Transrapidunglück Fragliches Sicherheitskonzept


In München behaupten Kritiker der Magnetschwebebahn, auch bei ihrem Projekt habe es Sicherheitsmängel gegeben. Unterdessen wurde bekannt, dass eine Verbesserung des Sicherheitskonzepts in Lathen vor zwei Jahren abgelehnt wurde.

Die Stadt München hat bereits mehr als ein Jahr vor dem Transrapid-Unglück im Emsland "schwerwiegende Sicherheitsmängel" beim Münchner Projekt gerügt. Im Rahmen eines Anhörungsverfahrens zur geplanten Trasse zwischen Hauptbahnhof und Flughafen habe der Stadtrat im Mai 2005 seine Sicherheitsbedenken deutlich gemacht, sagte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Dienstag. Die Experten der Stadt seien bislang offenbar die einzigen gewesen, die sich ernsthaft mit der Sicherheit des Projektes beschäftigt hätten. Die Deutsche Magnetbahn GmbH arbeite dem Vernehmen nach erst seit wenigen Wochen an einem Sicherheitskonzept.

Mankos auf der Trasse

Der Widerstand der Stadt habe sich in der Vergangenheit zwar vor allem auf finanzielle, verkehrliche und ökologische Argumente gestützt. "Die Stadt hat sehr wohl aber auch Sicherheitsbedenken vorgetragen, die jetzt nicht mehr einfach vom Tisch gewischt werden können", sagte Ude. In seinem Beschluss vom Mai 2005 hatte der Stadtrat moniert, es gebe in den Planfeststellungsunterlagen zum Transrapid-Projekt "weder ein eigenes Brandschutz- noch ein Sicherheitskonzept für den Trassenverlauf".

Als "sachlich falsch und irreführend" wies der bayerische Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) die Ausführungen Udes zurück. Es sei bereits ein umfassendes Sicherheitskonzept erstellt worden, das dem Eisenbahnbundesamt zur Prüfung vorliege. "Oberbürgermeister Ude sollte sich erst über die Tatsachen informieren, bevor er mit unzutreffenden Behauptungen billige Polemik gegen den Transrapid betreibt", sagte Huber. Der Minister hatte in den vergangenen Tagen immer wieder betont, ein Unfall wie im Emsland könne auf der Münchner Trasse nicht passieren.

Lathen kann sich nicht wiederholen

Der TÜV pflichtete dieser Aussage nun bei. "Ein Unfall wie in Lathen ist auf der Transrapid-Neubaustrecke in München praktisch ausgeschlossen", sagte Klaus Bosch von der TÜV SÜD Rail GmbH. Bahn- Experten hätten das Sicherheitskonzept für die Magnetschwebebahn überprüft und seien zu einem positiven Ergebnis gekommen. Entgegen der Teststrecke in Lathen entspreche das Konzept für den bayerischen Transrapid den aktuell anerkannten Regeln der Technik. Unfälle auf Grund menschlichen Versagens seien weitgehend ausgeschlossen. "Für den Betrieb in München ist ein viel höherer Automatisierungsgrad als in Lathen vorgesehen", erklärte Bosch.

Vier Tage nach dem verheerenden Transrapid- Unglück im Emsland mit 23 Toten verdichten sich allerdings die Hinweise auf mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen auf der Teststrecke. Nach Angaben des Chefs der Betreibergesellschaft IABG, Rudolf Schwarz, wurde bewusst auf zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen verzichtet. Mitarbeiter der Versuchsanlage hätten "vor ein bis zwei Jahren" vergeblich den Wunsch geäußert, auch das Sicherheitskonzept für Sonderfahrzeuge wie Werkstattwagen auf technische Standards umzustellen. Bisher lag die Sicherheit letztlich in "Personalverantwortung", sagte Schwarz.

Betreibern drohen Schadensersatzforderungen

Den Betreibern droht deswegen auch eine juristische Auseinandersetzung um Entschädigungen für die Opfer der Katastrophe. Es sei unklar, warum auf der Strecke heute mögliche Sicherheitsvorkehrungen nicht eingesetzt wurden, sagte Rechtsanwalt Walter Bergmann von der Berliner Kanzlei Simon und Partner am Dienstag. Die Kanzlei vertritt nach eigenen Angaben mehrere Geschädigte des Unglücks. Die Kanzlei will parallel zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eigene Untersuchungen anstrengen. Auch Experten des Eisenbahnbundesamtes prüfen derzeit das Sicherheitskonzept auf der Anlage in Lathen.

DPA DPA

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