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Spanien Geflüchteter rettet schon die zweite Person vor dem Ertrinken – Menschen fordern Aufenthaltserlaubnis für ihn

Der Nervión Fluss fließt durch Bilbao
Der Vorfall ereignete sich am Nervión Fluss, der durch Bilbao fließt (Bild von 2019)
© Rudolf Ernst / Zoonar / Picture Alliance
Mouhammad Diouf lebt seit vier Jahren in Spanien und rettete in dieser Zeit schon zwei Menschen vor dem Ertrinken, zuletzt am Sonntag einen 72-Jährigen in Bilbao. Jetzt fordern Menschen mit einer Petition seine Einbürgerung.

Mouhammad Diouf steht am Sonntagabend mit seinen Freunden am Nervión Fluss in Bilbao, als er einen alten Mann bemerkt, der sich scheinbar nicht gut fühlt. Der Mann versucht sich noch am Geländer einer Brücke festzuhalten, doch er wird ohnmächtig – und fällt von der Brücke ins Wasser. "Wir waren relativ weit weg, aber ich warf meinen Rucksack weg und rannte los", schildert der 27-jährige Diouf, der  aus dem Senegal stammt, der britischen Zeitung "The Guardian". Als Diouf in der Nähe des Mannes ankommt, schwimmt dieser im Wasser, mit dem Gesicht nach unten: "Er war in einer wirklich gefährlichen Situation. Ich habe gar nicht nachgedacht, ich bin einfach gesprungen".

Mouhammad Diouf rettet dem Mann das Leben. Mehrere Videos kursieren im Internet und zeigen den anstrengenden Kampf von Diouf im Flusswasser. Mehr als 15 Minuten schwimmt er, hält den Kopf des bewusstlosen Mannes über Wasser, wehrt sich gegen die Flussströmung. Umstehende filmen die Situation, versuchen ihm mit ermutigenden Rufen beizustehen, bis nach fast 20 Minuten andere Personen mit ins Wasser springen und helfen, den 72-jährigen Mann in ein Boot zu hieven, das endlich zu Hilfe kommt.

Erst im September zog Diouf ein Mädchen aus dem Wasser

Der 27-Jährige ist nun bereits ein zweifacher Lebensretter. Im September fiel ihm in den frühen Morgenstunden eine junge Frau auf, die ebenfalls ins Wasser gefallen war, erzählt er dem Guardian. Auch davon gibt es Videos. Dank einer Schwimmhilfe, die ihm die Polizei zugeworfen hatte, konnte er das Mädchen aus dem Wasser ziehen.

Jetzt fordern viele Spanier zusammen mit einer Organisation in einer Petition, dass Mouhammad Diouf dank seiner Taten auf Dauer legal im Land bleiben darf. Eine vergleichbare Forderung hatte im letzten Jahr schon einmal Erfolg, als ein Migrant aus dem Senegal einen Rollstuhlfahrer aus dem zweiten Stock eines brennenden Gebäudes rettete. Deshalb fordert die Organisation "Wolof For Women Who Love Senegal" in der Petition: "Es sollte nicht notwendig sein, das eigene Leben zu riskieren, um Papiere oder eine menschenwürdige und legale Lebensweise in unserem Land zu bekommen." Wolof ist die am weitesten verbreitete Sprache in Senegal. Stand Montag (28. Juni, 12 Uhr) haben 2500 Menschen unterzeichnet.

Mouhammad Diouf freut sich über das Engagement, doch sei eine langfristige Aufenthaltserlaubnis nicht der Grund für sein Eingreifen gewesen: "Falls es funktioniert, wäre das natürlich toll. Aber was ich getan habe, kam von Herzen, nicht aus einem anderen Grund."

Quellen:  Reuters / "The Guardian" / Change.org

mkb

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