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Mindestens 290 Tote: Italien weint um die Erdbebenopfer

Mit einem Staatsbegräbnis gedenkt Italien der Erdbebenopfer. Staatspräsident Mattarella besuchte zuvor das stark verwüstete Dorf Amatrice. Die Staatsanwaltschaft untersucht derweil, ob gegen Bauvorschriften verstoßen wurde.

Italien: Zwei Männer trauern um ein Erdbebenopfer

Angehörige trauern an einem Sarg: Ein schweres Erdbeben in Italien kostetet mindestens 284 Menschen das Leben

Es ist ein trauriger Tag für . Angehörige nehmen in einem Staatsbegräbnis Abschied von den Menschen, die sie bei dem schweren Erdbeben verloren haben. Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf 290 gestiegen. Das meldete der italienische Zivilschutz unter Berufung auf die Präfektur in Rieti. Demnach starben 230 Menschen in Amatrice, 11 in Accumoli und 49 in Arquato.

In einer Turnhalle in Ascoli Piceno, die nach dem der Stärke 6,0 bis 6,2 in eine behelfsmäßige Kapelle umgewandelt worden war, sind 35 mit Blumen geschmückte Särge aufgestellt. Sie waren von Leichenwagen in den "Palazzetto dello Sport" gebracht worden. Zum Staatsakt sind zahlreiche Trauernde in die Sporthalle der Stadt gekommen. Auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Ministerpräsident Matteo Renzi nahmen an der Zeremonie teil. 

Renzi zeigte sich vor dem Beginn der tief bewegt und sprach mit zahlreichen Angehörigen. Die Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer, Laura Boldrini, spendete weinenden Menschen Trost. Pfadfinder hatten zuvor darüber gewacht, dass nur Familienmitglieder in die Halle gelangten. Die Zeremonie, zu der auch internationale Medienbeobachter anreisten, wird von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften bewacht.

Angehörige trauern in der Turnhalle von Ascoli Piceno um die Erdbebenopfer

Im Schmerz vereint: Viele sind in die Sporthalle von Ascoli Piceno gekommen, um sich von ihren Liebsten zu verabschieden


Präsident von Italien besucht Erdbebenregion

Vor dem Staatsbegräbnis hatte Staatspräsident Sergio Mattarella das stark verwüstete Dorf besucht. Er landete am Morgen an Bord eines Hubschraubers in dem Ort, der zum Symbol der jüngsten Katastrophe wurde. In der Nacht waren dort unter den Trümmern des Hotels "Roma" weitere drei Leichen gefunden worden. "Danke für das, was ihr macht", sagte Mattarella zu Bergungskräften in dem Ort. "Das ist unsere Pflicht", antworteten die Helfer.

Die in der italienischen Provinz Rieti untersucht indes, ob in der Erdbebenregion gegen Bauvorschriften verstoßen wurde. "Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden", zitierte die Tageszeitung "La Repubblica" Staatsanwalt Giuseppe Saieva.

Bei einigen der zerstörten Häuser sei "mit mehr Sand als Zement" gebaut worden. Vor allem der Einsturz einer erst kürzlich renovierten Grundschule in Amatrice hatte für Aufsehen gesorgt. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden.

jek / DPA / AFP