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Nach 60 Jahren gefunden: Die unglaubliche Reise eines Schiffchens aus der Cornflakes-Packung von 1958 bis heute

Es ist schier unglaublich. Ein Plastikschiffchen aus einer Frühstücksflocken-Packung wird in der Arktis entdeckt - nach 60 Jahren. Der wundersame Fund belegt auch, wie groß das Problem des Plastikmülls in den Meeren ist. 

In einer 60 Jahre alten Vorgängerpackung der "Sugar Puffs" wurde ein Plastikschiff dazugegeben - es landete über Umwege im Meer

In einer 60 Jahre alten Vorgängerpackung der "Sugar Puffs" wurde ein Plastikschiff dazugegeben - es landete über Umwege im Meer

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Die "RMS Mauretania" war Mitte des 20. Jahrhunderts eines der größten Passagierschiffe der Welt. Grund genug für einen Hersteller britischer Frühstückscerealien, ein kleines Plastikmodell des Ozeanriesens als kostenlose Dreingabe in die Packungen zu geben. Zwei von Modellen berühmter Passagierschiffe legte die Firma "Quaker" auf und versteckte sie mit dem Slogan "Ahoy! A Free Toy!" zwischen den Frühstücksflocken. Sehr zur Freude vor allem für Kinder, die die Modelle sammelten und damit spielten.

Irgendwann im Jahr 1958, als die Schiffchen den Packungen beigelegt wurden, muss ein Modell der "RMS Mauretania" beim Spielen verloren gegangen sein. Es war der Beginn einer schier unglaublichen, Jahrzehnte währenden Reise übers Meer, über Tausende von Kilometern. Das Plastikschiffchen aus der Frühstücksflocken-Packung war dabei viel länger unterwegs als es die echte "Mauretania" schaffte. Das Passagierschiff, das zweite von der britischen Reederei Cunard Line gebaute dieses Namens, wurde nach 26 Jahren auf See 1965 außer Dienst gestellt und abgewrackt.

Plastikmüll

Raus aus der Packung von 1958 und wieder zurück

Zu diesem Zeitpunkt war die Mini-Mauretania schon sieben Jahre unterwegs. Experten für Meeresströmung glauben, dass es irgendwo bei Bristol verloren ging, durch Regen in die Kanalisation gespült wurde und schließlich in die Nordsee gelangte. Dort muss es von massiven Wellen immer weiter nach Norden getrieben worden sein, vorbei an der norwegischen Küste, mehr als 3000 Kilometer immer weiter Richtung bis es nach etwa drei Jahren auf Land getroffen sein könnte. Genauer gesagt wurde das Schiffchen an den Strand der Jan-Mayen-Insel gespült, einem gottverlassenen, eisig kalten, zu Norwegen gehörenden Eiland knapp 600 Kilometer nordöstlich von Island gelegen.

Ein Gemälde der "echten" RMS Mauretania

Ein Gemälde der "echten" RMS Mauretania

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Dort muss es Jahrzehnte lang gelegen haben, ehe es der niederländische Wissenschaftler Eelco Leemans fand. "Da war jede Menge Plastik am Strand", berichtet der 59-Jährige "Mail online" über den Zustand des Strands der Arktis-Insel, "aber meine Augen blieben an diesem kleinen weißen Ding hängen und ich dachte: 'Oh, unglaublich, ein Schiffsmodell, wie zur Hölle ist das hierher gekommen?" Leemans selbst befand sich auf Jan Mayen, da er seit Jahren den Weg des Plastikmülls über die Meere erforscht. Seine kleine Trophäe brachte er mit nach Hause, wo seine Tochter Zita, 21, mithilfe noch lesbarer Informationen auf dem Boden des Schiffchens und des Internets den Kreis schließen konnte - zurück in die Frühstücksflocken-Packung von Quaker aus 1950ern.

Alles andere als nur ein nette Geschichte

Die niedliche kleine Geschichte hat für die niederländischen Plastikmüll-Forscher einen ernsten Hintergrund. "Möglicherweise ist dieses kleine - weggeworfen von einem Kind beim Spielen im Garten und durch den Regen in den Gully gespült - eines der ersten Stücke Plastik, die die Arktis erreicht haben", spekuliert Wouter Jan Strietman vom Economic Research Center im niederländischen Wageningen auf "Mail online". "Das macht es zu einem sehr wichtigen Symbol, weil es zeigt, wie lange Kunststoff in der Umwelt erhalten bleibt. Dass das Schiffchen in diesem Zustand gefunden wurde, zeigt, dass, wenn Plastik die Arktis erreicht, es für eine sehr lange Zeit dort bleiben kann - so dass es noch dringender wird, etwas dagegen zu unternehmen."

Zehntausende Tonnen Plastik wurden aus Nordeuropa und Russland in die Arktis geschwemmt, so Strietman. Die kleine "Mauretania" sei also im wahrsten Sinne des Wortes nur die Spitze eines Eisbergs. So ist die Geschichte der Mini-"Mauretania" nicht nur die Geschichte einer unglaublichen Reise, sondern auch ein Besorgnis erregendes Beispiel für die Verschmutzung der Meere und der Umwelt.

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dho
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