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Internethit Elfjähriger Junge aus Gaza landet mit einem Rapsong einen Viralhit - und hat jetzt richtig Ärger in der Heimat

Rapper Abdel Rahman al-Shanti
Mit seinem Rap-Video gelang dem 11-jährigen Abdel Rahman al-Shantti aus Gaza ein Internethit. 
© Mohammed Salem / Reuters
Über Nacht wurde Abdel Rahman a-Shantti mit einen Rapsong zum kleinen Internetstar. Weil der Elfjährige aber auch zur Liebe zwischen Palästina und Israel aufrief, hat er nun richtig Ärger im eigenen Land.

Abdel Rahman al-Shantti ist elf. Er rappt seit zwei Jahren. Das Englisch hat er sich übers Musikhören selbst beigebracht. Sein größtes Vorbild: Eminem. Irgendwann will der Junge aus Gaza selbst ein Rapstar sein, große Tourneen spielen - am liebsten durch die USA.

Mit einem Cover kam der Junge seinem Ziel nun ein Stück näher. Das Video, in dem er umringt von seinen Schulfreunden in bester Hip-Hop-Manier einen Rapsong covert, wurde zum viralen Hit und brachte ihm auch den Applaus berühmter Künstler ein. Mehr als eine Million Menschen haben das Video gesehen. 

Stress im eigenen Land

So weit so gut. Dunkle Wolken zogen allerdings auf, als der Junge danach gefragt wurde, was er mit dem Video habe erreichen wollen und davon sprach, Liebe zwischen Palästina und Israel zu verbreiten. Es gebe keinen Grund für Kämpfe und Krieg. "Wir müssen dafür sorgen, dass diese Beziehung besser und besser wird", sagte er im Gespräch mit einer russischen Nachrichtenagentur. 

Das kam im Gazastreifen überhaupt nicht gut an. Frieden mit Israel, das ist für viele Palästinenser ein Tabu und passt nicht zur politischen Linie der militanten Hamas, die in Gaza an der Macht ist. 

"Er hat sich falsch ausgedrückt"

Spürbar wurde das auch in den sozialen Medien. Dort bekamen der Junge und auch sein Vater von vielen Landsmännern harte Kritik zu hören. Man warf dem Vater vor, seinen Sohn nicht ausreichend über die palästinensische Sache aufgeklärt zu haben. Woraufhin der Vater dafür sorgte, dass der russische Nachrichtensender das Video seines Sohnes inzwischen gelöscht hat.

Stattdessen veröffentlichte der Vater selbst ein Video-Statement, wie die "New York Times" berichtet. Darin versucht er, die Worte des Sohnes zu relativieren: "Der Junge ist elf Jahre alt und hat sich falsch ausgedrückt. Er war sehr müde. Das kann passieren", sagte er. Sein Sohn habe nicht explizit den Frieden mit Israel gemeint, sondern Frieden in der Welt. 

Womöglich ist das aber auch eine Schutzbehauptung? Denn zu große Nähe zum Erzfeind Israel wird im Gazastreifen mitunter hart bestraft. Erst im April waren dort mehrere Friedensaktivisten nach einem Video-Chat mit Israelis verhaftet worden.

In einem Interview mit der "New York Times" spricht Abdel Rahman davon, dass seine Musik die Leiden der Palästinenser durch die Blockaden Israels und Ägypten vermitteln soll. Sie solle aber auch eine Botschaft des Friedens und der Gleichberechtigung übermitteln. "Man sollte andere so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte." 

Quellen: New York Times


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