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Kommentar

Replik auf Kritik an Polizeieinsatz: Schulschwänzen vor den Ferien ist asozial und schadet den Kindern

An bayerischen Flughäfen hat die Polizei vor den Pfingstferien Familien kontrolliert, um Schulschwänzer zu identifizieren. "Eine Frechheit", nannte meine Kollegin Sarah Stendel die Aktion. Da muss ich vehement widersprechen.

Flughafen Kontrolle Schulschwänzen

"Schikane". "Absurd". "Hat die Polizei nichts Besseres zu tun?": Nach dem Polizeieinsatz gegen Schulschwänzer zu Beginn der Pfingstferien in Bayern ließ die Kritik nicht lange auf sich warten. Der Bundeselternrat nannte die Überprüfung von Familien an Flughäfen "übertrieben", die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft "eine zu starke Reaktion". Auch meine Kollegin Sarah Stendel kommentierte das Vorgehen der Beamten, sprach von einer "Frechheit" und forderte: "Lasst die Schüler in den Urlaub fahren".

Recht hat sie. Lasst die Schüler in den Urlaub fahren - aber nur in den Ferien! Wer die unterrichtsfreie Zeit seiner Kinder wegen billigerer Flugtickets oder aus Angst vor Staus eigenmächtig um ein oder zwei Tage verlängert, muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden, denn er handelt asozial und verletzt seine elterliche Fürsorgepflicht.

Schulschwänzen schwächt die Autorität der Lehrer

Asozial ist ein starkes Wort. Es bedeutet: "sich nicht in die Gemeinschaft einfügend", "die Gesellschaft schädigend". Aber genau das müssen sich Eltern vorwerfen lassen, die ihre Kinder wegen der familiären Urlaubspläne zum Schulschwänzen zwingen. Sie schwächen mit ihrem Verhalten die Autorität der Lehrer und der Schule, relativieren die Bedeutung von Bildung und leben ihren Kindern vor, dass man staatliche Vorschriften ruhig mal ignorieren darf, wenn sie einem nicht in den Kram passen. Und denen, die noch in den Unterricht gehen, während ihre Klassenkameraden schon am Strand spielen, sagen sie: Ihr seid die Dummen.

Eltern erwarten zu Recht von Lehrern, dass sie ihre Klassen im Griff haben. Wie aber sollen Lehrer gegenüber ihren Schülern Regeln durchsetzen, wenn deren Mütter und Väter selbst die Schulregeln ignorieren? In einem Land, in dem der Respekt nicht nur gegenüber Lehrern, sondern auch gegenüber Polizisten, Rettungssanitätern und Behördenmitarbeitern immer mehr erodiert, ist das ein gesellschaftsschädigendes Signal.

Und auch ein kinderschädigendes: Wenn Schülern vermittelt wird, dass sie auf den Unterricht bei Bedarf auch verzichten können, kann man ihnen auf der anderen Seite nur schwer verständlich machen, wie wichtig Bildung für ihr späteres Leben ist. Und wenn der Nachwuchs von Mama und Papa lernt, dass er es mit der Schulpflicht nicht so genau nehmen muss, wie genau wird er es dann später mit den Pflichten im Ausbildungs- und Berufsleben nehmen?

Die Schule wird nicht aus Geldnot geschwänzt

Aber was ist dann mit dem Urlaub? Reisen bildet schließlich auch, argumentieren Kritiker der bayerischen Polizeiaktion. Und wegen der Preisanstiege in der Hauptsaison hätten die meisten Familien gar keine andere Wahl als zu schwänzen oder zu Hause zu bleiben. Das darf jedoch stark bezweifelt werden. "Schulschwänzen kommt gerade in Familien häufiger vor, die es aus finanziellen Gründen gar nicht nötig hätten, die Kernurlaubszeiten zu meiden", sagte der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, der "Welt". "Es ist mehr ein Wohlstandsphänomen".

Und die Polizei? Hätte die nichts Wichtigeres zu tun, als Schulschwänzern aufzulauern? Ja, die Polizei hätte immer Wichtigeres zu tun. Statt den Falschparker aufzuschreiben, könnte sie auch den Autodieb jagen. Statt den Kokser zu kontrollieren, könnte sie auch gegen den Crack-Dealer ermitteln, statt den Schläger festzunehmen, könnte sie auch nach dem Mörder fahnden. In der Regel macht sie aber beides. Und das ist auch richtig so. Denn wenn schon im Kleinen nicht auf die Einhaltung von Gesetzen geachtet wird, werden diese im Großen umso leichter gebrochen.

Und zum Schluss noch ein Plädoyer für die letzten Schultage vor den Sommerferien: Erinnern Sie sich noch? Alle Arbeiten waren geschrieben, es gab keine Hausaufgaben mehr, statt Unterricht nach Lehrplan wurden Ausflüge gemacht. In der Luft lag diese besondere Stimmung, die aufgeregte Erwartung von sechs unendlichen Wochen schulfrei. Es kribbelte richtig im Bauch. Bringen Sie Ihr Kind nicht um diese schönste Zeit im Schuljahr!