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Obama besucht Ölpest-Gebiet: Die Rechnung für BP wird teuer

Angesichts der Ölpest im Golf von Mexiko hat US-Präsident Barack Obama BP in die Pflicht genommen, für die Schäden aufzukommen. Bei einem Besuch in Louisiana bezeichnete Obama den Ölteppich als "womöglich beispiellose Umweltkatastrophe". BP will auch zahlen - es könnte sehr teuer werden.

Eine Naturkatastrophe von nie dagewesenem Ausmaß? US-Präsident Barack Obama befürchtet das Schlimmste für den von der Ölpest bedrohten Golf von Mexiko. Bei einem Besuch in der Katastrophenregion sagte er, die Regierung werde tun, "was immer und wie lange nötig ist, um diese Krise zu beenden".

Die Lage in der Region wird immer dramatischer. Die US-Behörden verfügten ein Fischereiverbot für die am stärksten bedrohten Küstengewässer. Zigtausende Fischer bangen nun um ihre Existenz. Der Ölteppich hatte sich zuvor rapide ausgedehnt, schnelle Rettung ist nicht in Sicht.

Obama: "Noch nie dagewesene Naturkatastrophe"

Der Präsident traf in Venice am Mississippi-Delta mit Vertretern der Küstenwache und anderen Experten zusammen, um sich aus erster Hand über das Ausmaß der Ölpest und über die Gegenmaßnahmen informieren zu lassen. "Wir haben eine massive und möglicherweise noch nie dagewesene Naturkatastrophe", sagte Obama anschließend. Er bekräftigte, dass der britische Konzern BP für den anhaltenden Ölaustritt verantwortlich sei, und "BP wird die Rechnung dafür bezahlen". Dazu sind die Briten auch bereit, müssen nach Expertenschätzungen aber tief in die Tasche greifen. Der Schaden wird derzeit auf 14 Milliarden Dollar geschätzt. Zeitungen nannten BP-Belastungen von 8 Milliarden Dollar.

Die Ursachen für den Unfall müssten gründlich aufgeklärt werden, sagte der US-Präsident aber im Mittelpunkt stehe jetzt "der unermüdliche Versuch", den Ölfluss ins Wasser zu stoppen. "Wir werden nicht ruhen, bis die Lecks geschlossen sind und die Region gesäubert ist."

Ein einzelnes Bauteil könnte Katastrophe ausgelöst haben

Vor seinem Besuch hatte es Kritik gegeben, er und die Regierung hätten nicht rasch genug auf die Katastrophe reagiert. Obama verteidigte sich energisch dagegen. Die Regierung habe sich vom ersten Tag an auf das Schlimmste vorbereitet. Auch wenn man das Beste gehofft habe, sagte der Präsident.

Der Chef von BP in den USA, Lamar McKay, sagte dem Fernsehsender ABC, vermutlich habe der Ausfall eines einzelnen Bauteils in der Technik der Plattform "Deepwater Horizon" die Katastrophe ausgelöst. Zugleich verteidigte er den BP-Konzern gegen Kritik. Seine Firma arbeite zeitgleich an mehreren "Fronten". Eine davon sei eine "Kuppel", die über das Bohrloch gestülpt werden solle. "Die werden wir wahrscheinlich in sechs Tagen bis acht Tagen einsetzen können", sagte McKay.

Ölteppich binnen weniger Tage verdreifacht

Die von BP geleaste Bohrinsel war am 22. April nach einer Explosion gesunken. Seitdem sprudeln in 1500 Meter Tiefe täglich knapp 700 Tonnen Rohöl ins Meer, der Ölteppich hat sich nach Experteneinschätzung binnen weniger Tage verdreifacht. In einigen Küstengebieten wurden erste verschmutzte Vögel gefunden. Inzwischen haben vier Bundesstaaten wegen des gefährlichen Ölfilms auf dem Wasser den Notstand ausgerufen.

Verschlimmert wird die Lage durch schlechtes Wetter mit heftigem Wind: Der hohe Wellengang erschwert das Auslegen schwimmender Barrieren und das Absaugen des Ölfilms. Das Abfackeln von Teilen des Ölteppichs ist seit Tagen nicht mehr möglich gewesen.

Fangverbot dauert mindestens zehn Tage

Die US-Behörde für Ozeanographie verfügte ein Fangverbot zunächst für mindestens zehn Tage. Es gilt für kommerzielle und Hobbyfischer. Wissenschaftler sollen prüfen, ob der Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten noch sicher ist. Die Fangverbotszone reicht von den Gewässern vor Venice bis zur Pensacola Bay an der Westküste Floridas.

Auch am Montag hielt das stürmische Wetter vor der Golfküste an. Der Ölteppich befand sich noch etwa acht bis 14 Kilometer vor der Küste. BP-Konzernchef Tony Hayward spricht mittlerweile öffentlich vom "worst case scenario". Es könnte zwei bis drei Monate dauern, das Leck zu stopfen.

DPA / DPA