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Jüdischer Feiertag "Unfassbare Katastrophe" – mindestens 44 Tote bei Massenpanik auf jüdischem Fest in Israel

Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen
Sehen Sie im Video: Dutzende Gläubige sterben bei Massenpanik auf jüdischem Relegionsfest.




Im Norden Israels sind bei den Feierlichkeiten zum jüdischen Feuerfest zahlreiche Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Das berichteten lokale Medien am Freitag. Zehntausende ultraorthodoxe Juden hatten sich am Grab von Rabbi Schimon ben Jochai aus dem zweiten Jahrhundert für die jährliche Gedenkfeier versammelt. Wie örtliche Medien berichten, war bei dem Fest eine Massenpanik ausgebrochen und mehrere Menschen zu Tode getrampelt worden. Die Polizei hat nach eigenen Angaben zwei Personen festgenommen, das Gelände bereits evakuiert und abgesperrt. Die religiösen Feierlichkeiten waren trotz Bedenken der Gesundheitsbehörden abgehalten worden und gelten in Israel als eine der größten Menschenansammlungen seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Im vergangenen Jahr war den Gläubigen wegen der Pandemie der Zugang zur Grabstätte verwehrt worden. NEHEMIAH SELTSER, TELEGRAM: YEDIOTNEWS / DEENIS LOYD, TELEGRAM: YEDIOTNEWS, ALL WORLD NEWS - ITAMAR COHEN, MADA / ALL WORLD NEWS - ITAMAR COHEN / ADMMA / NEHEMIAH SELTSER, TELEGRAM: YEDIOTNEWS'/ DEENIS LOYD, TELEGRAM: YEDIOTNEWS/ ISRAEL POLICE/ DANIEL LEVTOVSKY AND ROTEM ROGOVSKY - SKYPROTHE/ THE HOLY SITES AUTHORITY
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Bei der Feier des jüdischen Lag-Baomer-Fest im Wallfahrtsort Meron kamen mindestens 44 Gläubige ums Leben. Nach ausgelassenem Feiern brach Massenpanik aus– die Menschen starben im Gedränge. Rettungskräfte sind erschüttert vom Anblick.

Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach offiziellen Angaben mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. Rund 150 weitere wurden nach Angaben der Rettungskräfte in dem Wallfahrtsort Meron verletzt. Ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sprach am Freitagmorgen von einer "unfassbaren Katastrophe".

Die Pilger feierten das Lag-Baomer-Fest

Tausende – vor allem Strengreligiöse – hatten auf dem Meron-Berg den jüdischen Feiertag Lag Baomer begangen, um zum Grab des Rabbiners Schimon Bar Jochai zu pilgern. Die Behörden hatten die Teilnehmerzahl auf 10.000 begrenzt, nach Medienberichten waren aber bis zu zehnmal mehr Menschen angereist. In sozialen Netzwerken war vor dem Unglück in Videos zu sehen, wie die Menschen dicht gedrängt und ausgelassen sangen, tanzten und hüpften. Augenzeugen berichteten von gefährlichem Gedränge.

Die Polizei nahm am Freitag erste Ermittlungen zu den Ursachen des Unglücks auf. Nach ersten Erkenntnissen begann die Massenpanik, als Menschen auf einer abschüssigen Rampe mit Metallboden und Wellblech-Trennwänden auf beiden Seiten ins Rutschen kamen. Die dicht gedrängten Feiernden fielen dann übereinander.

Vorwürfe gegen die Polizei 

In den Morgenstunden wurden erste Vorwürfe gegen die Polizei laut. Sie habe Leute in das abgesperrte Areal gelassen, obwohl es schon extrem voll gewesen sei. Nach Beginn der Panik habe die Polizei dann nicht schnell genug Ausgänge auf der anderen Seite geöffnet, so die Kritik. Insgesamt waren rund 5000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Rettungssanitäter: "So etwas habe ich noch nie gesehen"

Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sagte im Fernsehen, vor Ort herrsche Chaos, viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Man bemühe sich, sie wieder zusammenzuführen. "Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte der Sprecher. "Das sind unfassbare Zahlen." Auch ein Sanitäter berichtete, er habe Schreckliches mit ansehen müssen.

Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen
Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen
© United Hatzalah / AFP

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige auch per Rettungshubschrauber. Die Polizei sperrte Zufahrtsstraßen und räumte das Gelände. Berichten zufolge weigerten sich jedoch Hunderte Gläubige zu gehen, weil sie beten wollten. Es sei auch zu Konfrontationen gekommen. Selbst Soldaten waren im Einsatz, darunter eine Eliteeinheit der Armee. Der Polizei zufolge gab es Probleme mit dem Handyempfang, viele verzweifelte Menschen konnten Angehörige in Meron telefonisch nicht erreichen.

Regierungschef Netanjahu bestürzt

Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb bei Twitter, er verfolge die Berichte über die Tragödie und bete für die Genesung der Verletzten. Regierungschef Benjamin Netanjahu zeigte sich bestürzt über das "schwere Unglück" und sicherte den Rettungskräften Unterstützung zu. Gesundheitsminister Juli Edelstein sprach von einer schrecklichen Katastrophe. Auch er sprach den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus und dankte den Rettungskräften für ihre Arbeit.

Berühmtes Rabbiner-Grab auf dem Berg

Lag Baomer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Jüdischer Feiertag: "Unfassbare Katastrophe" – mindestens 44 Tote bei Massenpanik auf jüdischem Fest in Israel

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden, doch inzwischen sind die Infektionszahlen deutlich gesunken und die Regeln wieder gelockert worden.

yku mit DPA<br />

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