HOME

Schweinegrippe-Epidemie: Schon mehr als 100 Tote in Mexiko

Die Schweinegrippe breitet sich weiter aus. In Mexiko ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 100 angestiegen. In den USA riefen die Behörden, ähnlich wie bei heranziehenden Hurrikans, den Notstand aus. Gesundheitsexperten erwarten, dass der Erreger auch Deutschland erreicht.

Die Zahl der Grippetoten in Mexiko ist auf 103 gestiegen. Dies sagte Gesundheitsminister José Ángel Córdova am Sonntagabend (Ortszeit) im mexikanischen Fernsehen. Wie viele der Opfer durch den mutierten Schweinevirus H1N1 infiziert waren, teilte Córdova nicht mit. Bisher war der Virus bei 20 der Todesfälle nachgewiesen worden. Der Minister berichtete zudem, dass im ganzen Land 1614 Grippekranke in Hospitälern behandelt werden. Über 60 Prozent der Patienten seien auf dem Weg der Besserung. Die Weltbank sagte Mexiko Hilfskredite in Höhe von 205 Millionen Dollar zu.

Weltweit verschärften die Staaten die Maßnahmen gegen die Schweinegrippe, die nach der Mutation des Erregers auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Die USA riefen am Sonntag den Gesundheitsnotstand aus. Ähnlich wie etwa bei heranziehenden Hurrikans bedeutet die Notstandserklärung, dass zusätzliche Bundesmittel für Vorsorgemaßnahmen bereitgestellt werden. Im Fall der Schweinegrippe werden damit beispielsweise staatliche Lagerbestände an Antiviren-Medikamenten zur möglichen Verteilung vorbereitet, wie Heimatschutzministerin Janet Napolitano auf einer Pressekonferenz des Weißen Hauses erläuterte.

Die USA kündigten zudem an, alle aus infizierten Gebieten kommenden Reisenden zu überprüfen. Präsident Barack Obama habe ein "aggressives und koordiniertes Vorgehen" angeordnet, hieß es aus dem Weißen Haus.

"Es gibt Pläne für den Fall der Fälle"

Auch in Deutschland wird sich das Schweinegrippe-Virus nach Experten-Ansicht bald ausbreiten. Davon könne ausgegangen werden, sagte der Virologe Michael Pfleiderer vom Paul-Ehrlich-Institut im Bayerischen Rundfunk. Pfleiderer warnte aber zugleich vor Panikmache. Zwar habe man es mit einer weltweiten gesundheitlichen Bedrohungslage zu tun. "Das heißt aber nicht, dass wir das Ganze in dunkeln bis schwarzen Farben malen sollen." Die Gesundheitsbehörden seien gut vorbereitet.

Auch das Robert-Koch-Institut hält es für denkbar, dass der Erreger bis nach Deutschland kommt. Aber "wir sind gut vorbereitet. Es gibt Pläne für den Fall der Fälle", sagte RKI-Präsident Jörg Hacker der "Neuen Presse". So liege ein Nationaler Pandemieplan von Bund und Ländern vor, auf dessen Grundlage angemessen auf einen Sprung der Schweinegrippe von Mexiko nach Deutschland reagiert werden könne. Ähnlich äußerte sich der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter. Man müsse zwar das Geschehen genau beobachten, "aber Panik ist immer die falsche Reaktion", sagte Mettenleiter der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Derzeit reichten übliche hygienische Grundregeln als Schutz aus. Der Verzehr von Schweinefleisch sei "kein Problem".

RKI-Präsident Hacker betonte, es sei noch nicht klar, ob die herkömmliche Grippe-Impfung gegen den Erreger helfe. "Aber die gute Nachricht ist: Nach allen Informationen, die uns vorliegen, helfen Arzneimittel, mit der auch die normale saisonale Grippe behandelt wird."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einem Gesundheitsnotfall internationalen Ausmaßes. Sie zeigte sich aber auch davon überzeugt, dass die Welt dieses Mal besser auf die drohende Epidemie vorbereitet sei als etwa bei der Vogelgrippe in Asien. In den USA gab es bis zum Sonntag 20 bestätigte Krankheitsfälle, davon acht Schüler eines Privatgymnasiums in New York - keiner der US-Patienten war bis dahin gestorben. In Kanada gab es sechs bestätigte Fälle.

Der Direktor der Gesundheitsbehörde CDC, Richard Besser, sagte am Sonntag bei einer Pressekonferenz, es würden in den USA weitere und dabei auch ernstere Erkrankungen erwartet. Bisher sind alle bestätigten Fälle in den USA glimpflich verlaufen, das heißt, alle Erkrankten sind genesen, während in Mexiko Menschen an der Schweinegrippe starben. "Wir werden ein breiteres Spektrum der Krankheit sehen", sagte Besser. "Die Krankheit wird sich weiter ausbreiten. Wir betrachten dies als einen Marathon."

Zahlreiche Länder vor allem in Lateinamerika trafen Vorbereitungen, um ein Einschleppen des Virus aus Mexiko und den USA zu verhindern. Mexikanische Behörden spürten mögliche Grippekranke in Wohnungen, auf Flughäfen und Bahnhöfen auf. Russland sprach eine Reisewarnung für Mexiko aus.

Präsident Felipe Calderón berichtete am Sonntag vor dem nationalen Gesundheitsrat, von 1386 Grippe kranken Patienten in Krankenhäusern sei bei 926 Entwarnung gegeben worden. 386 Menschen seien weiter unter Beobachtung in den Hospitälern. Er rief die Bundesstaaten auf, alle Fälle von Grippe zu melden. Speziallabore, die den mutierten Schweinevirus aufspüren können, seien ab Mitte der Woche in Mexiko verfügbar. Bisher müssen die Proben in den USA und Kanada analysiert werden.

In Mexikos Hauptstadt-Region sind seit Freitag alle Schulen geschlossen, Großveranstaltungen sind verboten. Fußballspiele werden ohne Publikum ausgetragen. Und auch die katholische Kirche hat die Pforten ihrer Kirchen für Sonntagsmessen schließen müssen. Die Regelungen gelten zunächst bis zum nächsten Wochenende.

DPA/AFP / DPA