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Taifun "Haiyan" auf den Philippinen: "Wir haben keine Zeit, die Leichen zu zählen"

Viele Gebiete sind noch von der Außenwelt abgeschnitten, doch langsam wird klar: Taifun "Haiyan" hat auf seinem Zug über die Philippinen mehr Menschen in den Tod gerissen als zunächst befürchtet.

Super-Taifun "Haiyan" hat eine Schneise der Zerstörung durch die Philippinen gezogen und dabei offenbar weit mehr als Tausend Menschenleben gefordert. Beim Durchzug des Sturmes könnten mindestens 1200 Menschen ums Leben gekommen sein, erklärte das Rote Kreuz am Samstag. Allein aus der besonders stark getroffenen Küstenstadt Tacloban würden mindestens 1000 Tote gemeldet. Aus der Provinz Samar meldete die Hilfsorganisation 200 Tote.

Niemand habe aber bislang die Leichen gezählt, betonte der Rotes-Kreuz-Chef Richard Gordon. Es handele sich um Schätzungen von Mitarbeitern vor Ort. "Es sind jede Menge Leichen, wir haben keine Zeit, sie zu zählen", sagte Gordon. "Wir kümmern uns um die Toten, wir wollen sicherstellen, dass sie schnell geborgen werden." Die philippinischen Behörden meldeten am Samstag offiziell 138 Todesopfer. Ein Sprecher räumte aber ein, dass die Zahl weitaus höher liegen dürfte.

Bisher konnten sich die Rettungsteams kaum einen Weg nach Tacloban bahnen. Fotografen und Helfer berichteten aus dem Krisengebiet, dass überall Leichen auf den Straßen liegen. Das Gesundheitsministerium hält nach Angaben eines Staatssekretärs schon Ausschau nach einem Standort für Massengräber.

"Haiyan" war mit Böen von mehr als 300 Kilometern pro Stunde über den Inselstaat in Südostasien hinweggezogen und ist damit einer der stärksten Taifune, die jemals auf Land trafen.

Mehr als zwölf Millionen Menschen in Gefahr

"Etwas von einer solchen Größenordnung habe ich das letzte Mal nach dem Tsunami im Indischen Ozean gesehen", sagte Sebastian Rhodes Stampa, UN-Chefkoordinator für Katastropheneinsätze. "Es handelt sich um ein enormes Ausmaß an Zerstörung." In Tacloban blockierten umgeknickte Strommasten und Bäume die Straßen, der Flughafen und zahlreiche Häuser wurden zerstört, Meerwasser bahnte sich seinen Weg durch die 200.000-Einwohner-Stadt knapp 600 Kilometer von der Hauptstadt Manila entfernt.

Der Taifun trieb rund eine Million Menschen in die Flucht, nachdem der philippinische Präsident Benigno Aquino die Bürger zum Verlassen der am stärksten gefährdeten Gebiete aufgefordert hatte. Akut in Gefahr waren den Behörden zufolge mehr als zwölf Millionen Menschen. "Haiyan" löste Überschwemmungen und Erdrutsche aus, zerstörte zahlreiche Gebäude und kappte Telefonleitungen.

"Haiyan" nimmt Kurs auf Vietnam

"Haiyan" nahm inzwischen Kurs auf Vietnam. Am Samstag verlor der Sturm mit seiner riesigen Ausdehnung etwas an Kraft, doch Meteorologen zufolge könnte er auf seinem dem Weg über das Südchinesische Meer wieder an Fahrt aufnehmen. In Vietnam wurden allein in zwei Provinzen fast 300.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der vietnamesische Regierungschef Ngyuen Tan Dung sagte angesichts der Schäden auf den Philipinen "komplizierte Entwicklungen" für seine Landsleute voraus. Vor allem in den zentralvietnamesischen Provinzen Danang und Quang Nai wurden Sicherheitsmaßnahmen angeordnet.

mad/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters