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Philippinen nach Taifun "Haiyan": Eine Brühe aus Fäkalien, Kadaver und Müll

Taifun "Haiyan" hat womöglich deutlich weniger Todesopfer gefordert als befürchtet. Doch für die Überlebenden wird die Lage immer verzweifelter. Die Hilfseinsätze sind ein Wettlauf gegen die Zeit.

Für Hunderttausende Taifun-Überlebende auf den Philippinen wird die Lage trotz der anlaufenden Hilfe immer dramatischer. Heftiger Dauerregen setzte am Dienstag weite Teile des Katastrophengebiets unter Wasser. In der verwüsteten Stadt Tacloban standen die Menschen teils knietief in einer durch Fäkalien, Kadaver und Müll verseuchten stinkenden Brühe. Auf dem schwer beschädigten Flughafen spielten sich Szenen wie aus einem Endzeit-Film ab. Überlebende versuchten, die Rollbahn zu stürmen. Soldaten drängten jedoch bei anhaltendem Regen die Verzweifelten - darunter viele Familien mit kleinen Kindern - ab, die versuchten, einen Platz auf den Hilfsflügen zu ergattern.

Die Behörden sprachen zwar von einer Stabilisierung der Lage in Tacloban. So würden inzwischen bis zu 50.000 Lebensmittelpakete pro Tag verteilt. Viele Plätze sind aber weiter mit Leichen übersät. Die Verwaltung in der einmal 200.000 Einwohner zählenden Stadt liegt danieder. Nur 20 der 293 Polizisten der Stadt erschienen zur Arbeit. Die Armee schickte Soldaten, um Plünderer zu stoppen.

Seit Tagen ohne Lebensmittel und Wasser

Auch in den anderen Teilen des Katastrophengebietes ist die Lage weiter unübersichtlich. Hunderte Städte und Dörfer lägen in der Schneise der Verwüstung des Taifuns, sagte die Hilfskoordinatorin Natasha Reyes von Ärzte ohne Grenzen. "Niemand weiß, wie es in diesen ländlichen und entlegenen Gebieten aussieht, und es wird noch einige Zeit dauern, bis wir das volle Ausmaß kennen."

In den am schwersten betroffenen Landstrichen warten immer noch Tausende Menschen auf Hilfe. Seit Tagen müssen sie ohne Lebensmittel, Wasser und medizinische Versorgung auskommen. Neue Regenfälle erschweren zusätzlich die Lage. Zahlreiche Straßen und Brücken sind zerstört oder blockiert. Es fehlt zudem an Gerät und Fahrzeugen, um die aus aller Welt eintreffenden Hilfsgüter in die Katastrophengebiete bringen zu können.

"Wir fahren so schnell wir können"

Angesichts der verzweifelten Lage der Menschen in den von der Außenwelt abgeschnittenen Gebieten werden die Rettungs- und Hilfseinsätze immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Die USA entsandten den Flugzeugträger "George Washington" und vier weitere Schiffe. Die "George Washington" mit rund 5000 Marinesoldaten und mehr als 80 Flugzeugen an Bord nahm von Hongkong aus Kurs auf den Inselstaat. Das Schiff könnte von dem Taifun zerstörte Flughäfen teilweise ersetzen und hat eine große Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser an Bord. "Wir fahren so schnell wir können", sagte ein Offizier des Marine-Konvois. Das Wetter sei aber sehr schlecht. Hohe Wellen und starker Wind bremsten das Tempo. In zwei bis drei Tagen könnten die Schiffe vor Ort sein.

Auch Großbritannien schickte ein Schiff der Marine und ein Transportflugzeug. Deutschland stockte seine Hilfe um eine Million Euro auf. THW-Experten bereiteten den Einsatz zweier Trinkwasseraufbereitungsanlagen vor. Zahlreiche Hilfsorganisationen sind im Einsatz, auch um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern.

Präsident korrigiert Zahl der Toten nach unten

Die Zahl der Todesopfer ist unterdessen weiter unklar. Präsident Benigno Aquino sprach in einem CNN-Interview von 2000 bis 2500 Opfern. Zwar sei noch mit weiteren Toten zu rechnen. Die ursprünglich von den Behörden genannte Schätzung von 10.000 Opfern sei aber wegen des emotionalen Ausnahmezustands zu hoch gewesen. Die Katastrophenschutzbehörde NDRRMC zählte bislang offiziell 1798 Tote. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben etwa 660.000 Menschen ihre Häuser verloren oder sind vor den bis weit ins Landesinnere vorgedrungenen Wassermassen geflohen.

"Haiyan" war am Freitag mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 380 Kilometern pro Stunde über die Philippinen gepeitscht. Er gilt damit als der schwerste Taifun, der jemals auf Land traf. Auch am Dienstag waren noch weite Landstriche unzugänglich, so dass es weiter keinen Überblick über das ganze Ausmaß der Katastrophe gab. Wegen der schweren Zerstörungen kamen die Hilfsgüter nur langsam bei den Überlebenden an.

Hilfsorganisationen rufen zu Spenden auf. Die Konten:

Aktion Deutschland Hilft Stichwort: Taifun Haiyan Spendenkonto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 Onlinespenden: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de

DRK Konto 414141, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 Onlinespenden: www.drk.de

Caritas international Stichwort: Nothilfe Taifun Spendenkonto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00

Malteser Hilfsdienst e. V. Stichwort: Taifun Konto 120 120 001 2, BLZ 370 601 20, Pax-Bank Onlinespenden: www.malteser-spenden.de

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Stichwort: Taifun Haiyan Spendenkonto 8888, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 Online: www.johanniter-helfen.de

Medico bittet für SOS um Spenden Stichwort: Philippinen Kontonummer 1800, Frankfurter Sparkasse, BLZ 500 502 01

Help - Hilfe zur Selbsthilfe Stichwort: Taifun Haiyan Spendenkonto 2 4000 3000, Commerzbank Bonn, BLZ 370 800 40 Onlinespenden unter: www.help-ev.de

I.S.A.R. Germany Konto 118 25 00, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 Onlinespenden: www.isar-germany.de

Diakonie Katastrophenhilfe Stichwort: Philippinen Konto 502 502, Ev. Darlehensgenossenschaft, BLZ 210 602 37

Plan International Deutschland e.V. Stichwort: Taifun Haiyan Konto 9444 933, BLZ 251 205 10

World Vision Deutschland Stichwort: Taifun Konto 66601, Postbank Frankfurt, BLZ 500 100 60

Bündnis Entwicklung Hilft Stichwort: Taifun Konto 5151, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00

mad/Reuters/DPA / DPA / Reuters