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London Razzia bei Zwölfjährigem wegen Spielzeuggewehrs: Mutter unterstellt Rassismus – Polizei widerspricht

Der zwölfjährige Kai A. steht mit Jacke und Mütze auf der Straße
Rassismus oder wirkliche Gefahr? "Die Bevölkerung darf von uns erwarten, dass wir jeder seriösen Anzeige nachgehen.", sagte die Londoner Polizei nach der Razzia im Zuhause des 12-jährigen Kai A.
© Twitteraccount Bill White/screenshot
In London sorgte der Anruf einer beunruhigten Nachbarin bei der Polizei für eine Hausdurchsuchung bei einem Zwölfjährigen. Dieser wurde mit einem Gewehr beobachtet, das nicht sofort als Spielzeug erkannt worden war.

Bewaffnete Polizisten stürmten zusammen mit Spürhunden das Zuhause eines zwölfjährigen Jungen in London und nahmen ihn fest. Zuvor war er von Nachbarn beobachtet worden, wir er mit einem Gewehr hantierte. Kai A. war "geschockt" von den Geschehnissen, wie seine Mutter Alicia der britischem "Metro" sagte, die zuerst über den Vorfall berichtet hatte.

Es begann mit einem Notruf aus der Nachbarschaft im Londoner Bezirk Camden bei der Polizei: Eine schwarze männliche Person laufe mit einem Gewehr durch die Gegend. Kurz darauf trafen zahlreiche Polizeikräfte in der Wohnung der Familie des Jungen ein. "Ihre Waffen waren direkt auf mich und meine Kinder gerichtet", beschreibt Kais Mutter das Eindringen der Polizisten. Tatsächlich hatte ihr Sohn zuvor mit einem Spielzeuggewehr gespielt, das mit einer blauen Hülle versehen war, um die Verwechslung mit einer echten Waffe zu verhindern.

Auch Hundestaffel vor Ort

Die Polizisten hätten alle erdenklichen Gerätschaften bei der Razzia benutzt, nur ein Helikopter habe noch gefehlt, berichtet die Mutter. Neben der schwer bewaffneten Durchsuchungseinheit plus Hundestaffel waren noch zwei weitere Mannschaftswagen und ein Rettungswagen vor Ort.

London: Razzia bei Zwölfjährigem wegen Spielzeuggewehrs: Mutter unterstellt Rassismus – Polizei widerspricht
© screenshot Twitter-Account Bill White

A. zeigte den Polizisten seine Spielzeugwaffe, doch die Durchsuchung der Wohnung wurde fortgesetzt. Insgesamt dauerte die Razzia länger als eine Stunde. Für Kais Mutter steht fest, dass ihr Sohn zweifellos aufgrund seiner Hautfarbe ins Visier der Polizisten geraten war. Sie berichtete der "Metro", dass die Polizei ihr dargelegt habe, dass ältere Gang-Mitglieder der Gegend häufig bei den jüngeren ihre Gewehre und Messer versteckten, um die Gefahr zu verringern, dass sie gefunden werden.

Kyle Gordon von der zuständigen Polizeibehörde erläuterte: "Es gab in der Vergangenheit viele gut dokumentierte Schießereien in ganz London, bei denen zahlreiche Unbeteiligte verletzt worden sind." Er ergänzte, dass der Job seiner Beamten der Eindämmung und Bekämpfung von Gewalt diene. "Die Bevölkerung darf von uns erwarten, dass wir jeder seriösen Anzeige nachgehen."

Rassismus oder akute Gefahrenlage?

Kais Mutter Alice jedoch ist nach wie vor schockiert von der Art und Weise, wie sie und ihre drei Kinder in ihrem Zuhause bedroht worden sind: "Ich hatte keinen Zweifel daran, dass sie auf uns schießen würden." Kai sei seither traumatisiert. Er könne keine fünf Minuten allein sein, ohne Angst zu bekommen.

"Nach den uns vorliegenden Informationen verhielten sich die Beamten völlig korrekt", entgegnete Gordon im Gespräch mit "Metro". "Auch der Nachbar, der uns verständigt hat, hat alles richtig gemacht. Wir möchten alle Bürger ermuntern, es ihm in ähnlichen Situationen gleichzutun." Kai sei gleich nach der Durchsuchung wieder freigelassen worden.

Die Kontroversen spiegeln sich auch auf zahlreichen Social-Media-Kanälen wider. Einerseits sei es nicht die Schuld der Polizisten, dass es keine echte Waffe gewesen sei, wie User "FlyScript" auf dem Portal Reddit schreibt. Andererseits könne Übervorsichtigkeit zu Ignoranz der wahren Gegebenheiten führen, wie Twitter-User "Bill White" es mit dem Kommentar "Karens will be Karens, eh?" (etwa: "selbstgerechte weiße Frauen wird es immer geben") zusammenfasst.

Quellen: "Metro", Reddit-Thread, Tweet Bill White

km

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