VG-Wort Pixel

Kritik an Autopilot Kraftfahrtbundesamt zweifelt an Sicherheitskonzept von Tesla – "Die Straße ist kein Experimentierfeld"

Ein Mann sitzt am Steuer eines Tesla Model S.
Ein Mann bedient den Autopiloten in einem Tesla Model S. Das Kraftfahrtbundesamt zweifelt an dem Sicherheitskonzept der Fahrzeuge.
© Sven Hoppe / Picture Alliance
Das Kraftfahrtbundesamt hat große Zweifel am Sicherheitskonzept der Tesla-Autos. Es wirft dem Unternehmen um CEO Elon Musk mangelnde Sicherheit sowie nicht ausreichenden Datenschutz vor. Behördenpräsident Richard Damm kritisiert den US-Autobauer.

Tesla steht wegen seines Autopiloten immer wieder in der Kritik. Denn es hat mit eingeschaltetem Fahrasisstenzsystem bereits dutzende Unfälle – zum Teil sogar mit tödlichem Ausgang – gegeben. Tesla reagiert darauf zurückhaltend.

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) beschäftigt sich schon länger mit den Tesla-Fahrzeugen in Deutschland. Inzwischen gibt es Bedenken seitens der Behörde in Flensburg. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, ermahnt es den US-Autobauer nun zur besseren Zusammenarbeit und zu einem risikoaverseren Sicherheitskonzept.

Demnach würde Tesla bestimmte Funktionen nur freischalten, wenn "Fahrzeugführende ein bestimmtes Scoring, also eine gewisse Punktzahl in Abhängigkeit von ihrem Fahrkönnen erreichen". Das sei "nicht der richtige Weg", sagte Behördenpräsident Richard Damm dem Blatt.

"Für uns gilt: ein Fahrzeug beziehungsweise das System der Automatisierung muss so sicher und robust sein", dass es von allen Fahrern bedient werden könne. "Ich stelle insofern die Frage und die Antwort kann man sich denken: Möchten wir dieses Vorgehen in einem sicherheitskritischen Umfeld wie dem Straßenverkehr?"

Zwar erfolgt die EU-Genehmigung der Tesla-Autos in den Niederlanden, doch ändert sich die Zuständigkeit mit den Updates, die der Autobauer bei seinen Fahrzeugen installiert. Wie bei allen Herstellern möchte das KBA auch hier genau wissen, welche Updates durchgeführt wurden und welche Veränderungen es dadurch gegeben hat. Tesla hält sich dabei offenbar aber weitestgehend bedeckt, wie Damm zu verstehen gibt: "Wenn wir keine Informationen erhalten, können wir nicht ausschließen, dass Systeme nicht regelkonform sind."

Das KBA wolle nicht neue Technologien verhindern, allerdings stellt Damm klar: "Die Straße ist kein Experimentierfeld, es geht um die Sicherheit im Verkehr und am Ende um Menschenleben." Und er fasst den Entschluss: "Wir werden und müssen ganz genau hinschauen und das auch selbst praktisch überprüfen und uns nicht nur auf Zusagen in Dokumenten verlassen."

Kritik an Tesla gibt es auch an seinem Umgang mit personenbezogenen Fahrerdaten. Das Unternehmen verwende nach bisherigen Informationen große Datenmengen, die unter anderem das Fahrverhalten des Fahrers betreffen. "Das kennen wir von traditionellen Herstellern in dieser Form nicht." Es gelte, den Umgang und die Weitergabe der Daten unter dem Aspekt datenschutzrechtlicher Vorgaben zu prüfen und zu regeln. In der Tat hat Tesla im vergangenen Jahr offenbar Daten von Temposündern an die Polizei in Berlin übermittelt.

Deutliche Kritik an Tesla auch in den USA

Auch in den USA ist der Autopilot von Tesla Gegenstand von Behördenuntersuchungen. Seit dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden steht das Unternehmen um CEO Elon Musk noch stärker unter der Aufsicht der NHTSA. In den vergangenen Jahren hat es dort ein Dutzend Unfälle gegeben, bei denen das Fahrassistenzsystem von Tesla eingeschaltet war. Auffällig häufig waren geparkte Rettungsfahrzeuge involviert, die von der Software vermutlich schlecht erkannt werden.

Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA hat deshalb im vergangenen August eine Mängeluntersuchung eingeleitet. Kürzlich gab es dann Kritik von US-Senatoren, die beim Tesla-Fahrassistenzsystem von einem Sicherheitsrisiko sprechen. Grund dafür ist vor allem ein Systemfehler, wonach die Fahrzeuge Kreuzungen mit Stoppzeichen offenbar ohne anzuhalten überfahren.

Tesla weist die Vorwürfe indes zurück. Der mächtige Autopilot verbessere die Fähigkeit der Kunden, sicherer zu fahren als der durchschnittliche Autofahrer in den USA, so die Erklärung dazu. Doch die Abgeordneten beharren: "Es ist längst an der Zeit, dass Tesla die Botschaft versteht: Befolgen Sie die Gesetze und priorisieren Sie die Sicherheit."

Quelle: Printausgabe Süddeutsche Zeitung

nk

Mehr zum Thema



Newsticker