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Hurrikan: "Dean" wütet über Jamaika

Mit Windgeschwindigkeiten von 230 Kilometern in der Stunde hat Hurrikan "Dean" Jamaika erreicht. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen. Der Hurrikan zieht weiter Richtung Mexiko. Im Ferienort Cancun flogen vorsorglich viele Urlauber heim.

Atlantik-Hurrikan "Dean" hat in der Nacht zum Montag auf der Karibikinsel Jamaika schwere Schäden angerichtet. In der Dominikanischen Republik und Haiti riss der Wirbelsturm zuvor acht Menschen in den Tod. Der US-Wetterdienst teilte mit, Jamaika werde nahezu direkt vom Auge des Hurrikans getroffen. Das Krisenzentrum in der Hauptstadt Kingston war vorübergehend nicht erreichbar. Im ganzen Land war vorsorglich der Strom abgeschaltet worden. "Dean" ließ stundenlang schwere Wellen gegen die Strände an der Südküste branden, an der das Zentrum des Wirbelsturmes in nur 80 Kilometer Entfernung in westlicher Richtung vorüberzog. Dächer wurden beschädigt, Bäume fielen um und Hütten wurden zerstört.

"Dean" erzeugte am Sonntag weiterhin Sturmgeschwindigkeiten von 230 Kilometern in der Stunde. Der von Meteorologen als gefährlich eingestufte Hurrikan bewegte sich nach Angaben der Meteorologen vom US-Hurrikanzentrum in Miami mit 32 Stundenkilometer in Richtung Westen, zog an den Cayman Inseln vorüber, um danach Kurs auf die mexikanische Halbinsel Yucatàn zu nehmen. Am Sonntag zeichnete sich ab, dass die Ferienregion dieses Mal verschont werden könnte, da "Dean" möglicherweise weiter südlich, und damit näher am Nachbarstaat Belize an Land gehen wird.

Aus Haiti, wo vor allem die südlichen Landesteile von dem Sturm betroffen waren, lagen zunächst keine Berichte über Schäden vor. In Mexiko, Belize und in Kuba begannen am Wochenende die Vorbereitungen zum Schutz der Bevölkerung und der Touristen in den Feriengebieten. Von den 90.000 Touristen, die ihre Ferien in Cancún und an der Riviera Maya verbrachten, flogen viele am Wochenende heim. Auch von den Cayman Inseln wurden mehrere Tausend Touristen vorsorglich ausgeflogen.

Angst vor Plünderern und stärkerem Wind

Die Regierung rief die Jamaikaner auf, Schutzräume aufzusuchen, was aber von dem meisten Menschen ignoriert wurde. Ein Grund war die Furcht vor Plünderern. Bis Montagabend waren Ausgehverbote in Kraft. Aus dem jamaikanischen Ort Clarendon wurde aber ein Schusswechsel zwischen Polizei und Plünderern gemeldet. Es habe jedoch keine Verletzten gegeben, sagte ein Polizeisprecher. "Es gibt zuviel Kriminalität in Kingston. Ich verlasse mein Haus nicht", sagte Paul Lyn in Port Royal östlich von Kingston. Die Touristen, die nicht mehr rechtzeitig die Insel verlassen konnten, blieben zumeist in ihren Hotels mit hurrikansicheren Wänden.

Weil "Dean" auch noch Auswirkungen auf Texas und das dortige Flugkontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa in Houston haben könnte, wurde der Flug der Raumfähre "Endeavour" um einen Tag verkürzt: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa will sie am Dienstag landen lassen, um eventuellen Störungen durch den Hurrikan zuvorzukommen. Als erster Wirbelsturm der Saison über dem Atlantik wurde "Dean" am Samstag in die Kategorie 4 hochgestuft. Das US-Hurrikan-Zentrum in Miami in Florida erwartete, dass er die Kategorie 5 und Windgeschwindigkeiten von über 250 Kilometern in der Stunde erreichen würde. Kreuzfahrtschiffe änderten ihren Kurs, um dem Hurrikan auszuweichen. Regierungen von den Kaimaninseln bis Texas riefen ihre Bevölkerung auf, ihre Häuser zu verlassen und sich in sturmsichere Schutzzentren zu begeben.

TUI sagt alle Karibikreisen ab

Der Reiseveranstalter TUI hat wegen des Hurrikans "Dean" alle Karibikreisen nach Mexiko und Jamaika bis einschließlich Freitag abgesagt. Mehrere hundert Touristen seien davon betroffen, sie könnten gebührenfrei umbuchen oder stornieren, teilte TUI am Montag in Hannover mit. Wie mit den späteren Abflügen verfahren werde, solle Mitte der Woche nach Auswertung der Lageberichte entschieden werden. Die TUI sei rund um die Uhr in Kontakt mit der Reiseleitung in den verschiedenen karibischen Urlaubsländern sowie dem Deutschen Wetterdienst, hieß es weiter. Zurzeit befänden sich rund 1000 deutsche TUI-Urlauber in Mexiko und Jamaika.

DPA / DPA