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Ohio Gefängniswärter prügelten ihn in den Rollstuhl: Missbrauchstäter bekommt 17,5 Millionen Dollar Entschädigung

Gefängnis in Ohio
Gefängnis in Ohio
© benkrut / Getty Images
Der US-Bundesstaat Ohio hat zugestimmt, einem ehemaligen Häftling 17,5 Millionen Dollar zu zahlen. Gefängniswärter hatten den Mann misshandelt – jetzt ist er querschnittsgelähmt.

Im Alter von 18 Jahren wurde Seth Fletcher zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt: Der junge Mann aus dem US-Bundesstaat Ohio hatte Aufnahmen von sexuellen Handlungen mit Minderjährigen angefertigt, ein Gericht entschied auf Kindesmissbrauch. Wie viele andere Missbrauchstäter auch hatte Fletcher hinter Gittern keinen einfachen Stand. 

Im Gefängnis wurde er zur Zielperson für zwei Wärter. Zwei Monate vor seiner Entlassung verprügelten die beiden Justizvollzugsangestellten ihn "sadistisch und böswillig", wie es in einer Klage heißt, die Fletcher und seine Anwälte einreichten. Seitdem ist der heute 21-Jährige querschnittsgelähmt und wird voraussichtlich den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen. Der Bundesstaat Ohio zahlt dem ehemaligen Insassen deshalb eine Entschädigung von 17,5 Millionen Dollar (umgerechnet mehr als 15 Millionen Euro).

Gefangener nach Misshandlung querschnittsgelähmt

Zu dem folgenschweren Vorfall kam es im April 2020. Bei einer Durchsuchung hatten die Wärter Zigaretten in Fletchers Zelle gefunden. Daraufhin legten sie ihm Handschellen an und wollten ihn in einen anderen Trakt bringen. Auf dem Weg habe Fletcher versucht zu fliehen, sagte einer der Wärter aus. Der Wärter stieß ihn zu Boden, dabei erlitt der Gefangene eine schwere Rückenmarksverletzung. Trotz seiner Beschwerden habe er keine medizinische Hilfe bekommen, gab Fletcher an.

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Stattdessen hätten ihn die Wärter mehrere Male absichtlich fallen gelassen. Als er um Wasser gebeten habe, hätten die Männer ihm Wasser in Mund und Nase gegossen, so Fletcher. So habe er bis zum nächsten Tag in seiner Zelle gelegen, ohne sich bewegen zu können. Erst dann wurde er behandelt.

Gefängniswärter prahlten mit ihrer Tat

Aus Textnachrichten, die Teil des Verfahrens waren, geht hervor, dass einer der Wärter anschließend in Chats damit prahlte, einem "Kinderschänder" die Nase und das Genick gebrochen zu haben. "Es fühlt sich gut an, dass ich eine kleine Rolle dabei spielen konnte, dass ein Kinderschänder jetzt gelähmt ist", schrieb er laut "The Columbus Dispatch".

"Folter und Verkrüppelung eines Gefangenen klingt mittelalterlich. Und doch geschah es hier, im Amerika des Jahres 2020", kommentierte Fletchers Anwalt den Vorfall. "Ein solcher Missbrauch darf sich niemals wiederholen." Gleichzeitig lobte er die Staatsanwaltschaft und den Gouverneur des Bundesstaats Ohio dafür, in diesem Fall Verantwortung zu übernehmen. In dem Gefängnis waren bereits ein Jahr nach Fletchers Verletzung drei beteiligte Mitarbeitende entlassen worden, sechs weitere quittierten den Dienst.

Quellen: CBS News / "The Columbus Dispatch"

epp

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