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Experten erklären Was die Löscharbeiten so schwierig machte

Der Roman "Der Glöckner von Notre Dame" lebt in den Verfilmungen weiter. Hier die Version von 1966 mit Gina Lollobrigida als Esmeralda und Anthony Quinn als Quasimodo.
Das Wahrzeichen von Paris, die Kathedrale Notre-Dame, brennt.
Fassungslos beobachten die Menschen wie das fast 900 Jahre alte Bauwerk den Flammen zum Opfer fällt.


Das Feuer trifft das Herz von Paris. Notre-Dame steht im Zentrum der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité.


Wegen des Brandes wurde sie abgeriegelt. Anwohner wurden in einer Veranstaltungshalle untergebracht.
Notre-Dame gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen. Millionen Menschen besuchen das Unesco-Weltkulturerbe jedes Jahr.


Seit den islamistischen Terroranschlägen in Paris patrouillieren auch um Notre-Dame Soldaten.


Die Geschichte der Kathedrale reicht bis ins Jahr 1163. Fast 200 Jahre dauerte der Bau.


Die Dimensionen der gotischen Kirche sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch.  Das 1793 von Frankreichs Revolutionären geplünderte und verwüstete gotische Meisterwerk wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Grund auf restauriert.


Mit seinem 1831 erschienenen Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.  Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt.


An vielen Stellen bröckelte zuletzt die Bausubstanz.


Das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reichte für eine umfassende Sanierung nicht aus.


Deshalb war vor einiger Zeit eine Spendenaktion auf den Weg gebracht worden, um die Instandsetzung zu finanzieren.


Wie viel der Wiederaufbau der Kathedrale nach dem Brand kosten wird, ist noch unklar.
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Die Löscharbeiten an der Pariser Kathedrale Notre-Dame waren eine enorme Herausforderung für die Feuerwehrleute. Das lag auch an bestimmten Eigenheiten des jahrhundertealten Bauwerks.

Stundenlang kämpften rund 400 Feuerwehrleute gegen die Flammen, die aus der Pariser Kathedrale Notre-Dame schlugen – am Dienstagvormittag gaben die Retter dann endlich Entwarnung: Das Feuer in dem Wahrzeichen der französischen Hauptstadt ist komplett gelöscht, die Feuerwehr konnte die Glockentürme retten, und auch die Struktur des Kirchenschiffs konnte weitgehend erhalten werden.

Es war ein Brand von ungeheurem Ausmaß, davon konnte sich jeder am Fernseher überzeugen. Für die Einsatzkräfte war das Feuer eine enorme Herausforderung, nicht nur weil sie lange Zeit brauchten, bis sie an den Einsatzort gelangen konnten (lesen Sie dazu hier mehr im stern).

Bestimmte Eigenheiten des gotischen Bauwerks erschwerten die Löscharbeiten zusätzlich, wie ein ehemaliger Feuerwehrmann im US-Sender CNN erläuterte: die jahrhundertealten Dachbalken von Notre-Dame, ihre Steinfassade und die schiere Größe der Kathedrale (127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch). "Schon in den ersten 20 Minuten des Brandes war klar, dass es ein schlimmes Feuer werden könnte", erklärte Gregg Favre dem Sender. Nachdem die Balken im Dach gebrannt hätten, sei es für die Feuerwehrleute durch die steinernen Außenhaut schwierig gewesen, an die Quelle der Flammen zu gelangen. Die Steine seien heiß geworden und hätten den Rauch im Inneren gehalten, Löscharbeiten im Kirchenschiff seien dadurch zunächst verhindert worden. Zusätzlich habe das Feuer durch die Höhe des Gebäudes und den darin enthaltenen Sauerstoff immer wieder neue Nahrung erhalten. "Die Einsatzkräfte waren schon benachteiligt, bevor sie überhaupt aus der Feuerwache ausgerückt sind", so der Ex-Feuerwehrmann. Auf seinem Twitterkanal gibt Favre weitere sachkundige Einschätzungen zu der Brandentwicklung ab.

Der Roman "Der Glöckner von Notre Dame" lebt in den Verfilmungen weiter. Hier die Version von 1966 mit Gina Lollobrigida als Esmeralda und Anthony Quinn als Quasimodo.

Lob für Feuerwehreinsatz an Pariser Notre-Dame

Ein Löschangriff mit Flugzeugen oder Hubschraubern aus der Luft, wie es unter anderem US-Präsident Donald Trump geraten hatte (lesen Sie hier im stern mehr dazu), sah ein Experte im CNN-Interview als nicht zweckmäßig an. "Kein Pilot kann Wasser punktgenau fallen lassen, während er sich mit mehreren Hundert Stundenkilometern über den Brandherd hinweg bewegt", sagte Glenn Corbett, Professor für Feuerwissenschaft am New Yorker John-Jay-College für Strafrecht. Auch der Einsatz von Hubschraubern sei keine Option gewesen. "Eines der Probleme ist der thermische Aufwind", so der Wissenschaftler. "Sie können keinen Hubschrauber in heißer Luft fliegen, sie ist zu dünn dafür." 

Die französische Zivilschutzbehörde erklärte ergänzend, dass ein massiver Wasserabwurf über Notre-Dame zu enormen Schäden an der Statik der Kathedrale geführt hätte.

Ins gleiche Horn bließ Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. Die von Trump vorgeschlagene Lösung sei "absoluter Humbug", sagte er der Nachrichtenagentur DPA. "Dann kommt es zum Gebäudeeinsturz und dann hat man genau das Gegenteil von dem erreicht, was man will."

Und doch: Trotz aller Schwierig- und Widrigkeiten gelang es den 400 Feuerwehrleuten, das Unesco-Weltkulturerbe Notre-Dame im Wesentlichen zu bewahren. "Das war eine enorme Anstrengung", lobte Ex-Feuerwehrmann Favre. "Ich denke, jeder Feuerwehrmann würde Ihnen sagen, dass dies ein großes Ereignis war und die eingesetzten Einsatzkräfte gar nicht hoch genug gelobt werden können."

Notre-Dame brennt und Paris singt und betet

Quellen: CNN, Twitterkanal von Gregg Favre, Nachrichtenagentur DPA

wue

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