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"Open carry" in den USA: Männer laufen schwerbewaffnet in Polizeistation - und werden fast erschossen

In einigen US-Bundesstaaten ist das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit gestattet. Zwei Vertreter der sogenannten "Open carry"-Bewegung haben es nun drauf angelegt und laufen mit Sturmgewehren bewaffnet in eine Polizeistation - um die Beamten zu testen.

Schwerbewaffnet in eine Polizeistation einzulaufen ist niemals eine gute Idee, selbst wenn es von Rechts wegen her nicht verboten ist: Zwei Männer in Dearborn im US-Bundestaat Michigan haben mit Sturmgewehren bewaffnet eine Polizeistation aufgesucht, um sich über eine vorangegangene Polizeikontrolle zu beschweren. Die beiden Personen streamten ihren gefährlichen Besuch bei der Polizei via Facebook live ins Netz. Streitpunkt hinter der fragwürdigen Aktion sind die Waffengesetze in Michigan: In dem US-Bundesstaat gibt es zwar kein Gesetz, das es Personen konkret erlaubt, offen eine Waffe zu tragen, es gibt eben auch kein Gesetz, dass so etwas verbietet. Offenbar wollten die beiden Männer testen, wie weit sie gehen können - und zahlten um ein Haar mit ihrem Leben.

Auf dem Video, welches später bei Youtube veröffentlicht wurde, sind die Männer zu sehen, wie sie die Polizeistation betreten. Einer ist dabei sogar mit einer Skimaske vermummt. Weiter sind die Personen mit zusätzlichen Magazinen und schusssicheren Westen ausgestattet. Als die Polizisten die schwer bewaffneten Personen sehen, zücken diese sofort ihre Waffen. Ein Beamter ruft: "Man, leg das (Gewehr) auf den Boden!“, ein weiterer warnt die Männer: "Legen Sie die Waffe auf den Boden oder Sie sind tot! Ich werde Sie erschießen, sir! Legen Sie das Gewehr auf den Boden!"

"Was zum Teufel ist bloß los mit euch?"

Die Männer leisten der Aufforderung folge und legen sich hin. Daraufhin ist zu hören wie ein dritter Beamter fragt: "Was zum Teufel ist bloß los mit euch?" Woraufhin einer der Männer antwortet: "Es ist legal, sir." Später räumte einer der Männer gegenüber der Nachrichtenseite "MLive.com" ein, "ungefähr zehn Sekunden lang dachte ich, ich würde sterben." Die Männer wurden von den Polizisten festgenommen.

Bei den Personen wurden neben den beiden Sturmgewehren auch eine Handfeuerwaffe und 66 Schuss Munition sichergestellt. Offenbar waren die Männer zuvor von einem Polizisten in ihrem Wagen überprüft worden, wie sie kurz vor Betreten der Polizeistation in ihrem Video erklärten. Sie hätten sich ungerecht behandelt gefühlt: "Wir hatten schon etwas Angst um unser Leben, als wir angehalten wurden. Also entschlossen wir uns, uns besser zu schützen." Laut Polizei wurden die Männer zuvor kontrolliert, weil es einen Hinweis bezüglich zwei verdächtiger Personen mit taktischen Westen und Masken gegeben habe. Dabei scheinen die beiden Personen öfter den Konflikt mit der Polizei zu suchen: Laut "Washington Post" hätten sie schon früher Videos von Interaktionen mit der örtlichen Polizei ins Netz gestellt.

"Ein Problem mit dem Second Amendment"

Die beiden Männer sind Anhänger der sogenannten "Open carry"-Bewegung in den USA, die sich für das offene Tragen von Waffen in einigen Bundesstaaten einsetzt. Der Polizeichef von Dearborn sagte der "Washington Post", "ich finde solch ein Verhalten völlig inakzeptabel (…) Für mich ist das ein Problem mit dem Second Amendment." Im 2. Zusatzartikel der US-Verfassung ist das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen verankert. Sogar der Präsident der "Open-Carry"-Bewegung in Michigan pflichtete dem Polizeichef bei und verurteilte das Verhalten: "Wir glauben die Aktion war unverantwortlich und verfolgte das primäre Ziel, Aufmerksamkeit zu erlangen und eine Reaktion zu provozieren."


Beide Männer sind auf Kaution wieder auf freiem Fuß. Von Einsicht scheint nach der gefährlichen Aktion jedoch keine Spur zu sein. Auf Facebook schrieb einer der Männer: "Der Kampf geht weiter. Wir machen das schon seit ein paar Jahren (…)" Der zweite legte seinen Standpunkt gegenüber der Zeitung "Detroit free Press" dar: "Wir legen Misshandlungen und Machtmissbrauch durch die Polizei offen, in dem totalitären Polizeistaat, indem wir leben."

amt