Wetter Nach der Sturmflut kam der Winter


Schneematsch statt "Puderzucker" im Harz, geplatzter Saisonauftakt auf der Zugspitze, aber Ski und Rodel gut in Sachsen: Winterliche Postkartenidylle gab es am Wochenende nur selten. Unerwartet früh und heftig kehrte der Winter in Österreich ein und sorgte für erhöhte Lawinengefahr.

Nach der großen Sturmflut vom Freitag ist an der Nordseeküste ist nun in ganz Deutschland der Winter eingekehrt. Vor allem in den Alpen und Mittelgebirgen, aber auch in Norddeutschland haben Schnee und Hagel am Wochenende zu Verkehrsbehinderungen und zahlreichen Unfällen geführt. Allein in der Nacht zum Sonntag fielen in den Bergen bis zu 40 Zentimeter Schnee, örtlich gab es schwere Sturmböen. Auf dem Brocken betrug die Schneehöhe am Sonntag bereits einen halben Meter, auf der Zugspitze wurde 1,60 Meter gemessen. Auch in der Hauptstadt fiel der erste Schnee dieses Herbstes: Am Samstagnachmittag verfärbte sich der Himmel in Windeseile bleigrau, dann schneite es kräftig. Auf dem Rasen im Regierungsviertel blieben die ersten Schneeflocken liegen. Der Sonntag brachte den Berlinern dann Schneeflocken satt.

Im Hochschwarzwald fielen zwischen 20 und 30 Zentimeter Schnee. Während Räumarbeiten auf der schneebedeckten Feldberg-Passhöhe rutschte am Sonntag ein Schneepflug von der Straße. Das schwere Fahrzeug stürzte eine Böschung hinab, prallte gegen einen Baum und blieb auf dem Dach liegen. Der Fahrer wurde leicht verletzt. Die Autobahn 8 südlich von München wurde am Samstag gesperrt, nachdem ein Sattelzug bei schweren Schneeverwehungen in einen Pkw krachte. Der Fahrer kam ins Krankenhaus. Das Polizeipräsidium Oberbayern zählte allein am Samstagvormittag 33 Unfälle mit vier Schwer- und 12 Leichtverletzten. Auch auf der A 20 Richtung Lübeck und Rostock kam es wegen plötzlicher Hagelfälle zu Glätte und vielen Unfällen, ein Mensch wurde schwer verletzt.

Auf Helgoland verschwanden 1.100 Meter Badestrand

Österreich versank am Wochenende im Schnee: In Vorarlberg fiel bis zu eineinhalb Meter, die Nobel-Skiorte Lech und Zürs am Arlberg waren von der Außenwelt abgeschnitten. Hohe Lawinengefahr bestand in Oberösterreich und Salzburg. Auch den Schweizer Alpen bescherte der Wintereinbruch eine dicke Schneedecke.

Die erste Herbst-Sturmflut vom Freitag fügte der Hochseeinsel Helgoland die schwersten Schäden seit mehr als 30 Jahren zu. "An unserer vorgelagerten Nachbarinsel haben wir Sandverluste von geschätzten 150.000 Kubikmetern. Auf einer Länge von 1.100 Metern ist der Badestrand komplett verschwunden", sagte Bürgermeister Frank Botter der AP. Auch eine Schutzdüne sei zur Hälfte abgetragen worden. "Sandabbrüche in dieser Größenordnung gab es auf Helgoland zuletzt vor 31 Jahren." Teils erhebliche Sandabbrüche wurden auch von den ostfriesischen Inseln Juist, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge gemeldet. An der Küste fielen die Folgen der Sturmflut weniger schlimm aus als befürchtet. Der Havariestab im Maritimen Lagezentrum Cuxhaven sprach von einem glimpflichen Verlauf. In ganz Deutschland bleibt das Wetter zum Wochenanfang nass und kalt.

Am Montag ist es laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes wechselnd bewölkt. Es gibt einzelne Regen-, Schnee- oder Graupelschauer bei Höchsttemperaturen zwischen 1 Grad am Alpenrand und 8 Grad im Rheinland. In einigen Lagen sind schwere Sturmböen möglich. In den Alpen und den östlichen Mittelgebirgen schneit es zeitweise. Am Dienstag ist es meist stark bewölkt, im Westen und Südwesten kommen erneut verbreitete Niederschläge auf, die im Bergland als Schnee, sonst meist als Regen fallen. Im Norden und Osten fällt bis ins Flachland gelegentlich Schneeregen oder Schnee. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen null Grad am Alpenrand und 6 Grad in Nordwestdeutschland. Auch in der zweiten Wochenhälfte bleibt es kalt.

Matthias Armborst/AP AP

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