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New Orleans: Bergung der Leichen beginnt

Während die Suche nach Überlebenden abgeschlossen ist und sich die Hilfskräfte auf die Bergung von Leichen konzentrieren, zieht US-Präsident Bush nach der heftigen Kritik am Krisenmanagement eine erste personelle Konsequenz.

Rund zwei Wochen nach den Verwüstungen durch Hurrikan "Katrina" an der Südküste der USA rückt die Bergung der Leichen in den Mittelpunkt der Bemühungen der Hilfskräfte. Nach Angaben der Behörden liegt die Zahl der Todesopfer möglicherweise deutlich niedriger als bislang befürchtet. Nach jüngsten Schätzungen einer Wirtschaftsberatungsfirma verursachte "Katrina" Schäden in Höhe von 125 Milliarden Dollar. US-Vizepräsident Dick Cheney wird am Samstag, Präsident George W. Bush am Sonntag in der Katastrophenregion erwartet.

Die Suche nach Überlebenden sei abgeschlossen, sagte der Heimatschutzdirektor von New Orleans, Oberst Terry Ebbert, am Freitag. "Was wir heute starten ist eine Bergungsoperation." Straße für Straße werde jetzt nach Todesopfern des Hurrikans abgesucht. Die Zahlen seien bislang relativ niedrig im Vergleich zu den zunächst geschätzten 10.000 Todesopfern. Bislang wurden in den betroffenen Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama offiziell mehr als 300 Tote bestätigt. Rund eine Million Menschen wurden von dem Sturm aus ihren Wohnungen vertrieben.

Sachschäden höher als bislang angenommen

Bis alle Toten geborgen seien, gebe es keine Eile, die trotz der Zwangsevakuierung in New Orleans noch ausharrenden Menschen abzutransportieren, hieß es in der Stadtverwaltung. Die neu geschaffene Möglichkeit, Haustiere mitnehmen zu dürfen, hat offenbar zudem einige der zurückgebliebenen Menschen überzeugt, die überflutete Stadt doch noch zu verlassen.

Nach massiver Kritik wegen verspäteter und unzureichender Hilfen wurde der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde Michael Brown von seinen Pflichten im Zusammenhang mit Hurrikan "Katrina" entbunden. Seine Aufgaben übernahm der Stabschef der Küstenwache, Vize-Admiral Thad Allen. Vizepräsident Cheney will am Samstag Überlebende des Hurrikans in Texas besuchen. Bush selbst wird am Sonntag zu einem dritten Besuch in der Katastrophenregion erwartet.

Die durch "Katrina" verursachten Sachschäden sind nach Angaben der Wirtschaftsberatungsfirma Risk Management Solutions (RMS) höher als bisher angenommen. Das Unternehmen rechnet jetzt mit Schäden in Höhe von 125 Milliarden Dollar, nachdem es zuvor von 100 Milliarden Dollar ausgegangen war. Die Versicherungsschäden dürften sich demnach auf 40 bis 60 Milliarden Dollar belaufen. Die mit 21 Milliarden Dollar bislang höchste durch einen Hurrikan verursachte Schadenssumme kam auf die Versicherungsunternehmen zu, nachdem "Andrew" 1992 in den USA gewütet hatte.

Vier Wochen für Trockenlegung von New Orleans veranschlagt

Weite Teile der nach dem Hurrikan «Katrina» überfluteten Stadt New Orleans könnten schon innerhalb von vier Wochen wieder trocken gelegt werden. Ein Großteil des Wassers solle bis zum 2. Oktober abgepumpt werden, teilte das Ingenieurkorps der US-Streitkräfte am Freitag mit. Zahlreiche Musikstars baten unterdessen bei einer Spendengala um finanzielle Unterstützung für die "Katrina"-Opfer im Südosten der USA.

In einigen der östlichen Stadtbezirke von New Orleans sowie in der besonders schwer betroffenen Ortschaft Chalmette könne es noch bis zum 8. Oktober dauern, bis das Wasser abgepumpt ist, erklärten die Einsatzkräfte. Die Trockenlegung des Katastrophengebiets wäre damit dennoch wesentlich früher abgeschlossen als bislang erwartet, nachdem die Streitkräfte dafür zunächst bis zu 80 Tage veranschlagt hatten.

New Orleans steht nach "Katrina" zu 80 Prozent unter Wasser. Bei einer ersten systematischen Durchsuchung seien weniger Leichen gefunden worden als erwartet, sagte der Sicherheitschef des US-Heimatschutzministeriums für New Orleans, Terry Ebbert, am Freitag. Ebbert betonte, Journalisten würden von der Bergung der Leichen fern gehalten. Eine Berichterstattung darüber sei nicht angemessen.

US-Präsident George W. Bush zog nach der heftigen Kritik am Krisenmanagement eine erste personelle Konsequenz: Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP wurde dem Direktor der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Michael Brown, die Leitung der Hilfsmaßnahmen entzogen. Diese sollte Vizeadmiral Thad Allen von der Küstenwache übernehmen. Brown sei unterdessen nach Washington zurückgeschickt worden, verlautete aus Behördenkreisen.

Großer Spendenmarathon für Hurrikan-Opfer

Zu den Höhepunkten der Fernsehgala des Senders BET gehörte ein Duett von U2-Sänger Bono mit Mary J. Blige, die gemeinsam den U2-Hit "One" sangen. Auch Mariah Carey, Neil Young, Alicia Keys, Paul Simon, John Foggerty und die Foo Fighters traten auf. Patti LaBelle sang den Pretenders-Hit "I'll Stand By You". Jay-Z und Diddy überreichten einen Scheck der New Yorker Rap-Gemeinde in Höhe von einer Million Dollar (810.000 Euro). Moderator Chris Rock warb für Spenden für die Armen, die von der Katastrophe besonders schwer getroffen wurden. "Wir haben alle die Frage gehört: 'Warum sind diese Leute nicht einfach geflohen, als sie Gelegenheit dazu hatten?'", sagte der Komiker. "Aber jetzt wird uns klar, dass nicht jeder einfach in seinen Geländewagen springen und in ein schönes Hotel fahren kann. Diese Leute sind von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig, und diese Leute können sich kein schönes Hotel leisten, weil einige von ihnen dort arbeiten."

Auch die großen TV-Sender ABC, CBS, NBC und Fox veranstalteten unter dem Motto "Shelter from the Storm" eine gemeinsame Spendengala. Dort traten unter anderem Randy Newman, Dr. John und Kanye West auf. Der Hip-Hop-Star West hatte bei einer ähnlichen Veranstaltung eine Woche zuvor für Wirbel gesorgt, als er US-Präsident George W. Bush vorwarf, ihm seien die schwarzen Menschen egal.

Reuters/AP / AP / Reuters