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Kampf gegen Gelbfiebermücken: Millionen mutierte Moskitos sollen Zika ausrotten - durch Sex

In Brasilien wollen Wissenschaftler Millionen genetisch veränderte Moskitos freilassen, um die Verbreitung des Zika-Virus einzudämmen. Sie sollen durch Fortpflanzung den Überträger zum Aussterben bringen. 

Die Gelbfiebermücke überträgt viele gefährliche Krankheiten, unter anderem auch das Zika-Virus

Die Gelbfiebermücke überträgt viele gefährliche Krankheiten, unter anderem auch das Zika-Virus

Wissenschaftler wollen in Brasilien Millionen genetisch veränderte Moskitos freisetzen. Sie sollen sich mit der Gelbfiebermücke paaren und so die Art ausrotten, berichtet die britische Zeitung "The Independent". Die Gelbfierbermücke ist der Überträger von zahlreichen gefährlichen Krankheiten, unter anderem auch des Zika-Virus und des Dengue-Fiebers.

Die mutierte Art würde bei der Fortpflanzung mit der Gelbfiebermücke Nachkommen mit einem genetischen Fehler produzieren, die nicht lebensfähig wären, erklären die Wissenschaftler des britischen Unternehmens Oxitec, das die Moskitos züchtet. "Auf diese Weise würden wir die Mücken, die das Virus übertragen, beseitigen", sagte der Biologe Karla Tepedino der Zeitung. "Durch die Beseitigung des Vektors, beseitigen wir die Krankheit."

60 Millionen Moskitos pro Woche 

Die Oxitec-Fabrik in der Nähe von Sao Paulo könne bis zu 60 Millionen Moskitos pro Woche produzieren, heißt es in dem Bericht weiter. Der Chef des Unternehmens, Hadyn Parry, sagte bei der Eröffnung des Werks, es sei die "erste und größte Fabrik" genetisch veränderter Stechmücken der Welt.

Die Wissenschaftler sind von dem Erfolg ihres Vorhabens überzeugt. Bei Feldversuchen zwischen 2011 und 2014 in Panama und auf den Cayman-Inseln hätten die Populationen der Gelbfiebermücke um 90 Prozent dezimiert werden können.

Umstrittene Methode

Momentan wartet Oxitec noch auf eine Verkaufsgenehmigung der brasilianischen Gesundheitsbehörde. Das Unternehmen rechnet jedoch damit, 2017 ihre Moskitos in die freie Wildbahn entlassen zu können. 

Die Methode ist jedoch umstritten. Gegner genetischer Manipulationen fürchten, dass die mutierten Mücken, die die Labore verlassen, die Tore für eine andere Krankheit öffnen könnten, berichtet etwa das wissenschaftliche Magazin "Phys.org".  Sie fordern mehr Beweise dafür, dass die Verbreitung des Zika-Virus tatsächlich mit dieser Maßnahme eingedämmt werden kann. 

Wissenschaft schnell erklärt: Zika-Virus: Müssen wir jetzt auf Sex verzichten?

In Süd- und Mittelamerika breitete sich das Zika-Virus in den vergangenen Monaten rasant aus. Besonders viele Fälle traten in Brasilien auf. Eine Infektion wird meistens nicht bemerkt oder führt allenfalls zu grippeähnlichen Symptomen; die meisten Patienten erholen sich schnell. Der Erreger kann bei Babys im Mutterleib aber zu ungewöhnlich kleinen Schädeln führen (Mikrozephalie). Folgen können geistige Behinderung und schwerwiegende neurologische Störungen sein.

ivi