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Kampf gegen die Ölpest: BP gibt sich zuversichtlich

Es gibt offenbar Hoffnung: BP meldet Fortschritte beim Versuch, das Bohrloch im Golf von Mexiko zu schließen. Nur noch wenig Öl fließe derzeit ins Meer. Alles schon mal gehört. Ob die Operation "Top Kill" tatsächlich erfolgreich ist, wird sich erst am Sonntag zeigen.

Im Kampf gegen die schlimmste Ölpest der US-Geschichte gibt es angeblich Fortschritte: Dem Ölkonzern BP ist es nach eigenen Angaben teilweise gelungen, die seit mehr als fünf Wochen sprudelnde Ölquelle im Golf von Mexiko zu schließen. Seit Freitagmorgen (Ortszeit) ströme nur noch wenig Öl und Gas ins Meer, sagte BP-Chef Tony Hayward dem TV-Sender CNN. Die Operation "Top Kill" wird nach Haywards Worten weitere 48 Stunden dauern - ein endgültiger Erfolg wäre also erst am Sonntag zu erwarten.

US-Präsident Barack Obama, der immer stärker unter Druck gerät, ist derweil erneut nach Louisiana gereist. Er hatte erst am Vortag eigene Fehler im Krisenmanagement eingeräumt und demonstrativ die politische Verantwortung übernommen. Er machte sich ein Bild von der Lage vor Ort und ließ sich anschließend von Admiral Thad Allen von der US-Küstenwache über den aktuellen Stand der Arbeiten des Ölkonzerns BP im Kampf gegen das Leck unterrichten. Allen überwacht im Auftrag der Regierung die Operation.

Als Konsequenz aus der Katastrophe kündigte Obama vor seiner Abreise eine härtere Gangart gegen die Ölindustrie an. Ölfirmen sollen es künftig wesentlich schwerer haben, Genehmigungen für Tiefseebohrungen zu bekommen. Obama sprach von einer bisher "behaglichen und manchmal korrupten Beziehung" zwischen Behörden und Ölindustrie.

Bei der Operation "Top Kill" wird unter hohem Druck Schlamm in das Bohrloch gepumpt, um den Ölfluss zu stoppen. Am Donnerstag und auch Freitag musste das komplizierte Manöver allerdings für jeweils mehrere Stunden unterbrochen werden. Laut BP sollte es am Freitagabend (Ortszeit) fortgesetzt werden. Dennoch gab sich Hayward vorsichtig optimistisch. Die aus dem Leck am Meeresgrund aufsteigende braune Wolke, die in Live-Videos zu sehen ist, bestehe derzeit fast komplett aus Schlamm. BP habe über Nacht außerdem Gummistücke und anderes Material in das Sicherheitsventil geschossen, das auf dem Bohrloch sitzt. Dies sollte dazu dienen, das Ventil zu verstopfen, damit weniger Schlamm aus der Quelle entweicht. Aktuelle Messungen hätten ergeben, dass dies erfolgreich gewesen sei, sagte Hayward.

Mehr als 36.700 Tonnen Öl flossen ins Meer

Die Katastrophe wurde am 20. April durch eine Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor der US-Küste ausgelöst. Experten der US-Regierung sprechen von der schlimmsten Ölpest, die es je in den USA gab. Seit Beginn es Öl-Dramas seien insgesamt mehr als 36.700 Tonnen Öl ins Meer gelangt. Beim Unfall des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska waren es 35.000 Tonnen.

Das Ausmaß der Ölpest wird derweil immer dramatischer. Es seien bereits mehr als 240 Kilometer der US-Küste verseucht, berichtete der TV-Sender CNN am Freitag. Noch am Donnerstag war lediglich von 160 Kilometern die Rede. Mehr als 400 Vögel seien seit Beginn der Katastrophe vor fünf Wochen an der Ölpest verendet. Auch Delfine seien gestorben, hieß es.

Ölkonzern hat noch mehrere Optionen

Falls der Versuch "Top Kill" scheitere, habe BP noch "verschiedene andere Optionen", das Leck zu schließen, sagte eine Konzernsprecherin von BP in London. Der Ölkonzern habe bereits Vorkehrungen für den Einsatz einer neuen Technik getroffen, sagte die Sprecherin weiter.

Dabei handele es sich um ein Oberflächen-Abdichtungssystem. Bei dem Verfahren würde das bestehende Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund entfernt und durch ein neues, breiteres Rohr mit einer Ringdichtung ersetzt. Auf diese Weise solle der Großteil des ausströmenden Öls und Gases aufgefangen werden.

Parallel dazu bohre BP weiter an zwei Stellen, um das bestehende Bohrloch zu entlasten. Damit sei am 2. und 16. Mai begonnen worden, sagte die Sprecherin. Diese Zapfquellen sollen innerhalb von drei Monaten einsatzbereit sein. Wie viel Öl insgesamt in der Quelle steckt, wollte BP nicht bekanntgeben.

BP will für Schäden bezahlen

Rund 1300 Schiffe sind nach Angaben des Konzerns im BP-Auftrag unterwegs, um ausgetretenes Öl aufzusammeln, chemisch aufzulösen oder mit Barrieren aufzuhalten. Für die Schäden will der Ölkonzern vollständig aufkommen. "Wir sind stark genug, um die Forderungen zu tragen", betonte die Sprecherin.

Auch mehrere EU-Länder unterstützen jetzt den Kampf gegen das Öl, nachdem die USA am späten Donnerstagnachmittag um Hilfe der EU-Mitgliedstaaten baten. Helfen sollen vor allem drei spezielle Absaugvorrichtungen, um das Öl abzufischen.

DPA / DPA