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Ölpest im Golf von Mexiko: Tropensturm "Alex" sorgt für Wirbel

Die Sorge ist groß, dabei ist vieles noch unklar: Der Tropensturm "Alex" könnte das Gebiet der Ölpest im Golf von Mexiko erreichen, die Ölkonzerne räumten bereits ihre Bohrinseln. Für den Moment gibt es Entwarnung - die Gefahr, dass der Wind sich dreht, ist jedoch immer noch gegeben.

Mit Sorge blicken die Rettungskräfte im Golf von Mexiko auf Tropensturm "Alex". Den Vorhersagen zufolge sollte "Alex" von Mexiko kommend zwar nicht direkt Kurs auf das Bohrleck nehmen. Meteorologen verwiesen jedoch darauf, dass sich dies noch ändern könnte. Sollte "Alex" tatsächlich über den Ort der Ölkatastrophe ziehen, könnte das den Reparaturarbeiten einen herben Rückschlag versetzen.

Admiral Thad Allen von der Küstenwache erklärte, sollten Böen Geschwindigkeiten von mehr als 74 Kilometer pro Stunde erreichen, würden die Arbeiten an dem defekten Bohrloch eingestellt. "Wir alle wissen, dass das Wetter unberechenbar ist, und es könnte zu Veränderungen in letzter Minute kommen", sagte er. Die Sicherheit der Menschen sei aber das allerwichtigste.

Bestehende Plattformen werden evakuiert

Angesichts des drohenden Tropensturms haben die Öl-Konzerne BP und Shell mit der Räumung ihrer Bohrplattformen im Golf von Mexiko begonnen. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders CNN holte Shell rund 300 Arbeiter von den Plattformen. Ähnliche Vorkehrungen traf auch BP. Diese Schutzmaßnahmen vor dem Sturm würden die Anstrengungen des Konzerns bei der Bekämpfung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko nicht beeinträchtigen, sagte BP-Sprecher Neil Chapman dem Sender.

Im Katastrophengebiet sind Dutzende Schiffe im Einsatz, darunter solche, von denen zwei Ersatzbohrungen vorangetrieben werden, die bis Mitte August fertiggestellt sein sollen. Diese Bohrungen gelten als beste Möglichkeit, das Leck zu schließen. Ein Sprecher der Küstenwache sagte, sollte ein Sturm BP dazu zwingen, das nötige Gerät in Sicherheit zu bringen, könnten sich die Reparaturarbeiten um bis zu zwei Wochen verzögern. In diesem Fall würden auch die Absaugtrichter, die täglich bis zu 4,5 Millionen Liter Öl auffangen, vorübergehend entfernt werden. Das Öl würde dann wieder vollständig ins Meer laufen.

Entlang der Golfküste sorgt man sich auch um die Ausleger, die Inseln und Festland vor dem Öl schützen sollen. Wind und Wellen können die mit Öl vollgesogenen Kunststoffblöcke tief in das Marschland treiben. Wenn die Richtung des Wirbelsturms feststeht, sollen Einsatzkräfte so viele Ausleger wie möglich einsammeln, auch wenn die Behörden einräumen, dass sie wohl nicht alle rechtzeitig erreichen können.

Was macht der Sturm mit dem Öl?

Wie sich ein Sturm auf das im Wasser treibende Öl auswirken würde, ist nicht klar. Es gibt Befürchtungen, der Wind könne das Öl weiter ins Inland tragen. Andere Experten erklärten dagegen, ein Sturm könne den Zerfall des Öls beschleunigen. In jedem Fall ist "Alex" wohl erst der Anfang, denn Meteorologen erwarten eine rege Hurrikan-Saison mit schweren Stürmen. Zunächst traf "Alex" am Samstag in Belize auf die Küste und brachte Regen und hohe Brandung. Auch in Guatemala und Mexiko waren die Auswirkungen zu spüren.

Ersatzbohrungen verlaufen laut BP nach Plan

BP erklärte am Freitag, die Ersatzbohrungen durch vier Kilometer Gestein verliefen nach Plan, wie ein Test ergeben habe. "Die Übersetzung für Laien ist: Wir sind da, wo wir gedacht haben zu sein", erklärte BP-Sprecher Bill Salvin. Dennoch stürzte die BP-Aktie am Freitag um sechs Prozent auf ein 14-Jahres-Tief ab. Der Energiekonzern hatte zuvor seine bisherigen Ausgaben im Zusammenhang mit der Ölbohrkatastrophe auf 2,35 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) beziffert. BP-Aktien waren am Tag der Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" 60 Dollar wert, inzwischen kosten sie noch etwa die Hälfte.

Das US-Justizministerium forderte unterdessen am Freitag vor einem Berufungsgericht, die Aufhebung des sechsmonatigen Verbots von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko zu verzögern. Zuvor hatte ein Richter das Verbot der US-Regierung für unrechtmäßig erklärt. Die Einstellung der Bohrungen in tiefen Gewässern sei entscheidend, um die Gesundheit der Menschen und die Natur zu schützen, argumentierten die Juristen des Ministeriums. Mit einer Menschenkette auf einem ölverseuchten Strand protestierten am Samstag Hunderte US-Bürger gegen die Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko.

san/AP/DPA / AP / DPA