HOME

Wetter extrem: Europa stöhnt zwischen Hitze und Flut

Während Großbritannien die schlimmsten Überschwemungen seit 60 Jahren erlebt, stöhnt ganz Südosteuropa unter einer ungewöhnlich langen Hitzewelle. Allein in Rumänien starben in der letzten Woche 30 Menschen an den Folgen der Rekordtemperaturen - und ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Straßen sind ausgestorben, die Geschäfte und Ämter geschlossen, Bukarest scheint geschlossen zu haben: Die Rekordhitze von über 43 Grad im Schatten hat auch aus der rumänischen Hauptstadt eine Geisterstadt gemacht. Allein am Montag starben wieder zwölf Menschen an den Folgen der extrem hohen Temperaturen, wie der rumänische Gesundheitsminister Eugen Nicolaescu bekannt gab. Damit erhöhte sich die Zahl der Hitzetoten auf 30 - innerhalb der letzten acht Tage -, die meisten starben an Austrocknung. Allein binnen der vergangenen 24 Stunden seien rund 800 Menschen erschöpft zusammengebrochen, 160 von ihnen in der Hauptstadt, berichtete der nationale Rettungsdienst.

Am bisher heißesten Tag dieses Sommers wurden am Dienstag vor allem im Süden des Landes Höchsttemperaturen von 43 Grad im Schatten erwartet, doch gerade in den übervölkerten Großstädten liegen die Temperaturen weit darüber. Denn Schatten gibt es kaum, und die Wohnblocks, Erbe der jüngeren kommunistischen Vergangenheit, speichern die Hitze so, dass auch in der Nacht nicht an Abkühlung zu denken ist.

Damit möglichst wenig Menschen tagsüber das Haus verlassen müssen, verlegten die öffentlichen Ämter ihre Öffnungszeiten auf die frühen Morgenstunden und den Abend: Ab elf Uhr machen die Behörden dicht. Alle Arbeiten unter freiem Himmel - wie auf Baustellen - wurden ausgesetzt, auch alle Märkte sperren erst nach 18.00 Uhr auf. Dennoch platzen die Notaufnamen der Krankenhäuser aus allen Nähten: Viele Rumänene leiden wegen der starken Sonne an nässenden Ausschlägen. Es gibt regionale Notrufnummern, die 24 Stunden besetzt sind, die stündlich in den lokalen Radioprogrammen durchgesagt werden.

Freibäder rund um die Uhr offen

Doch auch die Armee hilft: An strategischen Punkten wurden klimatisierte Zelte in den Städten aufgebaut, um Fußgängern, die dennoch unterwegs sind, ein bisschen Abkühlung zu verschaffen. An Knotenpunkten mit besonders viel Fußgängertätigkeit wurden außerdem Erste-Hilfe-Stationen erreichtet. Alle Springbrunnen und Freibäder bleiben rund um die Uhr in Betrieb. Ob es den leidenden Rumänen wirklich hilft ist fraglich: Für Mittwoch wurde zwar eine Abkühlung erwartet, jedoch auf nicht weniger als 30 Grad. Und bis die Mauern der Häuser abkühlen, dürfte es wnoch mehrere Tage dauern.

Im Einsatz gegen die Waldbrände in Griechenland kamen zwei Feuerwehrleute ums Leben. Ihr Flugzeug stürzte nach Angaben der Behörden vom Montag über der Insel Evia ab. Seit Juni wurden bereits mehr als 2.000 Waldbrände aus Griechenland gemeldet. Auch in der südserbischen Provinz Kosovo wüteten Waldbrände. Mehr als 20 Häuser in zwei Dörfern wurden ein Raub der Flammen, wie die Behörden mitteilten. Sicherheitskräfte und NATO-Soldaten evakuierten die Einwohner.

Wegen der enormen Sommerhitze und großer Trockenheit sind in ganz Italien zahlreiche Brände ausgebrochen. In der süditalienischen Region Apulien waren am Dienstag rund 250 Badegäste am Strand von Baia Mannacore bedroht, weil in der ganzen Umgebung Flammen züngelten. Zwei Menschen wurden verletzt und wurden von der Hafenpolizei auf Booten in ein Krankenhaus gebracht. Das Feuer kam so dicht an den Strand heran, dass mehrere Touristen nicht mehr vom Meer aus an Land gelangen konnten, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Feuerwehr war mit mehreren Booten im Einsatz, um den Menschen zu helfen.

In Italien wüten Brände

Auch in der mittelitalienischen Region Umbrien wüteten Feuer. In vergangenen Tagen seien 600 Hektar Wald den Flammen zum Opfer gefallen, hieß es. Auch die weltberühmte Amalfiküste war betroffen, wo mehrere Stunden lang die Küstenstraße 163 gesperrt werden mussten. Schwere Brände wüteten auch in dem Ort Castel Gandolfo bei Rom, in dem der Papst seine Sommerresidenz hat, sowie in Kalabrien und Kampanien. Die meisten Feuer sind nach Angaben des italienischen Fernsehens absichtlich gelegt worden.

Ganz anders in Großbritannien: Hier scheint der in Südosteuropa fehlende Regen niedergegangen zu sein. Das Land leidet unter der schwersten Flutkatastrophe seit 60 Jahren, Teile von West- und Zentralengland versanken im Chaos. Zwar fielen am Dienstag die Pegelstände in den am schwersten betroffenen Gebieten, doch waren bis zu 350.000 Menschen weiter ohne Trinkwasser - und sie könnten es noch bis zu zwei Wochen bleiben. Nach kurzer Regenpause am Dienstag sagen Meteorologen für die kommenden Tage wieder heftigen Regen voraus. Nun geht die Angst vor Gesundheitsgefahren durch verdrecktes Wasser um.

England: Chaos nach Flutkatastrophe

Die Stadt Gloucester entging in der Nacht nur um Haaresbreite einer Katastrophe, als ein Wasser- und Elektrizitätswerk, das hunderttausende Menschen versorgt, fast überschwemmt wurde. Reporter sprachen von einer "Geisterstadt", nachdem die Geschäfte geschlossen hatten. In der Grafschaft Gloucestershire konnten Einsatzkräfte die Stromversorgung für 48.000 Haushalte wieder herstellen.

Während in vielen Orten die Aufräumarbeiten begannen und Straßen wieder freigegeben wurden, rüsteten sich Anwohner in Orten nahe London wie Windsor und Reading entlang der Themse für die angekündigte Flut. Die Universitätsstadt Oxford war dagegen nicht so stark betroffen wie befürchtet. Die Themse und die Severn hatten nach den sintflutartigen Regenfällen vom Wochenende den Pegelstand der bisher verheerendsten Flut von 1947 überschritten. Städte hatten sich in Inseln verwandelt, Menschen waren mit Schlauchbooten unterwegs.

Immer noch kein Trinkwasser

Am schlimmsten traf es Tewkesbury, Gloucester und Cheltenham, wo die Trinkwasserversorgung unterbrochen ist. Die Menschen sollten im Laufe des Dienstags aus 900 großen Behältern mit frischem Wasser versorgt werden. Mit Hilfe des Militärs würden zudem drei Millionen Liter abgefülltes Wasser verteilt, kündigte Severn Trent Water an. Anwohner berichteten von langen Schlangen vor Supermärkten und Tankstellen.

In London beriet das Notfall-Komitee der Regierung, Cobra, über das weitere Vorgehen. Die Regierung war in die Kritik geraten, weil sie nicht genug für den Hochwasserschutz getan hätte. Der Hochwasserschutz in Großbritannien gilt als veraltet. Premierminister Brown hatte eine Überprüfung der Ursachen angekündigt und mehrere Millionen Pfund finanzielle Hilfe zugesagt. Die Versicherer rechneten mit einem Schaden von umgerechnet rund drei Milliarden Euro. Es ist bereits die zweite große Flut, die Großbritannien in diesem Sommer heimsucht.

spi mit AP/DPA / DPA