Toter Buckelwal
Deutschland dreht durch, Dänemark bleibt kühl

Ein toter Wal liegt vor der dänischen Insel Anholt. Es handelt sich um den als Timmy bekannten Buckelwal
„Timmys“ Kadaver vor der dänischen Insel Anholt: Während man in deutschen Zeitungen und Fernsehsendern kaum um den Buckelwal herumkommt, stößt das tote Tier in Dänemark nur auf wenig mediales Interesse
© Marcus Golejewski / DPA

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Deutschland hat über den inzwischen toten Buckelwal „Timmy“ in voller medialer Lautstärke berichtet. In Dänemark, wo er kürzlich strandete, sieht es ganz anders aus.

Artikel, Livestreams, Liveblogs, Eilmeldungen, Schalten zum Live-Reporter: In den vergangenen Wochen beherrschte der Buckelwal „Timmy“ – auch „Hope“ genannt – die Berichterstattung in deutschen Zeitungen, Magazinen, Nachrichtenagenturen, Radio- und Fernsehsendern sowie Online-Nachrichtenseiten. Auch der stern informierte umfassend über das Tier, sogar mit Reportern vor Ort.

Inzwischen ist klar: „Timmy“ ist tot. Der Buckelwal, der am 2. Mai in einer privaten Rettungsaktion in der Nordsee ausgesetzt wurde, strandete vor der dänischen Insel Anholt. Am Samstag bestätigte die dänische Umweltschutzbehörde, dass es sich bei dem verendeten Tier um „Timmy“ handelt.

Während deutsche Medien mit Eilmeldungen, Kommentaren, Experteneinschätzungen, Videos und Fotostrecken auf den Tod des wohl bekanntesten Wales Deutschlands reagieren, bleiben Medien in Dänemark zurückhaltend.

Buckelwal „Timmy“ tot: wenig mediales Interesse in Dänemark

Der dänische Rundfunk Danmarks Radio meldete am Samstag knapp: „Gestrandeter Wal vor Anholt ist Timmy“. Die großen Tageszeitungen „Politiken“, „Jyllands-Posten“ und „Berlingske“ übernahmen einen Artikel der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau mit gleicher Überschrift.

Lediglich die Boulevardseite „B.T.“ scheint erstaunt über die deutsche mediale Aufregung: „Deutsche Medien in Aufruhr wegen dänischem Timmy-Fund“, lautet die Schlagzeile eines Artikels, der in wenigen Sätzen beschreibt, was die „Bild“-Zeitung, „Tagesschau“, „ZDF heute“ und ntv alles zum Tod von „Timmy“ veröffentlicht haben.

Dänische Medien hatten allerdings zuvor über den Buckelwal berichtet. Hauptsächlich ging es dabei um den Transport „Timmys“ in der Barge durch dänische Gewässer. Die Boulevardzeitung „Ekstra Bladet“ etwa beschrieb etwas ausführlicher die einzigartige Transport-Operation, ebenso das mögliche Schicksal des Wales nach seiner Aussetzung: Wie lange das Tier überleben würde, fragte man sich dort genauso wie in Deutschland.

Die Spekulation darüber, ob der vor Anholt angeschwemmte Wal tatsächlich „Timmy“ ist, war den dänischen Medien ebenfalls ein paar Meldungen wert. So berichtete der regionale Fernsehsender TV2 Østjylland darüber und zitierte dabei Morten Abildstrøm, der als Aufseher für die Naturbehörde auf Anholt tätig ist, mit den Worten: „Ich werde von den deutschen Medien regelrecht bombardiert.“

Transparenzhinweis: ntv ist wie der stern Teil von RTL Deutschland.

rw

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