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Zugunglück in Sachsen-Anhalt: Technischer Rückstand im Osten - die Unfallursache?

Menschliches Versagen oder fehlende Technik - die Suche nach der Ursache für das schlimmste Zugunglück seit Jahren läuft. Dabei zeigt sich: Offenbar gibt es ein West-Ost-Gefälle, was die Sicherheit auf Deutschlands Schienen angeht.

Das Bundesverkehrsministerium sieht nach dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt keine Versäumnisse der Deutschen Bahn als Netzbetreiber. Erst bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde seien magnetische Abbremssysteme vorgeschrieben, sagte der Sprecher von Minister Peter Ramsauer (CSU) am Montag in Berlin.

Auf dem betroffenen Streckenabschnitt Magdeburg - Halberstadt seien diese Notbremssysteme bei überfahrenen Haltesignalen noch nicht flächendeckend nachgerüstet worden, weil hier nur Geschwindigkeiten von 80 Kilometern pro Stunde erlaubt seien. Daher sei das Vorgehen der Bahn im Einklang mit der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung, betonte der Sprecher. Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte als Konsequenz aus dem Unglück mit zehn Toten die Nachrüstung von Sicherheitssystemen auf allen Strecken gefordert.

"Lokführer hat an der Spitze des Zuges zu stehen."

Am Samstagabend waren in Hordorf in der Magdeburger Börde ein Personen- und ein Güterzug auf einer eingleisigen Strecke ungebremst zusammengestoßen. Möglicherweise wurde ein Haltesignal übersehen, das bisher fehlende magnetische Bremssystem für diese Fälle sollte in Hordorf in diesem Jahr installiert werden.

Zu Berichten, das der Fahrer des Güterzugs nicht vorne in der Lok gestanden haben soll, sagte der Sprecher Ramsauers mit Blick auf die Rechtslage: "Der Lokführer hat an der Spitze des Zuges zu stehen." Das gelte sowohl für Personen-, als auch für Güterzüge. "Wir beteiligen uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht an Spekulationen", sagte der Sprecher mit Blick auf die Unfallursache. Hierzu müssten die Ermittlungen abgewartet werden.

Die Unfallstelle bleibt voraussichtlich mindestens bis Montagabend gesperrt. Zum Gedenken an die Opfer wurden dort ein Holzkreuz und mehrere Kerzen aufgestellt.

zen/DPA / DPA