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Vermisster Malaysia-Airlines-Jet: Nach kontrollierter Wasserung gesunken?

Wie konnte eine Boeing 777 der Fluglinie Malaysia Airlines spurlos verschwinden? Der Luftverkehrsexpete Elmar Giemulla wagt eine Hypothese - und zeigt Lücken bei der Kontrolle von Passagieren auf.

Von Werner Mathes

Herr Professor Giemulla, offenbar haben sich mindestens zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen Tickets für den Flug MH 370 gekauft und sind damit problemlos an Bord der malaysischen Boeing 777 gekommen, die dann in der Nacht zum vergangenen Samstag offenbar vor Vietnam abstürzte. Wie kann das passieren?
Das hätte nie passieren dürfen.

Die internationale Polizeibehörde Interpol hat inzwischen bestätigt, dass die Pässe einem Österreicher und einem Italiener in Thailand entwendet wurden - und sie in ihrer entsprechenden Datenbank gelistet waren. Hätte das bei einer Kontrolle in Kuala Lumpur nicht auffallen müssen?
Natürlich. Deshalb werden doch gestohlene Pässe von Interpol für die nationalen Behörden abrufbar gehalten. Es ist die einfachste Sache der Welt, einen vorgelegten Pass mit dem Informationssystem von Interpol abzugleichen - wenn man denn mit diesem System tatsächlich vernetzt ist.

Gibt es keine internationalen Standards für solche Kontrollen?
Diese Standards gibt es, sie werden festgelegt von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO. Es liegt an den Mitgliedsstaaten der IACO, dass diese Standards in nationales Recht überführt werden. Das geschieht leider nicht immer, hier offenbar auch nicht.

Wie groß ist die Chance, auf deutschen Flughäfen mit gestohlenen Pässen einzuchecken?
Die ist äußerst gering. Bei Ein- und Ausreisekontrollen arbeitet die deutsche Bundespolizei geradezu vorbildlich.

Wer kann ein Interesse daran haben, mit falschen Pässen an Bord internationaler Flüge zu kommen?
Terroristen natürlich, die es vorziehen, nicht mit ihren möglicherweise bekannten Klarnamen einzuchecken. Aber natürlich auch normale Kriminelle, die gesucht werden, oder Passagiere, die kein Visum im Zielland bekommen würden. Da die Flüge der beiden Reisenden mit den falschen Papieren nach Kopenhagen und Frankfurt gebucht waren, kann man nicht ausschließen, dass dort die Einreisen erschmuggelt werden sollten.

Wäre im Fall eines terroristischen Anschlags die Fluggesellschaft Malaysia Airlines haftbar zu machen?
Ja, bis zu 140.000 Euro pro Passagier - es sei denn, sie weist nach, dass die polizeilichen Kontrolleure den Anschlag hätten verhindern können.

Glauben Sie als Luftverkehrsexperte an einen terroristischen Akt?
Soweit ich das - Stand jetzt - beurteilen kann, eher nicht, weil eine entführte Maschine irgendwo gelandet wäre. Und wenn es eine Explosion gegeben hätte, müssten Mengen von Wrackteilen auf dem Meer schwimmen. Ich denke, dass diese Boeing 777 eine kontrollierte Wasserung hingelegt hat, dass man dann womöglich eine Tür geöffnet hat und dass dann sofort Wasser eingedrungen und das Flugzeug gesunken ist.

Werner Mathes