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Selbstmordattentat in Pakistan: Taliban üben Vergeltung für toten Bin Laden

Zwei Attentäter der pakistanische Taliban sprengten sich in einem Ausbildungszentrum paramilitärischer Sicherheitskräfte in die Luft. Rund 140 Menschen wurden verletzt, viele schweben noch immer in Lebensgefahr. Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Anschläge.

Mit einem Doppelanschlag im Nordwesten Pakistans haben die Taliban nach eigener Darstellung erstmals den Tod von El-Kaida-Chef Osama bin Laden gerächt. In einem Ausbildungszentrum paramilitärischer Sicherheitskräfte in Shabqadar sprengten sich laut Polizei am Freitag zwei Selbstmordattentäter in die Luft, mindestens 80 Menschen starben. Die USA begannen indes dem Sender CNN zufolge mit der Befragung von Bin Ladens Witwen.

Die jungen Paramilitärs standen gerade in Zivilkleidung in Gruppen zusammen und beluden mehrere Busse, die sie für zehn Tage Urlaub nach Hause bringen sollten, als der erste Attentäter auf einem Motorrad angefahren kam und sich in die Luft sprengte. "Ich habe im Bus auf meine Kollegen gewartet, als jemand 'Gott ist groß' schrie", sagte der verletzte Ahmad Ali der Nachrichtenagentur AFP. Dann habe es eine Explosion gegeben. Als Polizisten und Rettungskräfte herbeigeeilt kamen, habe ein weiterer Attentäter auf einem Motorrad ein zweites Blutbad angerichtet.

"Ich habe Menschen in ihrem Blut liegen und sterben sehen", sagte Gul Momin, der bei der ersten Explosion verletzt wurde. "Überall lagen Leichen und Körperteile herum. Ich kann es kaum in Worte fassen." Rund 140 Menschen wurden nach Angaben der Polizei bei den Anschlägen verletzt, dutzende von ihnen schwebten am Freitag noch in Lebensgefahr. Es war der tödlichste Anschlag in Pakistan, seit im Juli 2010 bei einem Attentat ebenfalls im Nordwesten des Landes 105 Menschen starben. Shabqadar liegt am Rand der unruhigen Stammesgebiete in der Grenzregion zu Afghanistan.

Die pakistanischen Taliban (TTP) bekannten sich zu den Anschlägen. "Das war die erste Rache für Osamas Märtyrertod", sagte Talibansprecher Ehsanullah Ehsan der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. "Macht euch auf größere Attacken in Pakistan und Afghanistan gefasst." Die mit El Kaida verbündeten Taliban hatten mit Vergeltung gedroht, nachdem US-Spezialkräfte Bin Laden vor elf Tagen im pakistanischen Abbottabad aufgespürt und getötet hatten. Sie werfen der pakistanischen Führung und ihren Sicherheitskräften vor, mit den USA bei der Tötung Bin Ladens zusammengearbeitet zu haben.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte den "grausamen und hinterhältigen Anschlag". Die Taten zeigten, dass die Terrorgefahr auch nach Bin Ladens Tod "nicht gebannt" sei.

Wie der US-Sender CNN am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf pakistanische und US-Regierungsquellen berichtete, wurden indes drei Witwen Bin Ladens befragt. Die in dem Anwesen in Abbottabad gefassten Frauen seien den US-Vertretern gegenüber "feindselig" eingestellt gewesen, hieß es. Die USA erhoffen sich von ihnen Informationen über El Kaida und die Rolle, die Bin Laden zuletzt spielte. Bei dem Verhör waren CNN zufolge auch Vertreter des pakistanischen Geheimdienstes ISI anwesend. Ein örtlicher Sicherheitsvertreter widersprach hingegen dem CNN-Bericht. In den vergangenen Tagen hatte es Streit zwischen Washington und Islamabad über die Erlaubnis der Verhöre gegeben.

Bei einem US-Drohnenangriff wurden am Freitag nach pakistanischen Angaben zudem drei mutmaßliche Islamisten im Nordwesten Pakistans getötet. Diese gezielten Angriffe auf in der Region versteckte Aufständische werden von Pakistan immer wieder kritisiert, da die Gefahr ziviler Opfer hoch ist.

AFP / AFP