Rotes Meer Schreckliches Fährunglück


Im Roten Meer ist die ägyptische Fähre "Al Salam Boccaccio 98" mit mindestens 1300 Passagieren an Bord gesunken. Trotz fieberhafter Suche fehlt von dem Schiffswrack noch immer jede Spur. Bisher wurden Dutzende Leichen geborgen, aber auch einige Überlebende.

Offenbar wurden bei dem Unglück hunderte Menschen getötet. Zur genauen Zahl der Todesopfer gibt es aber keine konkreten Angaben, da es selbst Freitag Abend noch immer keine Spur vom Wrack gab. Ein Sprecher der Hafenbehörde im ägyptischen Safaga erklärte, einige Passagiere hätten das Unglück überlebt. Abends bestätigte General Mahfus Taha, Direktor der zuständigen Hafenbehörde, gegenüber der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena, dass bislang 122 Menschen gerettet worden seien. Sie wurden laut Taha vom gekenterten Schiff geholt. In der ZDF-Nachrichtensendung "heute" wurden ägyptische Beamte zitiert, wonach 100 Menschen von Hubschraubern in Rettungsbooten gesichtet worden seien. Wegen der hereingebrochenen Dunkelheit wären aber die Bergungsarbeiten ins Stocken geraten.

Erkundungsflugzeuge haben vor der Küste treibende Leichen gesichtet. Außerdem wurden schon Dutzende Tote geborgen. Die meisten Überlebenden sind in den Hafen Safaga gebracht worden, dem Zielort des Schiffes. Andere befinden sich noch an Bord der Rettungsschiffe. Verkehrsminister Mohamed Lutfi Mansur sagte, die Kriegsmarine habe vier Schiffe an den Unglücksort entsandt. Nach offiziellen ägyptischen Angaben befanden sich 1414 Menschen an Bord der Fähre: 1200 ägyptische Passagiere, 118 Passagiere anderer arabischer Nationalitäten sowie 96 Mann Besatzung.

Schiffe um Hilfe angefunkt

Das Schiff war vom saudiarabischen Hafen Dschidda zur ägyptischen Stadt Safaga unterwegs gewesen und sank nach offiziellen Angaben rund 57 Seemeilen (105 Kilometer) von dem Badeort Hurghada entfernt. Sie hatte den saudiarabischen Hafen Dhiba am Donnerstagabend verlassen und hätte am Freitag um 2.30 Uhr Ortszeit in Safaga eintreffen sollen.

Weshalb das Schiff sank, war zunächst unklar. Behördenvertreter vor Ort sprachen von einem kräftigen Wind und Wellen von bis zu zehn Meter Höhe in der Nacht zum Freitag. Einen letzten Funkkontakt soll es am Donnerstagabend um 21.00 Uhr gegeben haben. Ein Notruf sei von keiner Küstenstation aufgefangen worden, sagte Adel Schukri von der Kairoer Al-Salam Maritime Transport Company, der das Schiff gehört. Verwirrung gab es auch um den Schiffsnamen. Nach Angaben der Gesellschaft handelt es sich um die "Al Salam Boccaccio 98" . In früheren Berichten war von der "Al Salam 89" die Rede.

Der Gouverneur der Provinz Rotes Meer, Bakr al-Raschidi, sagte der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena, die Schifffahrtbehörde habe bereits alle Schiffe, die in diesem Teil des Roten Meeres unterwegs sind, angefunkt, um sie um Hilfe zu bitten.

Hauptsächlich Ägypter an Bord

An Bord der Unglücksfähre waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen hauptsächlich Ägypter sowie einige Araber aus anderen Staaten. Die Fähren, die zwischen Saudi-Arabien und Ägypten verkehren, sind für viele ägyptische Arbeiter der billigste Weg, um zu ihren Arbeitsplätzen in den reichen Golfstaaten zu gelangen oder um die islamische Pilgerfahrt nach Mekka zu absolvieren. Das Auswärtige Amt in Berlin hat noch keine Erkenntnisse, ob Deutsche betroffen sein könnten. Die deutsche Botschaft in Kairo und die Außenstelle in Dschiddah stünden in Kontakt mit den ägyptischen und saudi-arabischen Behörden, um zweifelsfrei zu klären, ob deutsche Staatsgehörige an Bord der Fähre gewesen seien, sagte ein Sprecher.

Im Hafen von Safaga drängten sich Tausende von Angehörigen der vermissten Passagiere und warteten auf Neuigkeiten über das Schicksal ihrer Lieben. Viele von ihnen waren schon nach Safaga gereist, bevor bekannt wurde, dass das Schiff gesunken ist. Sie hatten ihre Verwandten im Hafen empfangen wollen. Doch die Freude über die geplante Heimkehr der Reisenden wich bangem Warten und Entsetzen, als die ersten Meldungen der Tragödie bekannt wurden.

Die Unglücksfähre "Al Salam Boccaccio 98" ist eine von 15 Fähren der ägyptischen Reederei Al-Salam Maritime. Sie operieren vor allem im Roten Meer und im Mittelmeer. Das Schiff hat eine Größe von mehr als 11.000 Tonnen, ist 118 Meter lang und bis zu 17 Knoten (31,5 Stundenkilometer) schnell. An Bord ist Platz für nahezu 1500 Passagiere und mehrere Dutzend Autos. Eine über 100-köpfige Besatzung betreut die Reisenden. Die Fähre wurde 1970 in Italien gebaut und fährt unter der Flagge von Panama. Vor einigen Monaten ist ein Schwesterschiff der "Boccaccio 98", die "Al Salam 95", im Roten Meer gesunken. Dabei ertranken zwei Menschen.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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