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Tropensturm "Ernesto": Florida ruft Notstand aus

Der erste schwere Wirbelsturm der Saison hat einen Namen: "Ernesto". In Haiti hat er ein Todesopfer hinterlassen. Folgen des Sturms sind Notstand, Evakuierungen und eine mögliche Verzögerung des Starts der US-Raumfähre "Atlantis".

Wegen des herannahenden Wirbelsturms "Ernesto" hat der Gouverneur des US-Staates Florida, Jeb Bush, den Notstand ausgerufen. Auch auf Kuba bereiteten sich Behörden und Bürger auf das Eintreffen des Sturms am Montag vor. In Haiti brachte der Sturm viel Regen mit sich, nach Behördenangaben kam bei dem Unwetter ein Mensch ums Leben. Hohe Wellen des stürmischen Meeres zerstörten nach Angaben eines haitianischen Behördenvertreters das Haus einer Frau auf einer südlich gelegenen Insel. 13 weitere Unterkünfte wurden dort dem Erdboden gleichgemacht, Berichte über ein weiteres Todesopfer konnten zunächst aber nicht bestätigt werden.

Die Behörden der Keys-Inselgruppe vor Florida forderten alle Touristen auf, das Gebiet zu verlassen. Am Sonntagnachmittag (Ortszeit) wurde "Ernesto" zum tropischen Sturm herabgestuft. Die Windgeschwindigkeiten seien unter 119 Kilometer pro Stunde gefallen, hatten Experten mitgeteilt. Das Nationale Hurrikanzentrum rechnet aber damit, dass der Sturm in den nächsten Stunden wieder an Stärke gewinnt und gab eine Warnung für die Keys heraus. "Wir erwarten, dass er den Golf von Mexiko erreicht, möglicherweise als Hurrikan der Stufe 1 oder 2", erklärte John Cangialosi vom Nationalen Hurrikanzentrum in Miami.

Sturmwarnung auf Kuba

Im Osten Kubas, wo "Ernesto" am Montagmorgen mit 120 Stundenkilometern erwartet wurde, flohen 300.000 Menschen in Bussen und Lastwägen aus gefährdeten Orten in den Bergen und an der Küste. Die kubanischen Behörden erwägen die Evakuierung von Touristenorten an der Nordküste mit hunderten europäischen Touristen. Im Radio wurde die Bevölkerung aufgefordert, Maßnahmen zur Absicherung ihrer Wohnhäuser zu ergreifen. Zahlreiche Ölfirmen brachten ihr Personal von Förderanlagen im Golf von Mexiko in Sicherheit, wo die USA ein Viertel ihres Öls und Erdgases produzieren.

"Ernestos" Zentrum befand sich rund 200 Kilometer südlich von Guantànamo im Osten Kubas. Die Behörden befürchten vor allem Gefährdungen durch heftige Regenfälle und Hochwasser an den Südküsten von Guantànamo und Santiago de Cuba.

Startverzögerung von US-Raumfähre

Vor fast genau einem Jahr verwüstete der Hurrikan "Katrina" Teile der US-Golfküste und die Stadt New Orleans. Vor der Abschwächung auf Windgeschwindigkeiten um 96 Kilometer pro Stunde war "Ernesto" am Sonntag mit Böen von mehr als 120 Stundenkilometern Geschwindigkeit in Richtung Haiti gezogen. Er ist der erste schwere Wirbelsturm dieser Saison.

Im Wettlauf mit "Ernesto" hält die US-Raumfahrtbehörde NASA vorerst weiter an einem Start der Raumfähre "Atlantis" am Dienstag fest. Zugleich haben aber Vorbereitungen begonnen, den Space Shuttle in einer 160 Meter hohen Montagehalle auf dem Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Sicherheit zu bringen, falls der Hurrikan zu einer direkten Bedrohung werden sollte. Die Entscheidung über einen Start solle anhand der neuesten Wetterdaten am Montag um 13.00 Uhr (MESZ) getroffen werden, sagte NASA-Manager LeRoy Cain in Cape Canaveral. Von bislang 115 Shuttle-Starts seien bislang vier wegen drohender Gefahren durch Wirbelstürme abgebrochen worden.

Bedenken bei einer Startverschiebung

Derzeit bleiben der NASA noch drei Optionen. Falls das Wetter mitspielt, kann die "Atlantis" am Dienstag um 21.42 Uhr MESZ starten. Der Space Shuttle kann wahrscheinlich auch bis zum 7. September abheben, falls er auf der Startrampe stehen bleiben kann und nicht in der Montagehalle vor den Sturmausläufern von "Ernesto" in Sicherheit gebracht werden muss.

Sollte bis zum Dienstagmittag eine Evakuierung der Raumfähre notwendig werden, erscheint nach den Worten von NASA-Startdirektor Mike Leinbach der geplante Start bis zum 7. September als eher unwahrscheinlich. In diesem Fall muss die NASA das weitere Vorgehen mit der russischen Weltraumbehörde absprechen. Die "Atlantis" kann nämlich nur nach dem 7. September zur Internationalen Raumstation ISS fliegen, wenn der für den 14. September vorgesehene Start der russischen "Sojus"-Kapsel mit der neuen Langzeitbesatzung für die ISS ebenfalls verschoben wird.

Die russische Partneragentur macht aber Bedenken gegen eine Startverschiebung geltend. In diesem Fall würde die mit der derzeitigen Langzeitbesatzung zur Erde zurückkehrende "Sojus"-Kapsel nämlich nicht mehr bei Tageslicht landen können.

AP/Reuters/DPA / AP / DPA / Reuters