfer des Unglücks, "das eine ganze Stadt getroffen hat". Der Eigner des Schiffs, Stefano Messina, eilte noch in der Nacht zum Hafen. Vor Journalisten zeigte er sich entsetzt. "Wir sind alle total schockiert, noch nie ist so etwas passiert, wir sind verzweifelt", sagte er. Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wurde das Schiff beschlagnahmt, der Kapitän wurde vernommen.

Das Unglück weckte Erinnerungen an die Havarie des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" vor der toskanischen Küste im Januar 2012, bei der 32 Menschen getötet wurden. Genua ist der größte Industriehafen Italiens.

nw/AFP / AFP