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Gerichtsprozess gegen Peta: Wie das berühmte Affen-Selfie einen Fotografen in den Ruin trieb

Das Selfie, das ein Affe von sich geschossen hatte, wurde weltberühmt. Doch wem gehört die Urheberschaft an dem Bild? Der Fotograf, der die Aufnahme für sich reklamiert, ist mittlerweile pleite.

Afen-Selfie Peta David Slater

Um ihn und sein Selfie geht es: Naruto, ein Schopfmakake von der Insel Sulawesi

Picture Alliance

"Ja, der Affe hat den verdammten Auslöser gedrückt. Aber das hat er ja nicht einfach so getan." David Slater ist Tierfotograf. Vor sechs Jahren reiste der Brite auf die indonesische Insel Sulawesi, wo die seltenen Schopfmakaken leben. Slater schilderte der "Süddeutschen Zeitung" am Telefon, wie er den Affen einige Tage lang folgte, um sie aus nächster Nähe zu fotografieren. Das gelang ihm auch.

Aber Slater ging weiter. Nachdem die vom Aussterben bedrohten Makaken Vertrauen gefasst hatten, montierte er laut eigenen Aussagen eine Kamera auf einem Stativ und lockte die Affen mit Futter an. Sie hatten gezeigt, dass sie neugierig auf das Klicken der Kamera waren. Schließlich begannen sie, Selfies zu knipsen. So entstanden auch die Selbstporträts von Naruto.

Das Selfie machte im Internet die Runde

Slater brachte später den Bildband "Wildlife Personalities" heraus. Zu seinem Ärger veröffentlichten zahlreiche Websites, darunter auch Wikimedia Commons, die Selfies von Naruto - die Bilder wurden weltweit hunderttausendfach geteilt und gedruckt. Vor allem das eine, auf dem Naruto verschmitzt zu grinsen scheint, wurde zu einem der berühmtesten Tierbilder überhaupt - und David Slater sah keinen Cent für die millionenfache Veröffentlichung. Für seinen Bildband interessierte sich auch niemand mehr. Warum auch, wenn man die Bilder kostenlos im Internet bekommt?

Denn bis heute ist es rechtlich ungeklärt, wer Urheber der Bilder ist. Slater oder der Affe? Oder niemand?

Für den Fotografen ist die Lage eindeutig. Er sieht sich als die Person, die hinter den Fotos als Autor steht. Er zog deswegen gegen Wikimedia Commons vor Gericht, scheiterte aber mit seiner Klage. Die Richter entschieden, dass weder ihm noch dem Affen Urheberrechte zustehen. Jeder dürfe das Foto frei veröffentlichen. "Verheerend war das", sagt der Fotograf. 

Tierschutzorganisation Peta mischt sich ein 

Doch das war nicht das Ende der Geschichte. Vor zwei Jahren mischte sich die Tierschutzorganisation Peta ein. Sie verklagte Slater im Namen des Affen vor US-Gerichten. Der Grund: Peta fordert die Urheberschaft für den Affen, dem damit das Geld aus den Einnahmen des Bildes zustehe. Peta wolle das Geld im Namen des Affen zum Schutz seiner Artgenossen und der Umwelt verwenden.

Das war vor zwei Jahren. Seitdem gab es mehrere Prozesse, in denen Peta nicht Recht bekam. Mittlerweile ist der Streit vor einem Bundesgericht in San Francisco gelandet, wo gerade die letzten Anhörungen stattfanden. Bis zu einem endgültigen Urteil können noch Monate vergehen.

Für Slater waren die Prozesse ruinös. Der Fotograf kann mittlerweile nicht mehr in seinem Job arbeiten, er ist pleite und arbeit als Tennislehrer: "Ich wünschte, ich hätte die verdammten Fotos nie gemacht", sagt er. "Sie haben mich finanziell und emotional ruiniert." Zur Anhörung nach San Francisco flog er nicht, weil er sich den Flug nicht leisten konnte.

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Ist ein Affe eine Person mit Bewusstsein?

Dennoch ist der Prozess nicht nur Affentheater. Kann ein Affe als Person mit einem Bewusstsein seiner Selbst gelten, so wie es Peta sieht? Oder haben Affen und im weitesten Sinne Tiere keine Persönlichkeitsrechte? Es sind durchaus komplizierte philospische Fragen, die das Gericht verhandelt.

Deshalb will es in erster Linie klären, ob Naruto bewusst auf den Auslöser der Kamera drückte. Für die Anwälte von Peta ist es eindeutig, dass der Affe das nötige Bewusstsein für eine solche Entscheidung habe. Slater widerspricht. "Fakt ist doch, dass ich die Intelligenz hinter diesem Foto bin“, argumentiert er. Er habe die Aufnahmen inszeniert. Der Affe habe nur den Auslöser seiner Kamera gedrückt. Mehr nicht.

Kritiker werfen Peta vor, dass sie den Prozess nur für eigene propagandistische Zwecke ausschlachte. Schließlich sei Naruto kein gequältes Tier, sondern lebe geschützt in einem Reservat.

Mit Peta ist nicht zu spaßen

Dass mit Peta nicht zu spaßen ist, zeigt der Fall einer deutschen Biologin. Zu Prozessbeginn fragte Peta bei der deutschen Affenspezialistin Antje Engelhardt nach, ob sie der Rechtsbeistand für Naruto sein wolle, so wie es bei Kindern der Fall ist. Engelhardt sagte zu, weil sie Naruto seit seiner Geburt kennt. Sie dachte, sie könnte dem Tier und seinen Artgenossen helfen.

Doch die Zusammenarbeit mit Peta sei zunehmend schwierig geworden, erzählte sie der "Süddeutschen". Schließlich zog sie sich aus dem Prozess zurück. Als sie eine persönliche Aussprache mit dem Anwalt in dessen Haus wollte, habe der die Polizei gerufen und sie sei in Handschellen abgeführt worden. Jetzt läuft auch gegen sie ein Verfahren wegen Belästigung und Hausfriedensbruch.

Leider ist es nicht möglich, Naruto zu den Ereignissen zu befragen. Schopfmakaken können nicht sprechen.

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