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Ausgelaufener Frachter Verzweiflung auf Mauritius: Menschen schneiden sich Haare ab, um der Ölkatastrophe Herr zu werden

Freiwillige helfen, das Öl vor Mauritius zu entfernen
Freiwillige nehmen an einer Säuberungsaktion vor der Südostküste von Mauritius teil
© Beekash Roopun/L'express Maurice/AP / DPA
Vor Mauritius hat ein Frachter mehr als 1000 Tonnen Öl im Indischen Ozean verloren. Dem Inselstaat droht neben der Umweltkatastrophe auch großer wirtschaftlicher Schaden. Die Bewohner opfern ihre Haare, um dem Öl etwas entgegenzusetzen.

Gemeinhin gilt Mauritius als Urlaubsparadies, gerade jedoch steht das Land vor einer Katastrophe. Vor der Küste hat ein havarierter japanischer Frachter durch einen Riss im Rumpf Unmengen von Öl verloren, die den Ozean verschmutzen. Mehr als 1180 Tonnen Treibstoff sind bereits ausgelaufen – und die Lage droht sich noch zu verschlimmern: Das Schiff droht auseinanderzubrechen. Immerhin gelang es Einsatzkräften, den verbliebenen Treibstoff aus den Tanks abzupumpen. Jetzt befinden sich nur noch 100 Tonnen Öl auf dem Schiff.

Auf der Insel im Indischen Ozean sind die Wut und Verzweiflung groß. Dabei geht es nicht nur um eine große Umweltkatastrophe mit dramatischen ökologischen Folgen, sondern auch um die Existenz der Menschen in dem Inselstaat. Durch das Unglück drohen Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft verlorenzugehen. Um zumindest das zu tun, was sie zur Eindämmung der Katastrophe tun können, schneiden viele Menschen auf Mauritius nun ihre Haare ab.

Mauritius: Haare sollen ausgelaufenes Öl aufnehmen

Der Grund: Haare sind ein sogenanntes Adsorptionsmittel für Rohöl, das heißt, sie nehmen das Öl auf. So soll das aus dem Tanker gelaufene Öl von der Küste – so gut es geht – abgetragen werden. Die Umweltbiologin Megan Murray von der University of Technology im australischen Sydney berichtet im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass diese Methode schon bei verschiedenen früheren Ölkatastrophen eingesetzt wurde und "sehr effektiv" sei. 

Auf Mauritius bringen die Menschen nun ihr Haar an den Strand, in der Hoffnung, so einen kleinen Beitrag leisten zu können. Ausgelöst hatte diesen Trend die Abgeordnete Joanna Bérenger, die selbst ihre Haare abgeschnitten und auf Facebook dazu aufgerufen hatte, es ihr gleichzutun. Mittlerweile ist daraus auf der Insel eine Internet-Challenge geworden: User posten ihre Haarbüschel, die jetzt die Umwelt retten sollen.

Mauritius droht eine ökologische und wirtschaftliche Katastrophe

Einige Friseure auf der Insel reagieren mit Sonderangeboten und schneiden Interessierten kostenlos die Haare. So entsteht in der Bevölkerung ein Gefühl von Zusammenhalt – und zumindest können sie so der Katastrophe, der sie ansonsten machtlos gegenüber stehen, etwas entgegensetzen. Wie effektiv die Methode ist, wird sich noch zeigen müssen. 

Während Einsatzkräfte und Tausende freiwillige Helfer in einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen, das Öl zu entfernen, nennt die Regierung es schon jetzt das schlimmste ökologische Desaster, das Mauritius je erlebt hat. Der kleine Inselstaat im Indischen Ozean lebt vom Tourismus. Der Sektor machte 2017 dem Tourismusministerium zufolge acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts und zehn Prozent der Beschäftigung aus. Bereits jetzt leidet das Land schwer unter der Corona-Krise. Die Angst ist groß, dass diese Ölkatastrophe Touristen langfristig abschrecken wird – auch wenn internationale Urlauber wieder werden einreisen dürfen.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung" / Joanna Berenger auf Facebook / "Independent"

epp / mit DPA und AFP

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