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Katastrophenalarm: Hunderttausende fliehen vor Hurrikan "Dennis"

Mit Windgeschwindigkeiten von 215 Kilometern pro Stunde hat der Hurrikan "Dennis" Kurs auf Zentral-Kuba und Florida genommen. Der Sonnenstaat bereitet sich auf den Hurrikan vor wie auf einen Angriff.

Hunderttausende Menschen in der Karibik und den USA fliehen vor Hurrikan "Dennis". Auf Haiti riss der gewaltige Wirbelsturm bereits fünf Menschen in den Tod. Meteorologen ordneten den Hurrikan am Freitag in die Kategorie vier ein - die zweithöchste mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern in der Stunde.

Gouverneur Jeb Bush rief für Florida vorsorglich Katastrophenalarm aus. Die NASA will jedoch trotz des Sturmes am ersten Space-Shuttle-Start nach der "Columbia"-Katastrophe vor zweieinhalb Jahren festhalten: "Discovery" soll am Mittwoch von Cape Canaveral in Ostflorida abheben.

Vier Tote in Haiti

Laut Rotem Kreuz starben in Haiti vier Menschen, als eine Brücke einstürzte. Ein Mensch wurde von einer Palme erschlagen, die auf seine Lehmhütte stürzte. Viele Häuser sind zerstört, Straßen überschwemmt, Bahnstrecken unterbrochen. Zudem müssen Zehntausende ohne Strom auskommen.

Auch in Kuba gilt landesweit die höchste Alarmstufe. "Dennis" soll in der Nacht zum Samstag mit 215 Stundenkilometern über Havanna hinwegfegen. 200.000 Kubaner und 1500 Touristen wurden in den Norden der Insel gebracht. Auf dem amerikanischen Stützpunkt Guantànamo Bay bereiten sich auch Marines und US-Marine auf den schweren Sturm vor. An eine Verlegung der dort inhaftierten 520 Islamisten sei jedoch nicht gedacht, erklären die Streitkräfte. Gleichwohl: Ein bestehender Evakuierungsplan wurde laut CNN aktualisiert.

Florida bereitet sich auf den Hurrikan vor wie auf einen Angriff. Ständig zeigen die Fernsehsender auf Grafiken, wie weit der "Feind" noch entfernt ist. Ein roter Fleck markiert das Zentrum des Sturms, der sich mit 20 Kilometern in der Stunde nach Nordwesten schiebt - langsam, doch unaufhaltsam.

Böse Erinnerungen an "Andrew"

Erinnerungen werden wach an "Andrew" im Jahr 1992. Der Hurrikan hatte 14 Menschen getötet und mehr als 60 000 Häuser und Wohnungen weggerissen. Ganze Wohnviertel waren einfach verschwunden. Allein in den USA entstand ein Schaden von 30 Milliarden Dollar. Wochenlang standen die Amerikaner nach Essen und Wasser an: Bilder wie aus der Nachkriegszeit.

Doch der furchtbarste Wirbelsturm seit zwei Jahrhunderten suchte die Menschen erst sechs Jahre später heim. "Mitch" fegte mit 285 Stundenkilometern - Kategorie fünf - über die Karibik. Mehr als 10 000 Menschen überlebten den gigantischen Sturm nicht. Gewaltige Wassermassen hatten zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Nach zehn Tagen Dauerregen brach der Vulkan Casitas auseinander. 1500 Menschen starben. Auch jetzt warnen die Meteorologen wieder vor Dauerregen in der Karibik.

Vorboten des Klimawandels?

Die Vorboten des Klimawandels, warnen Pessimisten. Doch Experten bremsen: Hurrikans habe es immer gegeben und sie seien auch nicht stärker geworden. Im Gegenteil: In den vergangenen 50 Jahren wurden sogar deutlich weniger Wirbelstürme der höheren Kategorien gezählt. Und zwischen 1991 und 1994 wurde nicht ein Hurrikan registriert. Schweizer Meteorologen führen das auf das Klimaphänomen El Niño zurück. Offenbar bremst die warme Meeresströmung die Entstehung der Wirbelstürme. Andere Forscher wollen einen Zusammenhang mit der Trockenheit in der Sahelzone erkannt haben: Ist es in den Randgebieten der Sahara besonders trocken, sind auch in der Karibik Stürme seltener.

Tatsächlich entstehen die Hurrikans vor der Küste Westafrikas. Wenn das Atlantikwasser mindestens 26 Grad warm ist und die Luft in großer Höhe rasch abfließt, entsteht ein Luftdruckgefälle. Langsam bilden sich Wirbel, die in weitem Bogen über den Atlantik wandern und immer wieder an der gleichen Stelle ankommen: In Mittelamerika, der Karibik, dem Südosten der USA.

Chris Melzer, DPA / DPA