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Verschüttete Bergarbeiter in Chile "Plan C" verspricht Rettung bis Anfang November


Strata 950, T-130 - Hinter diesen kühlen, anonymen Bezeichnungen ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation: Wie schnell können es die Bohrer schaffen, die in 700 Meter Tiefe eingeschlossenen Bergarbeiter zu erreichen?

Einen Monat nach dem Minenunglück gibt es für die 33 in Chile verschütteten Bergarbeiter Hoffnung auf eine frühere Rettung als zunächst angenommen. In einem an Rettungskräfte ausgegeben Papier heißt es, dass mit einem Ölbohrer im besten Falle bis Anfang November ein Rettungsschacht fertiggestellt werden könne. Angehörige erinnerten am Sonntag (Ortszeit) mit Gesängen an das Minenunglück in der Atacama-Wüste vor einem Monat.

Laut dem Planungspapier für die Rettungskräfte, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag, verspricht "Plan C" die früheste Rettung der eingeschlossenen Bergleute in Copiapo. Dabei soll ab dem 18. September ein riesiger Ölbohrer zum Einsatz kommen, für den eine Ausgangsfläche von der Größe eines Fußballplatzes benötigt wird. Da der Ölbohrer nur 597 Meter und damit weniger tief als die anderen beiden eingesetzten Bohrer bohren müsste, könnte der Rettungsschacht im besten Falle Anfang November fertig sein, hieß es in dem Papier. Bei Problemen könne es bis Anfang Dezember dauern.

Seit einer Woche ist bereits die Maschine "Strata 950" mit der Umsetzung von "Plan A" beschäftigt. Sie bohrt einen 66 Zentimeter breiten Rettungsschacht bis in 700 Meter Tiefe. Dies dürfte allerdings mehrere Monate dauern, bis Sonntag schaffte "Strata 950" etwa 40 Meter.

Im Rahmen von "Plan B" erweitert die Maschine "T-130" seit Sonntag den Durchmesser eines bereits bestehenden Versorgungsschachts von derzeit zwölf Zentimeter auf zunächst auf 30 Zentimeter. Durch den Schacht erhalten die Kumpel in der kleinen Gold- und Kupfermine San José unter anderem Nahrung und Medikamente.

Ganz Chile verfolgt gebannt das Schicksal der Bergleute. Nach dem Einsturz ihrer Mine am 5. August hatten sie sich in eine Rettungskammer in etwa 700 Meter Tiefe geflüchtet, erst zweieinhalb Wochen später wurden sie dort geortet. Mittlerweile werden "die 33", wie die chilenischen Medien die Männer nennen, als Helden verehrt.

Die Angehörigen der Bergarbeiter erinnerten am Sonntag mit Gesängen und aufmunternden Sprechchören an das Minenunglück vor einem Monat. Mit Bergwerksminister Laurence Golborne hissten sie auf einem Hügel in der Nähe der Mine zu Ehren der verschütteten Bergleute entsprechend ihrer Nationalitäten 32 chilenische und eine bolivianische Flagge. Der Minister verlas begleitet von "Viva"-Rufen der Angehörigen die Namen der Kumpel.

Einige Angehörige brachen angesichts der schwierigen Lebensbedingungen der Verschütteten in Tränen aus. "Es ist schwer für mich, weil sie nicht seit einem Monat dort unten in der Mine sein sollten", sagte María Segovia, deren Bruder Darío Segovia zu den eingeschlossenen Bergarbeitern gehört. Ihm gehe es gut, "das einzige, was er will, ist so bald wie möglich herauskommen".

Am Samstag hatten die Kumpel erstmals seit Beginn des Dramas die Möglichkeit bekommen, über eine Glasfaserkabelverbindung, die Bilder an die Angehörigen über Tage übertrug, mit ihren Familien zu sprechen. Die Stimmung sei allerdings schlecht gewesen, berichteten Víctor Zamora, der Bruder von einem der Bergleute, und andere Angehörige. "Gestern waren sie wütend, die Erschöpfung macht ihnen zu schaffen", führte Zamora aus. Die Kumpel beklagten sich darüber, dass Briefe von Angehörigen nicht zu ihnen heruntergelassen würden. Der zuständige Psychologe Alberto Iturra erklärte, es seien einfach zu viele Briefe. Den Zustand der Verschütteten bezeichnete er angesichts der schwierigen Situation als "ziemlich gut".

AFP AFP

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