VG-Wort Pixel

Kurioser Luftkampf Japans Polizei jagt Drohnen mit Drohnen


Seit vergangener Woche dürfen Drohnen in Japan nicht mehr über dicht besiedeltes Stadtgebiet fliegen. Um die neuen Flugverbotszonen durchzusetzen, will die Polizei nun selbst Drohnen einsetzen - und die Fluggeräte mit Netzen einfangen.

Am vergangenen Donnerstag wurde in Japan eine Änderung des Luftfahrtgesetzes beschlossen, wonach Drohnen nicht mehr über dicht besiedeltem Stadtgebiet fliegen dürfen. Um nun für Recht und Ordnung am Himmel über Großstädten wie Tokio, Yokohama und Osaka zu sorgen, hat die Tokioter Polizei nun eine spezielle Einsatztruppe gegründet, um die unbemannten Flugobjekte notfalls mit Gewalt vom Himmel zu holen.

Wie die Zeitung "FAZ" berichtet, will die Anti-Drohnen-Abteilung des Metropolitan Police Department (MPD) im Falle einer Drohne im Flugverbotsbereich zunächst mit Beamten ausrücken, um den Piloten am Boden aufzuspüren und ihn zur Landung zu zwingen. Falls dies nicht gelingt, geht die Polizei mit eigenen Drohnen auf die Jagd nach den ferngesteuerten Fluggeräten. Mit Kameras und Netzen ausgerüstet sollen die über vier oder acht Rotoren verfügenden Flieger dann ihre illegal operierenden Artgenossen vom Himmel holen. Die japanische Nachrichtenagentur "Jiji" hat ein Video veröffentlicht, das die mit Netz ausgerüstete Polizei-Drohne im Einsatz zeigt:

Wer gegen die Änderungen im Luftfahrgesetz verstößt, muss in Japan mit hohen Geldstrafen rechnen. Neben dichten Wohngebieten sollen auch Flughäfen vor ungenehmigten Drohnen-Flügen geschützt werden. Drohnen sind in Japan kein neues Problem: Die neuen Bestimmungen sind eine direkte Antwort auf einen Zwischenfall, bei dem eine kleine Drohne auf dem Bürodach des Regierungschefs in Tokio entdeckt wurde - das Fluggerät wies geringe Spuren von Radioaktivität auf. Verletzt wurde durch die Drohne niemand - eine verdächtige Person wurde im Zuge der Ermittlungen festgenommen.

"Terrorangriffe sind eine reale Gefahr"

Bei den Behörden wächst seitdem die Sorge, dass Drohnen auch für terroristische Zwecke eingesetzt werden könnten. Ein Mitglied des Tokioter Polizeikommissariats sagte der Nachrichtenseite "The Asahi Shimbun": "Terrorangriffe mit Hilfe von Drohnen die Sprengstoff tragen, sind eine reale Gefahr. Wir hoffen die Regierungsfunktionen im Falle eines Worst-Case-Szenarios schützen zu können."

Wie der Anwalt Paul Haswell der britischen "BBC" erklärte, ist es in Japan "illegal, mit Drohnen über Flughäfen, Kraftwerken, Straßen - und in einer Höhe von über 150 Meter zu fliegen". Städte wie Tokio und Osaka hätten auch die Nutzung von Drohen in Parks verboten. "Japans neue Netz-tragende anti-Drohnen-Drohnen sind mit Sicherheit eine interessante Art, solche Gegenden zu überwachen, in denen ein Flugverbot herrscht", so der Rechtsexperte Haswell.

Potentiell gefährdete Gebiete sollen mit Hilfe der neuen Einheit in Zukunft stärker überwacht werden. Bereits in der Vergangenheit hatten private Sicherheitsfirmen ihr Interesse bekundet, Drohen zur Überwachung und für Sicherheitsdienste einzusetzen: Das Sicherheitsunternehmen Secom hat erst kürzlich seine erste Drohne vorgestellt, die extra für Sicherheitsdienste konzipiert wurde. Mit den Drohnen können demnach verdächtige Personen oder Fahrzeuge überwacht werden. Wie Secom gegenüber der Zeitung "The Japan Times" bestätigte, plant die Firma, die Geräte zur Sicherung von großen Fabrikgeländen und Gewerbegebieten einzusetzen.

Sony will "kommerzielle Drohnen-Dienste" anbieten

Sogar der japanische Elektronikriese Sony plant in den Drohnenmarkt einzusteigen: Bereits im August hatte der Konzern angekündigt, in Zukunft "kommerzielle Drohnen-Dienste" anzubieten, die vor Allem für das Baugewerbe, im Bereich Logistik und in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollen. Amazons und Wal-Marts Pläne, Drohnen für die Lieferung von Produkten einzusetzen, sind schon lange kein Geheimnis mehr.

Japan gilt in so manchem technologischen Bereich als "Early Adopter" - Trends in Japan schwappen häufig nach einiger Zeit nach Europa und in die USA über. In Zukunft könnten Drohnen also auch hierzulande immer häufiger zur Wahrung von Recht und Ordnung eingesetzt werden. Bereits heute setzt die Polizei in vereinzelten Fällen Drohnen ein; für eine spezielle Anti-Drohnen-Einheit gibt es bei uns aber noch keine Pläne. Klar ist jedoch: In Zukunft werden sich Regierungen intensiver  mit dem Thema Drohnen auseinandersetzen müssen. In den USA beispielsweise, werden bereits Rufe nach einem nationalen Drohnen-Register laut.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker